Wocheninfo vom 12.01.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- Donroe und der Kampf um Rohstoffe
- Aktien: Grüne Woche
- Anleihen: Leicht sinkende Renditen
- Devisen: US-Dollar mit Stärke
- Rohstoffe: Ölpreis hält sich
- Höhere Industrieproduktion
- Weiter steigende Neuaufträge
- Inflationsrate auf 1,8 % gesunken
- Arbeitsmarkt in der Winterpause
Donroe und der Kampf um Rohstoffe
Die Welt verdaut nach wie vor die militärische Operation der USA in Venezuela. Dabei gehen die Diskussionen weit über das südamerikanische Land hinaus. Vielmehr geht es um die Interpretation der sogenannten Donroe-Doktrin, in Anspielung auf die Monroe-Doktrin aus dem Jahr 1823, die einen Entwurf der langfristigen amerikanischen Außenpolitik skizzierte. Dabei ging es einerseits um eine Nichteinmischung der USA in europäische Konflikte aber andererseits auch um die Unabhängigkeit der Staaten des amerikanischen Doppelkontinents von fremdem Einfluss. Nach einer Abkehr von der Monroe-Doktrin wurde diese in der nationalen Sicherheitsstrategie 2025 wieder in den Fokus gestellt mit einer Vormachtsstellung der USA, wobei diese erweitert wurde um die Kontrolle über die natürlichen Rohstoffe und Ressourcen. Venezuela als erdölreichstes Land der Welt bietet hier Potenziale. Dass der Einfluss aber nicht bei Venezuela bleiben soll, zeichnet sich schon ab. Der Druck der USA u. a. auf Grönland nahm zuletzt deutlich zu.
Hier gibt es verschiedenste wertvolle Rohstoffe, die durch die globale Erwärmung auch besser zugänglich werden. Darunter auch Seltene Erden. Da sich China in diesem Bereich ein Quasi-Monopol aufgebaut hat, ist das strategische Interesse daran besonders groß. Gleichzeitig gibt es Befürchtungen, dass die militärische Intervention in Venezuela auch zu anderen Verschärfungen führen könnte, etwa im China-Taiwan Konflikt. Der globale wirtschaftliche Schaden könnte aufgrund der Bedeutung Taiwans in der Halbleiterproduktion erheblich sein.
Für die Ölmärkte dürfte das Vorgehen in Venezuela zunächst keine signifikanten Auswirkungen haben. Die heruntergewirtschaftete Infrastruktur in der Ölförderung würde erhebliche Investitionen über mehrere Jahre benötigen, um eine signifikante Output-Erhöhung zu leisten. Kurzfristig ist nur mit geringen Produktionsausweitungen zu rechnen. Da der Ölmarkt bereits im Überangebot liegt, dürfte sich wenn überhaupt der Abwärtsdruck auf die Ölpreise leicht erhöhen.
Aktien: Grüne Woche
Die Aktienmärkte haben die erste vollständige Handelswoche des Jahres mit Gewinnen beendet. Damit wurde sowohl der militärische Einsatz der USA in Venezuela als auch die Drohungen gegenüber Grönland und Dänemark weitgehend ignoriert. Der DAX schaffte es zum ersten Mal über die 25.000 Punkte Marke und schloss mit knapp 3 % satt im Plus. Die europäischen Märkte konnten insgesamt etwa 2,5 % höher schließen, in den USA liegen die Indizes S&P 500 und Nasdaq Composite ebenfalls gut 1,5 % höher.
Anleihen: Leicht sinkende Renditen
Auch an den Rentenmärkten wurde gekauft, entsprechend niedriger liegen die Renditen. Dazu beigetragen haben dürfte eine steigende Nachfrage nach Sicherheit. Die Ankündigung der US-Regierung, die Verteidigungsausgaben in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen, könnte an den Finanzmärkten für steigende langfristige Zinsen sorgen. Dies wiederum könnte den Druck der Regierung auf die Geldpolitik erhöhen, die Zinsen in den USA zu drücken. Bislang macht sich dies aber kaum bemerkbar, zehnjährige amerikanische Papiere notieren bei 4,17 und damit etwas leichter als in der Vorwoche. Bundesanleihen notieren bei 2,83 % und damit etwa 7 Basispunkte unter dem Kurs der Vorwoche.
Devisen: US-Dollar mit Stärke
Der US-Dollar verlässt die geopolitisch angespannte Handelswoche stärker. Gegenüber der Gemeinschaftswährung Euro schließt der Greenback bei 1,1641, der japanische Yen klettert auf 157,88.
Rohstoffe: Ölpreis hält sich
50 US-Dollar per Barrel erhofft sich der US-Präsident als Ölpreis, wenn die Produktion in Venezuela hochgefahren wird. Damit sollen die nach wie vor erhöhten Lebenshaltungskosten in den USA im besten Fall vor den Midterms im November gesenkt werden. 50 Mio. Barrel wurden bereits beschlagnahmt. Gegenwärtig liegt die Produktion in Venezuela bei etwa 1 Mio. Barrel pro Tag. Ein schnelles Hochfahren der Produktion gilt als unwahrscheinlich. Für den Anstieg der Ölpreise in der vergangenen Woche um etwa 4 % auf 63,36 US-Dollar dürften eher die Ausschreitungen im Iran eine Rolle spielen.
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Höhere Industrieproduktion
Derzeit verdichten sich die Zeichen, dass der Abwärtstrend der Industrieproduktion in Deutschland zum Jahresende 2025 zum Stillstand gekommen ist. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes legte die Industrieproduktion im November zu, entgegen den allgemeinen Erwartungen. Sie stieg gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um deutliche 2,1 %.
Maßgeblich für den nunmehr dritten Produktionsanstieg in Folge waren die Produktionsausweitungen in den gewichtigen Bereichen Automobilindustrie (+7,8 %), Chemieindustrie (+4,7 %) und Maschinenbau (+3,2 %). In den meisten anderen Branchen mussten dagegen Rückgänge hingenommen werden.
Die Bauproduktion wurde im November um 0,8 % zurückgefahren, nachdem sie im Vormonat gestiegen war. Ausschlaggebend hierfür war die Ausbringung im Hochbau (-0,9 %), während der Tiefbau (-0,1 %) nahezu stagnierte.
Weiter steigende Neuaufträge
Beim Auftragseingang des hiesigen Verarbeitenden Gewerbes setzte sich die Erholung fort. Die Neuaufträge legten im November um kräftige 5,6 % zu, nachdem sie bereits in den Vormonaten gestiegen waren. Haupttreiber der Gesamtentwicklung blieben die inländischen Aufträge, die – abermals beflügelt durch Großaufträge – um 6,5 % zulegten. Aber auch die Nachfrage aus dem Ausland zog um spürbare 4,9 % an, nachdem sie im Oktober noch zurückgegangen war.
Innerhalb der Industrie wiesen die Bereiche Bekleidung (+29,6 %), Metallerzeugnisse (+25,3 %), Sonstiger Fahrzeugbau (+12,3 %) und EDV und Optik (+8,3 %) die höchsten Bestellzuwächse auf, was vielfach im Zusammenhang mit verteidigungswirtschaftlichen Beschaffungen stehen dürfte.
Alles in allem nähren die jüngsten Monatsdaten die Hoffnung, dass die Industrie und damit auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zum Jahreswechsel 2025/26 einen einen Wendepunkt erreicht hat. Die sich abzeichnende Belebung dürfte wegen der anhaltenden inländischen Strukturprobleme und wegen des Gegenwinds von Seiten der USHandelspolitik aber nur moderat ausfallen.
Inflationsrate auf 1,8 % gesunken
Zum Jahresende hat sich der Preisauftrieb in Deutschland merklich verlangsamt. Nach vorläufigen amtlichen Schätzungen übertraf der Verbraucherpreisindex (VPI) seinen Vorjahresmonatswert um 1,8 %. Im November lag die Inflationsrate noch bei 2,3 %. Im Jahresdurchschnitt 2025 stiegen die Verbraucherpreise um 2,2 % an und damit genauso stark wie im Vorjahr 2024.
Ausschlaggebend für den Rückgang der Inflationsrate im Dezember, die damit auf niedrigsten Stand seit September 2024 fiel, waren die Warenpreise. Diese verteuerten sich weniger deutlich als zuvor (+0,4 % nach +1,1 % im November), was auch als Zeichen für eine noch immer andauernde allgemeine Nachfrageschwäche gedeutet werden kann. Unter anderem sind die Nahrungsmittelpreise weniger stark gestiegen als noch im November (+0,8 % nach +1,2 %).
Arbeitsmarkt in der Winterpause
Vor dem Hintergrund der noch andauernden Wirtschaftsflaute und wegen der einsetzenden Winterpause in vielen Außenberufen zeigte sich die Arbeitsmarktentwicklung zum Jahresende weiterhin schwach. Gemäß den aktuellen Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Arbeitslosenzahl im Dezember gegenüber dem Vormonat um 23.000 auf 2,908 Mio. Menschen gestiegen. Auch in der um die üblichen saisonalen Effekte bereinigten Rechnung legte die Arbeitslosenzahl zu, um 3.000. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 2,948 Mio. Menschen als arbeitslos gemeldet, 161.000 mehr als im Vorjahr.
Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte im Dezember bei 6,3 %, auf dem Stand, den sie auch im Jahresdurchschnitt 2025 markierte. Sie ist damit im Vorjahresvergleich um 0,3 Prozentpunkte gestiegen.
Die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl hat sich weiter von ihrem im April 2025 mit 46,02 Mio. Personen erreichten Höchststand entfernt. Sie sank zuletzt, im November, minimal um 1.000 auf 45,952 Mio. Menschen.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR