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Wocheninfo vom 08.06.2026

Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Aktuelle Einschätzungen zu Finanzmärkten, Zinsentwicklung und Konjunktur auf einen Blick: Die Wocheninfo bündelt aktuelle relevante Marktbewegungen, wirtschaftliche Trends und Analysen zu nationalen sowie internationalen Entwicklungen.

Kompakt zusammengefasst und verständlich eingeordnet – für alle, die wirtschaftliche Zusammenhänge und Kapitalmärkte im Blick behalten möchten.

Kurze Zusammenfassung des Inhalts

  • EZB-Zinserhöhung voraus
  • Aktien: Gewinnmitnahmen und Verluste
  • Anleihen: Steigende Anleiherenditen
  • Devisen: US-Dollar etwas stärker
  • Rohstoffe: Energiepreise erneut gestiegen
  • Dienstleistungsumsatz deutlich gesunken
  • Euroraum-BIP merklich abwärtsrevidiert
  • Euroraum-Inflationsrate auf 3,2 % gestiegen
  • Unveränderte Euroraum-Arbeitslosenquote

EZB-Zinserhöhung voraus

Am Donnerstag, dem 11. Juni, verkündet der EZB-Rat seine Entscheidung über das Zinsniveau im Euroraum. Eine Zinserhöhung scheint dabei eine ausgemachte Sache zu sein. Die in der vergangenen Woche gemeldete Euroraum-Inflation im Mai von 3,2 % nach 3,0 % im April wurde zwar so erwartet, dürfte die Entscheidung aber endgültig besiegelt haben. Auch das sogenannte Inflationsmomentum, also die Entwicklung der Inflationsrate auf Monatssicht bzw. im Dreimonatsvergleich, deutet auf eine Beschleunigung der Preissteigerungen in den meisten Inflationsgruppen hin. Die Ratsmitglieder bereiten die Märkte und die Öffentlichkeit dabei seit Längerem in ihren Reden und Beiträgen auf den bevorstehenden Zinsschritt vor. Der geldpolitisch relevante Einlagesatz würde dann von 2,0 % um 25 Basispunkte auf 2,25 % erhöht. Neben der Zinsentscheidung werden am Donnerstag auch die neuen Inflationsprojektionen veröffentlicht. Im März wurde hier für das Basisszenario eine Inflationsrate im Euroraum im Jahr 2026 von 2,6 % prognostiziert; dies darf inzwischen als überholt angesehen werden. Angesichts der nach wie vor anhaltenden Blockade der Straße von Hormus ist davon auszugehen, dass der Wert nun nach oben korrigiert wird.

Die EZB würde sich damit nach wie vor im Bereich des neutralen Zinses bewegen, der nach aktuellen Schätzungen zwischen 1,75 % und 2,25 % liegen dürfte. Da die Inflation bislang in erster Linie auf die höheren Energiepreise zurückzuführen ist, gegen die die EZB nichts ausrichten kann, und Zinserhöhungen zudem nur mit zeitlicher Verzögerung wirken, ist dieser Schritt in erster Linie symbolisch zu sehen und trägt im besten Fall zu einer Verankerung der Inflationserwartungen bei. Nachdem die EZB während der letzten Inflationsphase ihre Zinsen nach einhelliger Meinung zu spät erhöht hat, versucht sie nun, diesen Eindruck nicht ein zweites Mal entstehen zu lassen. Gleichwohl sollten die Währungshüter vorsichtig agieren. Die Zinserhöhungen dämpfen bei begrenzter Wirksamkeit die ohnehin fragile wirtschaftliche Entwicklung im Währungsraum zusätzlich.

Aktien: Gewinnmitnahmen und Verluste

Die Entwicklungen im Irankrieg bleiben das marktbestimmende Thema. Neue Gefechte zwischen Streitkräften der USA und des Iran sowie israelische Angriffe im Libanon sorgten für Verunsicherung und steigende Ölpreise. Neue Zolldrohungen der USA gegen viele Partnerländer brachten hingegen wenig Bewegung. Ausgerechnet sehr gute US-Arbeitsmarktdaten führten dann zu Gewinnmitnahmen und Kursverlusten. Die Märkte rechnen aufgrund der guten Daten mit einer strafferen Geldpolitik und höheren Marktzinsen. Vor allem im Technologiebereich, in dem die hohen Bewertungen auf künftig erwarteten Gewinnen basieren, deren Barwert durch steigende Zinsen sinkt, kam es zu Verkäufen. Der Nasdaq schließt 4,7 % niedriger. Beim DAX ging es 1,4 % nach unten auf 24.759 Punkte. Die europäischen Indizes schließen um die Nulllinie.

Anleihen: Steigende Anleiherenditen

Die zehnjährige Bundesanleihe notiert im Wochenvergleich um 10 Basispunkte höher bei 3,04 %. In den USA stiegen die Renditen auf 4,55 %. Die neuerlichen Anstiege bei den Energiepreisen sorgen für Inflationssorgen. Zusammen mit den stärkeren US-Arbeitsmarktdaten nährt dies die Erwartungen einer strafferen Geldpolitik. Neben der eingepreisten Zinserhöhung der EZB in der laufenden Woche blicken die Märkte auch gespannt auf die erste Fed-Zinsentscheidung unter dem neuen Vorsitzenden Warsh. Hier wird zwar mit keiner Zinsänderung gerechnet, Zinssenkungen sind vorerst vom Tisch.

Devisen: US-Dollar etwas stärker

Der US-Dollar konnte in der vergangenen Woche gegenüber den wichtigsten Währungen etwas aufwerten. Gegenüber dem Euro liegt er bei 1,1559.

 

Rohstoffe: Energiepreise erneut gestiegen

Auf Wochensicht kam es erneut zu Anstiegen bei den Ölpreisen. Die Futures liegen bei 93,2 US-Dollar und damit etwa 1,3 % höher als in der Vorwoche. Die Preise für Erdgas sind um rund 3 % auf 48,40 Euro gestiegen. Preise für Edelmetalle sind in der vergangenen Woche angesichts des stärkeren Dollars und gestiegener Marktzinsen um rund 5 % gefallen. Der Goldpreis liegt bei 4.354 US-Dollar, der Silberpreis bei 72,66 US-Dollar.

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Dienstleistungsumsatz deutlich gesunken

Unmittelbar nach Ausbruch des Irankriegs musste der Dienstleistungssektor in Deutschland beim Umsatz einen deutlichen Rückschlag hinnehmen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, sank der Dienstleistungsumsatz im März gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,4 %. Über das gesamte 1. Quartal betrachtet, konnte der Umsatz aber gegenüber dem Vorquartal um 0,8 % zulegen.

Innerhalb des Dienstleistungssektors zeigten sich im März teilweise recht unterschiedliche Entwicklungen. Während der Umsatz im Bereich Information und Kommunikation um 0,7 % zulegte, befördert vom voranschreitenden Digitalisierungstrend, war bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (zum Beispiel Vermietung von beweglichen Sachen und Vermittlung von Arbeitskräften) ein Minus von 2,6 % zu verzeichnen. Offenbar wurden im Zuge der durch den Krieg eingetrübten Konjunkturerwartungen weniger Vermietungs- und Zeitarbeitsdienstleistungen nachgefragt.

Insgesamt zeigen die jüngsten Umsatzdaten, dass sich die Folgen des Irankriegs zunehmend auch in den „harten“ Daten der amtlichen Statistik widerspiegeln.

Euroraum-BIP merklich abwärtsrevidiert

Im Euroraum fiel der Jahresauftakt aus gesamtwirtschaftlicher Sicht deutlich schwächer aus als zuvor gedacht. Gemäß aktuellen Anga-ben von Eurostat ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandprodukt (BIP) im 1. Quartal gegenüber dem Vorquartal nicht um 0,1 % gestiegen, sondern um 0,2 % gesunken. Im 4. Quartal war das BIP noch mit einer Verlaufsrate von 0,2 % expandiert.

Die Gesamtrate wurde im 1. Quartal vor allem durch die Entwicklung in Irland nach unten gezogen. Dort brach das BIP um 12,1 % ein, unter anderem wegen einer Gegenbewegung nach US-Zoll-Vorzieheffekten und neuerlichen Sondereffekten bei multinationalen Unternehmen. Die genannten Effekte dürften dazu beigetragen haben, dass die Anlageninvestitionen (-0,3 %) und die Exporte (-0,2) im Euroraum sanken. Die privaten (+0,2 %) und die staatlichen Konsumausgaben (+0,5 %) blieben demgegenüber aufwärtsgerichtet.

Euroraum-Inflationsrate auf 3,2 % gestiegen

Angesichts des kriegsbedingt anhaltenden Preishöhenflugs bei Rohöl und Gas hat sich im Euroraum die allgemeine Teuerung weiter erhöht. Nach ersten Berechnungen von Eurostat übertraf der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im Mai seinen Vorjahresmonatswert um 3,2 %. Im März und April waren noch Inflationsraten von 2,6 und 3,0 % zu verzeichnen. Die Teuerungsrate liegt damit noch stärker über dem mittelfristig von der EZB angestrebten Zielwert von 2 %.

Maßgeblich für den Anstieg der Inflationsrate auf den höchsten Wert seit September 2023 waren neben den Energiepreisen auch die Dienstleistungspreise. Für Energie mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher im Mai 10,9 % mehr Geld aufwenden (April: +10,8 %). Bei den Dienstleistungspreisen erhöhte sich der Anstieg von zuvor 3,0 % auf 3,5 %. Die jüngste Preisentwicklung unterschied sich damit im Euroraum als Ganzes etwas von jener im Deutschland. Hier sorgte der für zwei Monate befristet gewährte staatliche Tankrabatt im Mai für eine leichte Entspannung. Die für Deutschland ermittelte HVPI-Inflationsrate sank von 2,9 % im April auf 2,6 % im Mai.

Wegen des Tankrabatts wird die hiesige Inflationsrate sehr wahrscheinlich auch im Juni unter der Euroraum-Gesamtrate liegen.

Unveränderte Euroraum-Arbeitslosenquote

Im Euroraum hält die seit Anfang 2025 feststellbare weitgehende Stagnation der saisonbereinigten Arbeitslosenquote an. Wie Eurostat mitteilte, verharrte die Quote auch im April auf ihrem vergleichsweisen moderaten Wert von 6,3 %.

Unter den großen Euroraum-Volkswirtschaften wiesen Spanien (10,3 %) und Frankreich (8,2 %) erneut überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenquoten auf. Die Arbeitslosenquote Deutschlands unterschritt gemäß der hier verwendeten Definition der Internationalen Arbeitsorganisation mit 3,8 % den Euroraum-Gesamtwert deutlich.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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