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Wocheninfo vom 19.01.2026

Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Beeindruckende Gegenwehr der Fed
  • Aktien: Nervöse Märkte
  • Anleihen: Wenig Bewegung
  • Devisen: US-Dollar stärker
  • Rohstoffe: Ölpreise reagieren auf Iran
  • BIP im Jahr 2025 um 0,2 % gestiegen
  • Weitere Zunahme der Insolvenzen
  • Höhere Euroraum-Industrieproduktion
  • Rückgang der Inflationsrate bestätigt

Beeindruckende Gegenwehr der Fed

Die jüngsten Angriffe der US-Regierung auf die unabhängige Notenbank Federal Reserve (Fed) haben mit den strafrechtlichen Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen Notenbankpräsident Jerome Powell einen neuen Höhepunkt erreicht. Im Zentrum der Vorwürfe steht die Behauptung, Powell habe im Zusammenhang mit laufenden Renovierungsarbeiten an Gebäuden der Zentralbank Falschaussagen gemacht. Powell selbst ging in einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit und machte die Ermittlungen publik. In einer für Zentralbanker ungewöhnlich klaren Sprache betonte er, dass es bei den Ermittlungen in Wahrheit nicht um Renovierungsarbeiten ginge, sondern um einen Versuch, die Geldpolitik der Fed zu beeinflussen.

Weltweit erhielt Powell Rückhalt, unter anderem von früheren Fed-Präsidenten. Sie erklärten, dass die aktuellen Vorgänge einen beispiellosen Versuch zur Untergrabung der Unabhängigkeit der Notenbank darstellen. Ein solches Vorgehen sei typischerweise aus Schwellenländern mit schwachen Institutionen bekannt und könne potenziell schwerwiegende Folgen für die Inflationsentwicklung sowie das reibungslose Funktionieren der gesamten Volkswirtschaft haben.

Die Beliebtheit des US-Präsidenten ist zuletzt deutlich zurückgegangen, was unter anderem auf die hohen Lebenshaltungskosten zurückzuführen ist, die viele US-Bürger belasten. Sollten die aktuellen Angriffe auf die Zentral-bank diese Sorgen weiter verstärken, könnte dies erheblichen Einfluss auf das Wahlverhalten bei den Midterm-Wahlen im November dieses Jahres haben.

An den Finanzmärkten sind bereits erste Reaktionen zu beobachten: Die Preise für Edelmetalle erreichten neue Höchststände, und die erwartete Inflation stieg leicht an. Ein größerer Vertrauensverlust blieb jedoch bisher aus. Die Märkte reagieren aber häufig weniger vorausschauend und rational als angenommen wird, dafür dann aber umso intensiver.

Aktien: Nervöse Märkte

Die Finanzmärkte werden weiterhin von geldpolitischen Maßnahmen und geopolitischen Spannungen beeinflusst. Der verschärfte Konflikt zwischen der US-Regierung und der US-Notenbank führte in den USA zu einem verhaltenen Wochenbeginn, wobei Kursrückgänge rasch für Käufe genutzt wurden, sodass die negativen Effekte auf die Aktienmärkte bisher begrenzt blieben. Im Verlauf der Woche sorgten neue Inflationszahlen in den USA für eine leichte Ernüchterung, insbesondere aufgrund gestiegener Lebensmittelpreise und Wohnkosten, was Zinssenkungen durch die Fed zunehmend unwahrscheinlich macht. Der DAX schloss leicht im Plus bei 25.297 Punkten, während die US-Börsen leicht im Minus liegen. Die neuen Zollankündigungen des US-Präsidenten sorgen zu Wochenbeginn für Verluste.

Anleihen: Wenig Bewegung

Die Anleihemärkte zeigten nur geringe Bewegung. Zunächst kam es zu einem Anstieg der Renditen, ausgelöst durch Sorgen um die Fed sowie steigende Risikoaufschläge. Gleichzeitig stießen neue Auktionen auf reges Interesse. Zum Wochenschluss dominierten die gesunkenen Zinssenkungserwartungen die Rentenmärkte und sorgten für steigende Renditen. Die Renditen bei zehnjährigen US-Anleihen stiegen um 6 Basispunkte auf 4,23 %, während die deutschen Bundesanleihen mit 2,84 % nur etwas höher notierten.

Devisen: US-Dollar stärker

Der US-Dollar reagierte zunächst schwächer auf die Fed-Angriffe. Im weiteren Verlauf der Woche führten dann nachlassende Zinssenkungserwartungen zu Aufwertungen. Zum Euro schloss der US-Dollar stärker bei 1,1595.

Rohstoffe: Ölpreise reagieren auf Iran

Auch auf den Rohstoffmärkten spiegeln sich die Sorgen hinsichtlich der Fed wider. Edelmetalle wie Gold und insbesondere Silber legten deutlich zu und erreichten neue Höchst-stände. Die Unruhen und Eskalationen im Iran sowie mögliche US-Intervention trieben die Ölpreise nach oben. Im weiteren Wochenverlauf nahm die Befürchtung einer US-Intervention ab, was zu einem Rückgang der Ölpreise führte. Auf Wochensicht verzeichneten sie dennoch einen Anstieg um gut 1 % und schlossen bei 64,17 US-Dollar.

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BIP im Jahr 2025 um 0,2 % gestiegen

Nach zwei Rezessionsjahren hat sich die deutsche Wirtschaft 2025 etwas stabilisiert. Wie das Statistischen Bundesamt anhand erster Schätzungen mitteilte, stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber 2024 leicht um 0,2 %.

Die Entwicklung fiel damit etwas günstiger aus als vom BVR im Dezember prognostiziert (+0,1 %). Hauptgründe hierfür sind, dass das preis-, kalender- und saisonbereinigte Wirtschaftswachstum zu Jahresbeginn und zum Jahresende stärker ausfiel als erwartet. So haben die Wiesbadener Statistiker ihre bisherige BIP-Verlaufsrate für das 1. Quartal 2025 von zuvor 0,3 % auf 0,4 % angehoben, offenbar wegen einer zwischenzeitlich erfolgten Aufwärtsrevision des amtlichen Dienstleistungsumsatzindexes. Zudem rechnen sie angesichts der zuletzt überraschend positiv ausgefallenen Industriedaten für das 4. Quartal mit einem leichten BIP-Zuwachs um 0,2 % (BVR-Prognosewert: +0,0 %).

Gemäß den aktuellen amtlichen Daten war für das leichte BIP-Wachstum 2025 vor allem die weiter steigenden Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates verantwortlich. Von den Bruttoanlageinvestitionen und vom Außenbeitrag gingen hingegen insgesamt keine Wachstumsimpulse aus. So waren die Exporte angesichts höherer US-Zölle, der Euro-Aufwertung und der stärkeren Konkurrenz aus China erneut rückläufig, während die Importe zunahmen.

Weitere Zunahme der Insolvenzen

In Deutschland hält der Trend zu steigenden Insolvenzzahlen an. Angesichts der hohen Kosten und der noch schwachen Konjunktur legten die Unternehmensinsolvenzen im Oktober gegenüber dem Vormonat um 4,8 % auf 2.108 Fälle zu. Bei den Verbraucherinsolvenzen fiel der Anstieg noch stärker aus. Sie legten um 7,6 % auf 6.709 Fälle zu.

Die meisten Unternehmensinsolvenzen je 10.000 Unternehmen entfielen im Oktober erneut auf den Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei (12,3 Fälle), gefolgt vom Gastgewerbe (10,5 Fälle) und Baugewerbe (8,5 Fälle).

Wegen des Basiseffekts der Ende 2024 vergleichsweise niedrigen Fallzahlen dürfte sich der Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zum Jahresende 2025 vorübergehend beschleunigen. Hierauf lässt auch der amtliche Schnellindikator zu den Regelinsolvenzen schließen, der im Dezember seinen Vorjahresmonatstand um 15,2 % übertraf.

Höhere Euroraum-Industrieproduktion

Im November haben die Industriebetriebe des Euroraums ihre Produktion erneut ausgeweitet. Nach vorläufigen Angaben von Eurostat legte die preis-, kalender- und saisonbereinigte Erzeugung gegenüber dem Vormonat um 0,7 % zu und damit genauso stark wie bereits im Oktober.

Angesichts der Auftragsentwicklung zeichnet sich für die nahe Zukunft eher eine weitere Zunahme als ein Rückgang der Produktion ab. So lag der Order-Indikator der EU-Kommission im 4. Quartal etwas über seinem niedrigen Vorquartalsstand.

Rückgang der Inflationsrate bestätigt

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen detaillierte Angaben zur Entwicklung des Verbraucherpreisindexes (VPI) im Dezember vorgelegt. Das zentrale Ergebnis der Anfang Januar vorgelegten ersten Schätzung wurden dabei bestätigt. So sank die Inflationsrate in Deutschland von 2,3 % im November auf 1,8 % im Dezember. Im Jahresdurchschnitt 2025 lag die Rate bei 2,2 %, genauso hoch wie 2024.

Zum Rückgang der Inflationsrate im Dezember trugen die wieder stärker sinkenden Energiepreise (-1,3 % im Dezember nach -0,1 % im November) und der nachlassende Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln (+0,8 % nach +1,2 %) bei. Dienstleistungen verteuerten sich unverändert um überdurchschnittliche 3,5 %.

Im Januar könnte die Inflationsrate zunächst unter der Marke von 2 % bleiben. Zwar dürften die Anhebungen des Mindestlohns und des Deutschlandticket-Preises sowie Änderungen der nationalen CO2-Bepreisung steigernd wirken. Dem stehen jedoch entlastende Effekte 

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR