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Wocheninfo vom 07.09.2026

Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Aktuelle Einschätzungen zu Finanzmärkten, Zinsentwicklung und Konjunktur auf einen Blick: Die Wocheninfo bündelt aktuelle relevante Marktbewegungen, wirtschaftliche Trends und Analysen zu nationalen sowie internationalen Entwicklungen.

Kompakt zusammengefasst und verständlich eingeordnet – für alle, die wirtschaftliche Zusammenhänge und Kapitalmärkte im Blick behalten möchten.

Kurze Zusammenfassung des Inhalts

  • EZB vor klarer Zinsentscheidung
  • Aktien: Überwiegend Verluste
  • Anleihen: Renditeanstiege setzen sich fort
  • Devisen: Euro mit wenig Bewegung
  • Rohstoffe: Energiepreise steigen erneut
  • Wirtschaftsforscher korrigieren Wachstumsprognosen nach oben
  • Industrieproduktion gesunken
  • Auftragsbücher füllen sich weiter

EZB vor klarer Zinsentscheidung

Die Entscheidung wird keine Überraschung sein. So äußerte sich der irische Notenbank-chef Makhlouf zur anstehenden EZB-Zinsentscheidung, die an diesem Donnerstag (10.09.) bekanntgegeben wird. Damit sind die Erwartungen klar definiert. An den Finanzmärkten wird entsprechend mit annähernd 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung eingepreist. Der geldpolitisch relevante Einlagesatz läge dann bei 2,5 % und damit wieder im restriktiven Bereich. Viele EZB-Beobachter hatten diese Entscheidung bereits seit Monaten erwartet. Nach der letzten Zinserhöhung im Juni ging man von einer Pause über den Sommer und anschließend einer weiteren Erhöhung auf der September-Sitzung aus, zu der auch die neuen EZB-Projektionen vorliegen.

Die jüngsten Inflationsdaten für den Euroraum weisen für August eine Gesamtinflationsrate von 3,3 % aus. Die Energiepreise stiegen mit 14,3 % am deutlichsten. Die Kerninflation lag zwar noch bei 2,1 %, doch auch im Dienstleistungsbereich erhöhten sich die Preise mit 3,0 % stärker als von der EZB gewünscht. Mit der Zinserhöhung würde der EZB-Rat damit auf die erneuten Anstiege der Energiepreise reagieren. Im Euroraum könnten neben den erneuten Eskalationen im Irankrieg auch die knappen Füllstände der Gasspeicher zu einer energiepreisgetriebenen Teuerung beitragen. Zwar wirken die Zinserhöhungen nicht direkt gegen höhere Energiepreise, sie können aber zur Verankerung der langfristigen Inflations-erwartungen beitragen und dadurch Zweitrundeneffekte begrenzen.

Es ist außerdem zu erwarten, dass die EZB-Projektionen ein etwas stärkeres Wirtschafts-wachstum für den Euroraum ausweisen. Die bisherigen Zinsschritte scheinen das Wachstum damit noch nicht nachhaltig zu bremsen. An-gesichts der bislang stabilen Inflationserwartungen dürften die Projektionen zudem ein mittelfristiges Erreichen des Inflationsziels anzeigen. Dies würde dafür sprechen, dass der Zinsschritt im September vorerst der letzte im laufenden Zyklus sein wird.

Aktien: Überwiegend Verluste

An den Aktienmärkten blieb die Stimmung in der vergangenen Woche überwiegend trüb und es ging vielerorts nach unten. Der DAX schloss 2,0 % leichter bei 26.046 Punkten. Der EuroStoxx 50 verlor 1,4 %. In den USA erzielte der S&P 500 zum Wochenschluss ein kleines Plus von 0,1 %, der Nasdaq 100 klettert um 0,4 % nach oben. Spekulationen über Zinser-höhungen der US-Notenbank Fed und die anhaltende Eskalation im Irankrieg trübten die Kauflaune an den Märkten.

Anleihen: Renditeanstiege setzen sich fort

Auch an den Anleihemärkten fehlte die Kauflaune und die Renditen gingen im Wochenvergleich überwiegend nach oben. Die zehnjährigen Bundrenditen schlossen etwa 6,5 Basispunkte höher bei 3,34 %, ihre amerikanischen Pendants legten um 5 Basispunkte auf 4,78 % zu. Für die Bundrenditen ist es der vierte wöchentliche Anstieg in Folge. Die Eskalation im Irankrieg, steigende Ölpreise und Erwartungen einer Zinserhöhung trieben die Renditen. In Japan gaben die Renditen in Erwartung einer flacheren Zinsstruktur rund einen Basispunkt auf 2,91 % nach.

Devisen: Euro mit wenig Bewegung

Der Euro blieb zum US-Dollar auf Wochensicht fast unverändert. Der Greenback notiert bei 1,1616 US-Dollar je Euro. Der japanische Yen konnte etwas aufwerten; er schloss zum US-Dollar bei rund 156 und damit etwa 2,3 % niedriger. Die Märkte erwarten eine Zinserhöhung der japanischen Zentralbank.

Rohstoffe: Energiepreise steigen erneut

Die Energiepreise legten erneut deutlich zu. Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich im Wochenvergleich um 7,8 % und schloss die Woche bei 96,34 US-Dollar. Erdgas kostete mit 70,85 Euro rund 6,3 % mehr. Berichten zufolge kam es zu den stärksten Kampfhandlungen im Iran-krieg seit Juli. Die Spritpreise in Deutschland erreichten neue Höchststände. Bei den Gas-preisen spielten die Füllstände und die bevorstehende Heizperiode zusätzlich eine Rolle. Die Europäische Kommission zeigte sich optimistisch, dass es zu keinen Engpässen in der Gasversorgung kommen werde, was die Märkte etwas beruhigte. Verloren haben hingegen die Edelmetalle: Der Goldpreis gab etwas nach und schließt bei 4428 US-Dollar, Silber bei 66,2 US-Dollar.

Ein junger Mann sitzt auf dem Balkon und schreibt auf dem Notebook. Seine kleine Tochter sitzt auf seinem Schoß.

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Wirtschaftsforscher korrigieren Wachstumsprognosen nach oben

In der vergangenen Woche haben die großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Herbst-Konjunkturprognosen veröffentlicht. Aufgrund des überraschend guten ersten Halbjahres und der Aufwärtsrevisionen früherer gesamtwirtschaftlicher Daten haben sie ihre Wachstumseinschätzung für Deutschland im Jahr 2026 durchgehend angehoben.

So erwarten die Fachleute des ifo Instituts in ihrer aktuellen Prognose einen Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,4 %. In ihrer Sommer-Konjunkturprognose hatten sie noch mit einem Zuwachs von 0,8 % gerechnet. Nach Einschätzung der ifo-Experten haben die Effekte der expansiven Fiskalpolitik in Deutschland und die zunehmenden Nachfrageimpulse aus dem Ausland die Oberhand gewonnen und so stärkere Bremsspuren durch den Irankrieg verhindert. Angesichts der voraussichtlich anhaltenden weltwirtschaftlichen Nachfrage - unter anderem nach elektronischen Produkten für die Künstliche Intelligenz - und der weiterhin expansiven Finanzpolitik wird die gesamtwirtschaftliche Produktion auch 2027 merklich steigen (+1,2 %) und ab dem Jahresende in eine Überauslastung geraten. Zudem dürfte der Preisauftrieb im Zuge der Neueinschätzung der konjunkturellen Grunddynamik längere Zeit erhöht bleiben. Die ifo-Ökonomen rechnen für 2027 mit einer Inflationsrate von 3,0 %, nach prognostizierten 2,8 % im Vorjahr.

Mit seiner Wachstumseinschätzung für das Jahr 2026 liegt das ifo Institut zusammen mit dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am oberen Rand des aktuellen Prognosespektrums. Die Konjunkturexperten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind beispielsweise mit ihrem BIP-Prognosewert von 1,2 % etwas vorsichtiger. Sie rechnen für die zweite Jahreshälfte mit einer schwächeren gesamtwirtschaftlichen Expansion, unter anderem aufgrund einer etwas stärkeren Dämpfungswirkung durch das Niedrigwasser in wichtigen Flüssen. Nach überschlägigen Berechnungen des DIW dürften die Folgen des Niedrigwassers die BIP-Verlaufsrate im 3. Quartal um bis zu 0,3 Pro-zentpunkte vermindern. Die Schätzungen des ifo Instituts legen eine Dämpfungswirkung von etwa 0,1 Prozentpunkten nahe.

Industrieproduktion gesunken

Der Start in das 3. Quartal fiel für die deutsche Industrie durchwachsen aus. Die Produktion sank zwar deutlich, der Auftragseingang legte jedoch weiter zu. Wie das Statistische Bundes-amt heute Morgen anhand vorläufiger Daten mitteilte, gab die Industrieproduktion im Juli gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 2,2 % nach.

Innerhalb der Industrie war für das Minus vor allem die Automobilindustrie (-9,2 %) verantwortlich. Dies beruht einerseits auf Umstellungen in einem einzelnen Werk, kann andererseits aber auch als Zeichen für eine weiterhin schwache private Investitionsgüternach-frage im Inland gewertet werden.

Im Gegensatz zum Verlauf in der Industrie legte die Produktion im Baugewerbe im Juli zu. Sie erhöhte sich gegenüber Juni um 0,9 %.

Auftragsbücher füllen sich weiter

Der Auftragseingang des hiesigen Verarbeitenden Gewerbes legte im Juli gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saison-bereinigt um 2,5 % zu. Damit setzt sich der seit Ende 2025 feststellbare Aufwärtstrend in den Bestelldaten fort.

Maßgeblich für das jüngste Plus waren einmal mehr Großaufträge im Sonstigen Fahrzeugbau, der Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahr-zeuge umfasst. In diesem Bereich haben sich die Neuaufträge mit einer Verlaufsrate von 126,4 % mehr als verdoppelt. Befördert durch die Großaufträge legten Inlandsaufträge um kräftige 9,1 % zu, während die Auslands-bestellungen um 2,1 % nachgaben.

Trotz des positiven Auftaktsignals bei den Aufträgen dürfte das gesamte 3. Quartal für das Verarbeitende Gewerbe wegen der Belastungen durch die Niedrigwasser gedämpft verlaufen. Die Niedrigwasser führen unter anderem in den Bereichen Chemie, Metall, Bergbau, Steine und Erden zu Logistik-problemen und Produktionseinbußen. Diese dürften die Industrieproduktion im August erneut zurückgehen lassen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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