Wocheninfo vom 09.02.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- EZB: As boring as it gets
- Banken straffen ihre Kreditstandards
- Aktien: KI-Sorgen bringen Verluste
- Anleihen: Sichere Titel gefragt
- Devisen: Kurze Dollar-Stärke
- Rohstoffe: Runter und wieder hoch
- Rückschlag bei der Industrieproduktion
- Neuerliches Auftragsplus
- Belebung des Außenhandels
- Euroraum-Inflationsrate auf 1,7 % gesunken
EZB: As boring as it gets
Es war eine der erwartbarsten Entscheidungen der EZB in der vergangenen Woche. Die Währungshüter beschlossen einstimmig, den Einlagesatz wie erwartet bei 2,0 % zu belassen. Zwar sind sowohl die Inflation als auch die Kerninflation im Euroraum weiterhin rückläufig, dennoch läuft die europäische Wirtschaft trotz aller geopolitischen Unruhen sehr robust und übertraf zuletzt sogar die Erwartungen.
Die EZB scheint sich wieder etwas stärker auf ihre Prognosemodelle zu stützen. Diese deuten zwar für das laufende Jahr auf ein Unterschreiten des Inflationsziels hin, doch bereits im nächsten Jahr dürfte dieses wieder erreicht werden. Ähnliche Inflationserwartungen werden auch an den Finanzmärkten über Inflationsswaps eingepreist. Auch neu veröffentlichte Befragungen der EZB (Survey of Professional Forecasters) zeigen, dass mittelfristig ein Einpendeln auf das 2,0-Prozent-Inflationsziel erwartet wird.
Einzig der stärkere Euro sorgte dann doch noch für Diskussionen. EZB-Präsidentin Lagarde wies darauf hin, dass der Anstieg seit März 2025 in den Projektionen bereits berücksichtigt wurde. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass stärkere Anstiege über die Marke von 1,20 US-Dollar aus Sicht des EZB-Rates die Notwendigkeit für Zinssenkungen erhöhen könnten. Ähnliche Äußerungen gab es bereits im Vorfeld der Zinsentscheidung.
Banken straffen ihre Kreditstandards
Die europäischen Banken berichten im Bank Lending Survey der EZB für das 4. Quartal 2025 von einer Straffung der Kreditstandards für Unternehmen angesichts gestiegener Risiken. Die Kreditstandards für Immobilienkredite wurden leicht gelockert, während die Kreditnachfrage insgesamt nur langsam gestiegen ist. Handelsspannungen und geopolitische Unsicherheiten tragen zu strafferen Standards und einer gedämpften Nachfrage bei Krediten bei. Auch die deutschen Banken verzeichnen insgesamt nur einen leichten Anstieg der Nachfrage, unterhalb der Erwartungen.
Aktien: KI-Sorgen bringen Verluste
Unsicherheit über die Fed-Nominierung von Kevin Warsh sorgte für Zurückhaltung. Er gilt als Befürworter höherer Zinsen, hat sich jedoch zuletzt für Zinssenkungen ausgesprochen. Positive Konjunkturmeldungen aus den USA führten zu Wochenbeginn noch zu Käufen. Meldungen aus dem KI-Bereich sorgten dann jedoch in einem hoch bewerteten Markt für eine schnelle Sentiment-Drehung und Verkäufe. Fortschritte bei KI weckten Sorgen über die Tragfähigkeit bestimmter Geschäftsmodelle im Software- und Datenanalysebereich. Zum Wochenschluss kam es vor allem in Bereichen wie der Industrie zu Käufen. Damit setzt sich die Rotation aus Software- und Technologietiteln weiter fort. Am Freitag sorgten positive US-Verbraucherstimmungen für bessere Stimmung und Käufe. Der DAX schließt bei 24.721 Punkten 0,7 % höher. Die US-Märkte bleiben überwiegend im Minus.
Anleihen: Sichere Titel gefragt
Die Diskussionen um die neue Fed-Spitze sowie die Abverkäufe an den Aktienmärkten drückten die Renditen auf den Anleihemärkten. Zehnjährige US-Anleihen notieren etwa 6 Basispunkte niedriger bei 4,20 %. Deutsche Bundesanleihen bleiben fast unverändert und schließen die Woche bei 2,85 %.
Devisen: Kurze Dollar-Stärke
Der US-Dollar gewann in der vergangenen Woche wieder an Stärke. Der als Fed-Präsident nominierte Kevin Warsh gilt als Verfechter höherer Zinsen, woraufhin die Zinssenkungshoffnungen schwanden und der Greenback zulegte. Der stärkende Effekt scheint jedoch nur von kurzer Dauer gewesen zu sein, zum Ende der Woche wertete der Euro wieder auf. Auf Wochensicht bleibt dennoch ein Plus beim US-Dollar auf 1,1820 zum Euro.
Rohstoffe: Runter und wieder hoch
An den Rohstoffmärkten überwiegen die Sorgen. Nachdem zu Wochenbeginn vor allem bei den Edelmetallen Abverkäufe anstanden, sorgten die schlechte Stimmung an den Aktienmärkten und die Sorgen um den USAIran- Konflikt durch Berichte über Drohnenabschüsse im Wochenverlauf für deutliche Preisanstiege. Rohöl steht zum Wochenschluss bei 68,11 USD, der Goldpreis notiert wieder in der Nähe der 5.000-USD-Schwelle.
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Rückschlag bei der Industrieproduktion
Zum Jahresende fielen die Industriedaten in Deutschland uneinheitlich aus. Während die Produktion im Dezember sank, setzte sich bei den Neuaufträgen die Aufwärtsbewegung der Vormonate fort. Nach vorläufigen amtlichen Angaben verminderten sich die Industrieproduktion gegenüber November preis-, kalender- und saisonbereinigt um 3,0 %. Wegen der Anstiege der Vormonate war über das gesamte 4. Quartal dennoch ein moderater Produktionszuwachs um 0,9 % zu verzeichnen.
Maßgeblich für den Produktionsrückgang im Dezember war die Entwicklung in den beiden wichtigsten Industriebranchen, der Automobilindustrie (-8,9 %) und dem Maschinenbau (-6,8 %). In anderen Branchen kam es aber zu Produktionsausweitungen. Dies betrifft unter anderem die Herstellung von Metallerzeugnissen (+3,2 %) und den Sonstigen Fahrzeugbau (+10,5 %), die durch verteidigungswirtschaftliche Anschaffungen Impulse erhalten.
Auch im Baugewerbe ist die Produktion im Dezember gestiegen. Begünstigt durch die vergleichsweise milde Witterung legte die Bauproduktion um 3,0 % zu und konnte damit den Rückgang vom November (-2,7 %) mehr als ausgleichen. Im gesamten 4. Quartal lag die Bauproduktion um 1,9 % im Plus.
Neuerliches Auftragsplus
Die Neuaufträge des hiesigen Verarbeitenden Gewerbes stiegen im Dezember gegenüber dem Vormonat um kräftige 7,8 %.
Wie bereits in den Vormonaten waren für das Auftragsplus vor allem inländische Großaufträge verantwortlich, die die Inlandsorders um deutliche 13,0 % steigen ließen. Allerdings legten auch die Auslandsbestellungen merklich zu, um 5,6 %. Auf Quartalssicht fiel das Plus bei den Auslandsorders (+3,2 %) angesichts der handels- und geopolitischen Unwägbarkeiten deutlich schwächer aus als bei den Inlandsorders (+19,2 %).
Mit den neuen Produktionsdaten und der verhaltenen Entwicklung wichtiger Stimmungsindikatoren wie dem ifo Geschäftsklima hat die Hoffnung auf eine rasche Konjunkturerholung zunächst einen Dämpfer erhalten. Die stabile Aufwärtsbewegung der Industrieauftragseingänge lässt aber ein allmähliches Durchschreiten des Tiefpunktes erwarten.
Belebung des Außenhandels
Nicht nur die Industriekonjunktur, auch der Außenhandel scheint langsam Tritt zu fassen. So sind im Dezember sowohl die Warenausfuhren als auch die Wareneinfuhren in kalender- und saisonbereinigter Rechnung gestiegen. Die Ausfuhren, die im November noch um 2,5 % gesunken waren, legten um 4,0 % zu. Bei den Einfuhren kam es zu einer Wachstumsbeschleunigung von 0,7 % im November auf 1,4 % im Dezember.
Im gesamten 4. Quartal übertrafen die Warenexporte ihren Vorquartalsstand um leichte 0,6 %. Bei den Warenimporten war ein mit 1,5 % stärkerer Zuwachs zu verzeichnen, befördert offensichtlich auch durch die Beschaffung militärischer Güter. Vor diesem Hintergrund dürfte vom Außenhandel als Ganzes im Jahresendquartal erneut ein negativer Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ausgegangen sein.
Euroraum-Inflationsrate auf 1,7 % gesunken
Im Euroraum hat sich die allgemeine Teuerung zu Jahresbeginn merklich abgeschwächt. Nach vorläufigen Angaben von Eurostat übertraf der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im Januar seinen Vorjahresmonatswert um 1,7 %. Im Dezember hatte die Inflationsrate noch bei 2,0 % gelegen und damit genau bei dem Wert, bei dem die EZB mittelfristig das Ziel der Preisniveaustabilität als erfüllt sieht.
Hauptgrund für den Rückgang der Gesamtrate im Januar waren die Energiepreise, die deutlicher sanken als zuvor (-4,1 % nach -1,9 % im Dezember). Neben dem Basiseffekt der Anfang 2025 hohen Ölnotierungen trugen auch die jüngste Euroaufwertung gegenüber dem US-Dollar, in dem weite Teile des Ölhandels fakturiert werden, zur stärkeren Verbilligung der Energiepreise bei. Die Dienstleistungspreise lieferten ebenfalls einen Beitrag zum Rückgang der Inflationsrate. Sie verteuerten sich weniger kräftig (+3,2 % nach +3,4 %).
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR