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Wocheninfo vom 20.07.2026

Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Aktuelle Einschätzungen zu Finanzmärkten, Zinsentwicklung und Konjunktur auf einen Blick: Die Wocheninfo bündelt aktuelle relevante Marktbewegungen, wirtschaftliche Trends und Analysen zu nationalen sowie internationalen Entwicklungen.

Kompakt zusammengefasst und verständlich eingeordnet – für alle, die wirtschaftliche Zusammenhänge und Kapitalmärkte im Blick behalten möchten.

Kurze Zusammenfassung des Inhalts

  • EZB vor Sommerpause
  • Aktien: Weiter abwärts
  • Anleihen: Leichte Renditeanstiege
  • Devisen: Euro wertet leicht auf
  • Rohstoffe: Energiepreise steigen wieder
  • Industrie-Auftragsbestand weiter im Plus
  • Mehr Baugenehmigungen
  • Leichtes Minus bei der Euroraum-Industrieproduktion
  • Rückgang der Euroraum-Inflationsrate bestätigt

EZB vor Sommerpause

Der EZB-Rat trifft sich in dieser Woche am Mittwoch und Donnerstag zu seiner geldpolitischen Juni-Sitzung. Die Erwartungen sind klar abgesteckt: An den Finanzmärkten ist man sich mit knapp 90 % sehr sicher, dass keine Zinsänderung beschlossen wird. Die unwahrscheinliche Alternative wäre angesichts der erhöhten Inflation eine Zinserhöhung. Weitere Zinssenkungen sind derzeit vollständig vom Tisch.

Nach der Zinserhöhung im Juni liegt der geldpolitisch relevante Zins der Einlagefazilität bei 2,25 % und damit am oberen Rand des als geldpolitisch neutral geltenden Bereichs von 1,75 bis 2,25 %. Mit der frühen Reaktion auf die gestiegenen Inflationsraten konnte die EZB ein glaubwürdiges Signal an die Märkte senden, in diesem Inflationszyklus schneller zu reagieren als noch vor einigen Jahren. Seit der Zinserhöhung im Juni sind die marktimpliziten Inflationserwartungen vor allem am kurzen Rand deutlich zurückgegangen. Der Rückgang dürfte dabei einerseits die gesunkenen Preise für Öl und Gas widerspiegeln, andererseits aber auch die gegenwärtige Erwartung überschaubarer Zweitrundeneffekte.

Für die EZB ist die gegenwärtige Lage damit relativ komfortabel. Die frühe Reaktion sorgt für Glaubwürdigkeit. In der aktuellen Kommunikation betonen die Währungshüter, jederzeit bereitzustehen und entschieden mit weiteren Zinserhöhungen zu reagieren, falls dies erforderlich sein sollte. Gleichzeitig hat man mit der Zinserhöhung im Juni ausreichend vorgebaut, um nun die geopolitische Gemengelage über die Sommerpause hinweg zu beobachten.

Die Sommerpause nutzen kann hoffentlich auch EZB-Präsidentin Lagarde, die sich bislang nicht so recht entscheiden mag, ob sie ihre Amtszeit bei der EZB vollständig absolviert oder doch früher geht. Zuletzt wurden sogar Ambitionen auf das Präsidentschaftsamt in Frankreich vermutet. Vielleicht kann ihr Mario Draghi beratend zur Seite stehen, der nach seiner EZB-Zeit in Italien Ministerpräsident wurde, allerdings ohne Vorabankündigungen.

Aktien: Weiter abwärts

Die vergangene Woche war erneut von Eskalationen im Irankrieg und Skepsis gegenüber den Marktbewertungen im Technologiebereich geprägt. Die Aktienmärkte schlossen die Woche insgesamt mit Verlusten. Der DAX verlor im Wochenvergleich 0,9 % auf 24.8731 Punkte. Etwas besser sah es im Euroraum aus: Der EuroStoxx 50 verlor 0,6 %, der breitere STOXX Europe 600 stieg 0,1 %. Der amerikanische S&P 500 verlor 1,55 %. Am deutlichsten fielen die Verluste erneut im Technologiesektor aus. Der amerikanische Nasdaq 100 verlor auf Wochensicht 4,1 %. Die erneuten Einschränkungen an der Straße von Hormus sorgten für Ernüchterung. Die US-Regierung wirkt strategie- und ratlos. Zusätzlich belastete die Skepsis an der KI-Rally trotz einiger starker Geschäftszahlen aus dem Bereich.

Anleihen: Leichte Renditeanstiege

Auf den Anleihemärkten kam es angesichts der erneuten Preisanstiege bei Rohstoffen und der damit verbundenen Inflationssorgen überwiegend zu Renditeanstiegen. Die zehnjährigen Bundesanleihen notieren im Wochenvergleich 9 Basispunkte höher bei 3,12 %. Die Renditen in Frankreich und Italien nähern sich mit 3,93 % beziehungsweise 3,96 % beide der 4 ProzentSchwelle. Leicht gesunken sind die zehnjährigen Renditen in den USA. Sie notieren zum Wochenschluss bei 4,55 % und damit etwa 1 Basispunkt niedriger. Hier sorgten etwas niedrigere Inflationsdaten für ein Aufatmen.

Devisen: Euro wertet leicht auf

An den Devisenmärkten gab es relativ wenig Bewegung. Der Euro konnte gegenüber den wichtigsten Handelspartnern etwas aufwerten. Zum US-Dollar schloss die Gemeinschaftswährung stärker bei 1,1440.

Rohstoffe: Energiepreise steigen wieder

Die Ölpreise legten erneut zu. Rohöl der Sorte Brent steht auf Wochensicht 15,8 % höher bei 88,06 US-Dollar. Auch Erdgas verteuerte sich in der vergangenen Woche deutlich um 15 % auf 55,21 Euro. Trotz der erneuten Eskalationen bleiben die Ölpreise bislang in einem Bereich, der für Konjunktur und Inflation weitgehend verschmerzbar sein dürfte.

In die entgegengesetzte Richtung ging es bei den Edelmetallen. Der Goldpreis gab um 2,2 % auf 4.005,8 US-Dollar nach, Silber verlor 6,8 %.

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Industrie-Auftragsbestand weiter im Plus

Die seit dem Tiefpunkt im Sommer 2024 feststellbare Aufwärtsbewegung im Auftragsbestand des hiesigen Verarbeitenden Gewerbes hat sich im Mai fortgesetzt. Gemäß vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes legte Bestand an offenen Aufträgen gegenüber dem Vormonat preis-, saison- und kalenderbereinigt um 1,7 % zu.

Haupttreiber des Anstiegs waren die offenen Bestellungen aus dem Ausland, die um 2,0 % steigen. Der inländische Auftragsbestand erhöhte sich demgegenüber mit 0,9 % weniger stark. Die Bestandsentwicklung folgt damit den Tendenzen der Neuaufträge: So war der Auftragseingang aus dem Ausland im Mai um 2,2 % gestiegen, während die Inlandsorders um schwächere 1,3 % zunahmen.

Alles in allem stimmen die jüngsten Auftragsdaten optimistisch, dass sich die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten weiter festigen wird. Angesichts der nach wie vor hohen Unsicherheiten über die Entwicklung im Nahen Osten und der anhaltenden Lieferkettenstörungen sind neuerliche Rückschläge aber nicht auszuschließen.

Mehr Baugenehmigungen

In Deutschland wird sich die Lage am Wohnungsbau weiter stabilisieren. Darauf lassen zumindest die Baugenehmigungen schließen, die jüngst erneut stiegen. Nach amtlichen Angaben wurde im Mai der Bau von 21.000 Wohnungen genehmigt. Dies waren 24,7 % mehr als im Mai des Vorjahres.

Die Baugenehmigungen deuten auf ein Andauern des Wachstums der gesamten Bauproduktion hin. Im Mai hat sich die Bauproduktion gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,9 % erhöht. Die Produktion legte damit bereits den dritten Monat in Folge zu, nachdem sie zu Jahresbeginn im Zuge des ungewöhnlich strengen Winterwetters noch merklich zurückgegangen war.

Leichtes Minus bei der Euroraum-Industrieproduktion

Die Industriebetriebe des Euroraums haben ihre Produktion im Mai etwas vermindert. Wie Eurostat anhand vorläufiger Angaben mitteilte, gab die Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,2 % nach. Damit konnte das Produktionsniveau vor dem deutlichen Rückgang zu Jahresbeginn, trotz der vorherigen Anstiege, noch nicht wieder erreicht werden.

Besonderes deutlich fiel der Produktionsrückgang im Mai bei dem Hersteller von Gebrauchsgütern (-1,1 %) aus. Aber auch bei den Investitionsgütern-Herstellern (-0,3 %) gab die Produktion nach.

Für die nächsten Monate zeichnet sich eher ein Anstieg als ein weiterer Rückgang der Gesamtproduktion ab. Hierauf lässt auch der Order-Indikator der EU-Kommission schließen. Der Indikator ist jüngst, im Juni, zwar gegenüber dem Vormonat um 1,6 Punkte auf -19,8 Punkte gesunken. Er befindet sich damit aber noch immer auf einem höheren Stand als noch zu Jahresbeginn.

Rückgang der Euroraum-Inflationsrate bestätigt

Eurostat hat inzwischen detaillierte Angaben zur Entwicklung der Euroraum-Verbraucherpreise für den Monat Juni vorgelegt. Das zentrale Ergebnis der Ende Juni veröffentlichten vorläufigen Daten wurde dabei bestätigt. So ist die Inflationsrate des Währungsraums, gemessen an der jährlichen Veränderung des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), von 3,2 % im Mai auf 2,8 % im Juni gesunken.

Für den Rückgang der Gesamtrate waren vor allem die Energiepreise verantwortlich, die im Zuge sinkender Rohölpreise weniger stark stiegen als zuvor (+8,5 % nach +10,8 % im Mai). Auch die Dienstleistungs- und die Nahrungsmittelpreise trugen zur abnehmenden Gesamtteuerung bei. Dienstleistungen verteuerten sich zwar weiterhin überdurchschnittlich, aber etwas weniger dynamisch als zuvor (+3,2 % nach +3,5 %). Bei den Nahrungsmitteln hat der Preisanstieg von 1,9 % im Mai auf 1,5 % im Juni nachgelassen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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