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Wocheninfo vom 15.06.2026

Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Aktuelle Einschätzungen zu Finanzmärkten, Zinsentwicklung und Konjunktur auf einen Blick: Die Wocheninfo bündelt aktuelle relevante Marktbewegungen, wirtschaftliche Trends und Analysen zu nationalen sowie internationalen Entwicklungen.

Kompakt zusammengefasst und verständlich eingeordnet – für alle, die wirtschaftliche Zusammenhänge und Kapitalmärkte im Blick behalten möchten.

Kurze Zusammenfassung des Inhalts

  • EZB mit Zinserhöhung
  • Fed dürfte weiter abwarten
  • Aktien: Größter Börsengang der Geschichte
  • Anleihen: Leichte Renditerückgänge
  • Devisen: Wenig Bewegung
  • Rohstoffe: Lichtblick am persischen Golf
  • Stagnierende Industrieproduktion
  • Weniger Neuaufträge
  • Zunehmender Außenhandel
  • Anstieg der Insolvenzen flacht ab

EZB mit Zinserhöhung

Die EZB hat in der vergangenen Woche wie erwartet eine Zinserhöhung im Euroraum beschlossen. Der geldpolitisch relevante Einlagesatz liegt damit nun bei 2,25 %, nach zuvor 2,0 %. Ähnlich wie im letzten Straffungszyklus liegt die Ursache in kriegsbedingten Preisanstiegen – statt in der Ukraine nun im Iran. Die Euroraum-Inflation ist zuletzt auf 3,2 % gestiegen und liegt damit deutlich über dem Infla-tionsziel. Gleichzeitig hat sich der Ausblick verschlechtert. In aktualisierten Projektionen gehen die Währungshüter nun von einer höheren Inflation im laufenden und kommenden Jahr aus (2026: 3,0 % nach 2,6 % im März; 2027: 2,3 % nach 2,0 %). Die energiepreisbedingte Teuerung dürfte dabei auch auf andere Sektoren ausstrahlen; auch die Kerninflation dürfte mit erwarteten 2,5 % im laufenden und kommenden Jahr das Inflationsziel überschreiten. Gleichzeitig trübt sich der wirtschaftliche Ausblick im Euroraum ein, was gegen eine zu aggressive Geldpolitik spricht. Mit 2,25 % dürfte die EZB am oberen Rand des geldpolitisch neutralen Bereichs liegen. Eine weitere Zinserhöhung wird im September erwartet. Damit dürfte die EZB versuchen, die Inflationserwartungen niedrig zu halten, ohne durch zu starke Zinserhöhungen die Wirtschaft zu sehr zu belasten.

Fed dürfte weiter abwarten

Am Mittwoch (17.06.) folgt mit der Fed die Zinsentscheidung in den USA. Hier rechnen die Märkte trotz deutlich erhöhter und steigender Inflation (zuletzt 3,8 %) nicht mit einer Zinsänderung. Die Federal Funds Rate dürfte damit im Bereich von 3,50 % bis 3,75 % bleiben. Aus Sicht der Finanzmärkte kam es in den letzten Wochen zu einer deutlichen Verschiebung der Erwartungen an die Geldpolitik der Fed. Ging man zunächst unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh, der am Mittwoch seine Feuertaufe hat, von Zinssenkungen aus, hat sich das Bild inzwischen gedreht: Angesichts der sich beschleunigenden Inflation stehen die Zeichen nun auf Zinserhöhungen. Wie der US-Präsident darauf reagiert, bleibt abzuwarten.

Aktien: Größter Börsengang der Geschichte

Elon Musk hat es wieder geschafft. Der umstrittene Unternehmer hat mit seinem Raumfahrt-Konzern SpaceX den größten Börsengang der Geschichte hingelegt. Mit über 2 Bio. US-Dollar zählt der Konzern zu den wertvollsten Börsenunternehmen der USA. Bei einem Verlust von 5 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr ist die Bewertung ähnlich astronomisch wie die Ambitionen des Unternehmens. Daneben bleibt der Irankrieg im Fokus. Nachdem es zum Wochenbeginn noch nach einer neuen Eskalationsspirale aussah, verdichteten sich im weiteren Verlauf die Hinweise auf eine Friedensvereinbarung in dieser Woche. Die Straße von Hormus soll wieder geöffnet werden; die Aktienmärkte reagieren darauf am Montagmorgen erwartbar positiv. Die vergangene Woche beendeten sie noch mit gemischten Signalen. Der DAX schloss 0,5 % niedriger, in den USA blieb ein Plus von etwa 0,7 %. Die europäischen Indizes schafften ein größeres Plus von rund 2 %.

Anleihen: Leichte Renditerückgänge

Bei den Anleiherenditen gab es etwas Entspannung. Die zehnjährigen Bundrenditen schlossen etwa 4 Basispunkte tiefer bei 3,0 %. In den USA gingen die Renditen ebenfalls leicht auf 4,48 % zurück. Der EZB-Entscheid und die Aussicht auf die Fed waren bereits eingepreist.

Devisen: Wenig Bewegung

An den Devisenmärkten blieb es relativ ruhig. Der Euro hat mit den Rückgängen beim Ölpreis gegenüber dem US-Dollar leicht aufgewertet und kostete zum Wochenschluss 1,1575 US-Dollar.

Rohstoffe: Lichtblick am persischen Golf

Zum Wochenschluss liegen die Ölpreis-Futures bei 87,36 US-Dollar und damit im Wochenvergleich etwa 6,3 % niedriger. Die Erdgaspreise sind auf 46,61 Euro gefallen. Hintergrund ist die Einigung auf ein Friedensabkommen im Irankrieg. Wichtigster Punkt für die Märkte dürfte dabei die gebührenfreie Öffnung der Straße von Hormus und die Aufhebung der US-Seeblockade sein. Selbst bei einer sofortigen Öffnung der Meerenge dürfte es aber einige Wochen dauern, bis sich die Rückstände vollständig auflösen; ein Lichtblick ist die Ankündigung aber allemal.

Ein Mann sitzt auf einem Steg am Wasser und hält sein Notebook in der Hand

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Stagnierende Industrieproduktion

Nach den Rückgängen der Vormonate hat sich die Industrieproduktion in Deutschland im April gefestigt. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, verharrte die Produktion in preis-, kalender- und saisonbereinigter Rechnung auf dem Vormonatsniveau.

In den einzelnen Industriebranchen zeigten sich teilweise sehr unterschiedliche Entwicklungen. Während die chemische Industrie (+2,1 %) und in der Herstellung von Metallerzeugnissen (+1,6 %) ihre Produktion merklich steigern konnten, offenbar gestützt durch Vorzugseffekte in Erwartungen zunehmender Erzeugerpreise, kam es in der Automobilindustrie (-4,7 %) zu einem deutlichen Rückschlag.

Auch im Baugewerbe kam es zu jüngst einem spürbaren Produktionsanstieg. Hier legte die Produktion, befördert durch Nachholeffekte nach dem vor allem witterungsbedingt schwachen Monaten Januar und Februar, bereits im März merklich zu und stieg im April um weitere 2,4 % an.

Weniger Neuaufträge

Vor dem Hintergrund der Belastungen durch den Irankrieg (Stichworte: höhere Öl- und Gaspreise, zunehmende Lieferkettenprobleme und Unsicherheiten) zeichnet sich für die nächsten Monate noch keine durchgreifende Belebung der Industriekonjunktur ab. Für eine zunächst noch gedämpfte Entwicklung sprechen auch die jüngsten Auftragsdaten. So sind die Neuaufträge im April gegenüber dem Vormonat um 3,8 % gesunken. Damit wurde der auch von Vorzugseffekten getragene kräftige Anstieg vom Februar (+4,5 %) nahezu zunichte gemacht.

Zum Bestellrückgang im April trugen die Auslandsorders (-4,2 %) etwas stärker bei als die Inlandsaufträge (-2,9 %). Innerhalb der Industrie waren für den deutlichen Rückgang der Neuaufträge vor allem die Entwicklungen in der Automobilindustrie (-5,3 %) und der Herstellung von elektrischer Ausrüstung (-16,3 %) verantwortlich.

Zunehmender Außenhandel

Im Gegensatz zur Industrieproduktion und den industriellen Neuaufträgen ist der Außenhandel Deutschlands mit Zuwächsen in das 2. Quartal gestartet. Die Warenausfuhren legten im April gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 0,9 % auf 136,6 Mrd. Euro zu. Damit setzte sich das, ebenfalls durch Vorzugseffekte in Erwartungen steigender Einkaufspreise beförderte, Wachstum der Monate Februar und März zunächst fort. Noch stärker legten die Warenimporte zu. Hier kam es im April zu einem Anstieg um 1,2 % auf 122,1 Mrd. Euro, wobei der Zuwachs offensichtlich auch durch die höheren Öl- und Gas-Importpreise getrieben ist.

Im Zuge der jüngsten Anstiege lagen die Einfuhren im April um deutliche 5,8 % über dem Mittelwert vom 1. Quartal und die Ausfuhren um 2,2 %. Das stärkere Wachstum der Importe lässt erwarten, dass vom Außenhandel als Ganzes im 2. Quartal eher eine dämpfende als eine steigernde Wirkung auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ausgehen wird.

Anstieg der Insolvenzen flacht ab

Nach den teils sehr kräftigen Zuwächsen der Vorjahre hat sich der Anstieg in den amtlichen Insolvenzzahlen für Deutschland im 1. Quartal abgeschwächt. Von den Amtsgerichten wurden 6.275 Unternehmens- und 19.679 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Die Fall-zahlen legten damit gegenüber dem Vorjahresquartal um 6,5 % beziehungsweise 6,0 % zu. Im gesamten Jahr 2025 waren sie noch um 10,3 und 8,4 % gestiegen.

Sollten die Belastungen durch den Irankrieg bald enden und einer durch verstärkte Staatsausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz beförderten Konjunkturbelebung Raum geben, könnten die Insolvenzzahlen auf Jahressicht 2026 stagnieren oder sogar leicht zurückgehen. Im Falle weiterer geopolitischer Eskalationen und länger andauernder Preishöhenflüge für Rohöl, Gas und andere Rohstoffen wäre aber mit einem weiteren Anstieg der Fallzahlen zu rechnen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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