Wocheninfo vom 16.02.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- Geldpolitik im Euroraum mit Abwärtsrisiken
- Anderes Bild in den USA
- Aktien: AI scare trade wirkt
- Anleihen: Renditerückgänge
- Devisen: US-Dollar wertet weiter ab
- Rohstoffe: Preisrückgänge auf breiter Front
- Insolvenzdynamik lässt nach
- Lkw-Mautindex deutet auf schwachen Jahresauftakt
- Euroraum-BIP-Zuwachs bestätigt
- Mehr Erwerbstätige im Euroraum
Geldpolitik im Euroraum mit Abwärtsrisiken
Der EZB Wage Tracker signalisiert eine Normalisierung des Lohndrucks bei den Tarifverdiensten im Jahr 2026, die nach 3,0 % in 2025 nur noch um 2,7 % steigen dürften. Auch die nationalen Unterschiede in Bezug auf den Lohndruck dürften im Jahr 2026 geringer ausfallen als in den Vorjahren. Die Lohnentwicklung ist insbesondere relevant für die lohnintensiveren Dienstleistungen. Hier lag die Inflation zuletzt, also im Januar, bei 3,2 %. Ein Rückgang der Tarifverdienste dürfte in diesem Bereich für weitere Entspannung sorgen. Gleichwohl liegt die Inflation im Euroraum bereits auf beziehungsweise zuletzt sogar unter dem Inflationsziel. Rückläufige Löhne, die Aufwertung des Euros und Verschiebungen von Lieferketten, insbesondere aus dem asiatischen Raum nach Europa, bedeuten für die Inflation Abwärtsrisiken. Gegenwärtig bleibt ein Handlungsbedarf aber aus; die marktimpliziten Inflationserwartungen sind fest beim 2 Prozent-Ziel verankert. Die von der EZB regelmäßig befragten geldpolitischen Analysten (Survey of Monetary Analysts) gehen in ihrer aktuellen Umfrage im Median von unveränderten Leitzinsen bis Mitte 2028 aus, wobei die Wahrscheinlichkeiten für Zinssenkungen in den kommenden Monaten aber deutlich höher sind als für Zinserhöhungen.
Anderes Bild in den USA
Der US-Arbeitsmarkt verzeichnet aktuell das stärkste Jobwachstum seit 2024 mit sinkender Arbeitslosenquote. Die auf Zinssenkungen hoffenden Märkte reagierten enttäuscht: Die ursprünglich für Juni eingepreiste nächste Zinssenkung wird nun für Juli eingepreist, und die Anleiherenditen stiegen deutlich an. An den Märkten wird weiterhin mit zwei Zinssenkungen gerechnet, wobei die marktimpliziten Inflationserwartungen nur geringfügig über dem Inflationsziel liegen. Aufgrund der demografisch bedingt schrumpfenden Erwerbsbevölkerung dürfte der US-Arbeitsmarkt nahe an der Vollbeschäftigung sein. Die Inflation bleibt erhöht, sodass die aktuelle Markterwartung zumindest ambitioniert erscheint.
Aktien: AI scare trade wirkt
Die neue Handelswoche startete zurückhaltend, neue Gewinne wurden schnell mitgenommen. Positiv aufgenommen wurde der Wahlsieg von Sanae Takaichi in Japan. Die Befürworterin höherer staatlicher Ausgaben sorgte für Erinnerungen an die Zeit der Abenomics und damit für steigende Aktienkurse. Besonders in den USA ging es im weiteren Wochenverlauf abwärts. Der Zurückhaltung vor neuen Arbeitsmarktdaten folgte die Enttäuschung über zu gute Daten, die die Hoffnung auf Zinssenkungen dämpften. Zudem hält der sogenannte "AI scare trade" weiter an, der die Sorge beschreibt, inwieweit rasante Fortschritte bei KI-Agenten die bisherigen und traditionellen Geschäftsmodelle untergraben könnten. Die europäischen Märkte sind bislang noch nicht so stark betroffen. In den USA schließen die Märkte um bis zu 2 % im Minus, der DAX schafft ein leichtes Plus von 0,78 %.
Anleihen: Renditerückgänge
Am Anleihemarkt gingen die Renditen nach unten. Umschichtungen aus dem Aktienmarkt drücken die US-Anleihen auf 4,05 %; Bundrenditen lagen bei 2,76 % ebenfalls niedriger.
Devisen: US-Dollar wertet weiter ab
Trotz nachlassender Hoffnungen auf Zinssenkungen verlor der US-Dollar-Index sogar an Wert. Der Rückgang trotz positiver Kon-junkturdaten deutet auf ein negatives Marktsentiment gegenüber dem Greenback hin. Gegenüber dem Euro gab der US-Dollar ebenfalls nach und notierte bei 1,1850.
Rohstoffe: Preisrückgänge auf breiter Front
Die Ölpreise gaben im Wochenverlauf leicht nach und notierten bei 67,75 USD. Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran belasten, zuletzt verweigerte der Iran, das Raketenprogramm in die Gespräche einzubeziehen. Gleichzeitig belasten Meldungen über gestiegene Rohölvorräte in den USA und rückläufige Nachfrage. Der Goldpreis geriet vorübergehend unter Druck; höhere Zinserwartungen machen das unverzinste Edelmetall weniger attraktiv. Zum Wochenschluss bleibt aber ein leichtes Plus. Der Preis für CO2-Zertifikate geriet ebenfalls unter Druck und fiel um über 10 %; hier wirken Diskussionen in der EU, rund 370 Mio. ungenutzte Zertifikate freizugeben, um die Industrie zu entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
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Insolvenzdynamik lässt nach
Im Zuge der allmählichen Stabilisierung der Konjunktur hat sich in Deutschland die Aufwärtsbewegung in den monatlichen Insolvenzdaten weiter abgeflacht. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden von den Amtsgerichten im November 1.794 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Die Zahl der Firmenpleiten ist damit gegenüber dem Vormonat um 314 Fälle gesunken. Sie lag dadurch nur noch leicht um 0,4 % über ihrem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Zum Vergleich: Im etwas längerfristigen Zeitraum der Monate Januar bis November übertrafen die Unternehmensinsolvenzen den Wert des Vorjahreszeitraums noch um 10,0 %.
Auch bei den Verbraucherinsolvenzen hat sich der Anstieg abgeflacht. Die Verbraucherpleiten sind im November gegenüber dem Vorjahresmonatswert um 7,3 % auf 6.408 Fälle gestiegen. Im Zeitraum von Januar bis November war noch ein Anstieg um 8,1 % zu verzeichnen.
Lkw-Mautindex deutet auf schwachen Jahresauftakt
Trotz der sich verdichtenden Hinweise für eine Trendwende scheint die Erholung der hiesigen Industrie weiterhin holprig zu verlaufen. Neben der verhaltenen Entwicklung wichtiger Stimmungsindikatoren wie dem ifo Geschäftsklima lässt hierauf auch der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex schließen. Der Index misst die Fahrleistung mautpflichtiger Lkw auf Bundes-autobahnen und gilt als Frühindikator für die Konjunkturentwicklung.
Für Januar lässt der Index eher einen weiteren Rückgang als einen Anstieg der Industrieproduktion erwarten. Im Dezember war die Industrieproduktion gegenüber November preis-, kalender- und saisonbereinigt um deutliche 3,0 % gesunken, nachdem sie in den vorangegangenen Monaten noch gestiegen war. Für den Produktionsrückgang im Dezember waren die Entwicklungen in den beiden wichtigsten Industriebranchen verantwortlich, der Automobilindustrie (-8,9 %) und dem Maschinenbau (-6,8 %). In anderen Bereichen kam es hingegen zu Produktionserhöhungen, unter anderem gestützt durch verteidigungswirtschaftliche Anschaffungen.
Euroraum-BIP-Zuwachs bestätigt
Eurostat hat inzwischen detaillierte Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Euroraums im 4. Quartal veröffentlicht. Das zentrale Ergebnis der vorherigen Schätzungen wurde dabei bestätigt. So ist das preis-, kalen-der- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 0,3 % gestiegen, nachdem es bereits im 3. Quartal um 0,3 % expandiert hatte.
Innerhalb des Euroraums war das Wachstum breit angelegt. Mit Ausnahme von Irland (-0,6 %) wiesen alle Mitgliedsstaaten, für die bereits Angaben vorliegen, einen Anstieg des BIP auf. Unter den großen Euroraum-Staaten verzeichnete Spanien (+0,8 %) erneut den stärksten Zuwachs In Deutschland und in Italien (jeweils +0,3 %) stieg die Wirtschaftsleistung im Gleichschritt mit der Gesamtentwicklung. In Frankreich (+0,2 %) fiel der BIP-Zuwachs minimal schwächer aus. Erste Angaben zur Entwicklung der BIP-Verwendungskomponenten (Konsum, Investitionen, Außenhandel) plant Eurostat am 6. März zu publizieren.
Mehr Erwerbstätige im Euroraum
Mit den jüngsten Daten zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat Eurostat auch neue Angaben zur Erwerbstätigkeit herausgegeben. Demnach stieg die Zahl der Erwerbstätigen im 4. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 % auf 176,1 Mio. Menschen. Das Tempo des Stellenaufbaus blieb damit gegenüber dem 3. Quartal (+0,2 %) unverändert und lässt auf eine weiterhin robuste Arbeitsmarktlage schließen.
Dass sich der Euroraum-Arbeitsmarkt insgesamt in einer robusten Verfassung befindet signalisiert auch die Arbeitslosenquote. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote des Währungsraums ist zuletzt von 6,3 % im November auf 6,2 % im Dezember gesunken. Sie befindet sich damit auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2024. In Deutschland lag die nach den hier verwendeten ILO-Standards ermittelte Arbeitslosenquote mit 3,8 % weiter-hin unter dem Euroraum-Durchschnitt.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR