EZB vor Sommerpause
Der EZB-Rat trifft sich in dieser Woche am Mittwoch und Donnerstag zu seiner geldpolitischen Juni-Sitzung. Die Erwartungen sind klar abgesteckt: An den Finanzmärkten ist man sich mit knapp 90 % sehr sicher, dass keine Zinsänderung beschlossen wird. Die unwahrscheinliche Alternative wäre angesichts der erhöhten Inflation eine Zinserhöhung. Weitere Zinssenkungen sind derzeit vollständig vom Tisch.
Nach der Zinserhöhung im Juni liegt der geldpolitisch relevante Zins der Einlagefazilität bei 2,25 % und damit am oberen Rand des als geldpolitisch neutral geltenden Bereichs von 1,75 bis 2,25 %. Mit der frühen Reaktion auf die gestiegenen Inflationsraten konnte die EZB ein glaubwürdiges Signal an die Märkte senden, in diesem Inflationszyklus schneller zu reagieren als noch vor einigen Jahren. Seit der Zinserhöhung im Juni sind die marktimpliziten Inflationserwartungen vor allem am kurzen Rand deutlich zurückgegangen. Der Rückgang dürfte dabei einerseits die gesunkenen Preise für Öl und Gas widerspiegeln, andererseits aber auch die gegenwärtige Erwartung überschaubarer Zweitrundeneffekte.
Für die EZB ist die gegenwärtige Lage damit relativ komfortabel. Die frühe Reaktion sorgt für Glaubwürdigkeit. In der aktuellen Kommunikation betonen die Währungshüter, jederzeit bereitzustehen und entschieden mit weiteren Zinserhöhungen zu reagieren, falls dies erforderlich sein sollte. Gleichzeitig hat man mit der Zinserhöhung im Juni ausreichend vorgebaut, um nun die geopolitische Gemengelage über die Sommerpause hinweg zu beobachten.
Die Sommerpause nutzen kann hoffentlich auch EZB-Präsidentin Lagarde, die sich bislang nicht so recht entscheiden mag, ob sie ihre Amtszeit bei der EZB vollständig absolviert oder doch früher geht. Zuletzt wurden sogar Ambitionen auf das Präsidentschaftsamt in Frankreich vermutet. Vielleicht kann ihr Mario Draghi beratend zur Seite stehen, der nach seiner EZB-Zeit in Italien Ministerpräsident wurde, allerdings ohne Vorabankündigungen.