Wocheninfo vom 02.03.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- Oberster US-Gerichtshof und IEEPA
- Aktien: Unsicherheit steigt wieder
- Anleihen: Sichere Häfen gefragt
- Devisen: Dollarschwäche durch Unsicherheit
- Rohstoffe: Edelmetalle und Öl steigen
- 0,3 % BIP-Zuwachs bestätigt
- Geschäftsklima hellt sich auf
- Wenig Veränderung am Arbeitsmarkt
- Inflationsrate auf 1,9 % gesunken
Oberster US-Gerichtshof und IEEPA
Der Oberste US-Gerichtshof hat einige der von der US-Regierung verhängten Importzölle für unrechtmäßig erklärt. Darunter fallen die sogenannten „reziproken“ Zölle, die im Rahmen des „Befreiungstages“ im vergangenen April angekündigt wurden. Die Zölle wurden für unrechtmäßig befunden, da sie auf Grundlage des Notstandsgesetzes (International Emer-gency Economic Powers Act, IEEPA) verhängt worden waren. Als Reaktion hat die US-Regierung umgehend neue umfassende Basiszölle in Höhe von 10 % per Dekret auf Basis eines anderen Rechtsakts (Section 122) eingeführt. Diese gelten vorerst für maximal 150 Tage; so lange kann der US-Präsident basierend auf Section 122 Zölle ohne Zustimmung des Kongresses verhängen.
Inwiefern diese Zölle mit der Begründung von Handelsdefiziten haltbar sind, ist gegenwärtig fraglich. Section 122 bezieht sich auf Defizite in der Zahlungsbilanz und kann genutzt werden, falls eine signifikante Abwertung des US-Dollars droht. Zwar hat der US-Dollar zuletzt abgewertet, jedoch kaum in signifikantem Ausmaß. Für Konsumenten und Unternehmen in den USA sowie Exporteure in die USA hat sich damit faktisch nur wenig geändert; die Höhe der Zölle bleibt zumindest vorerst weitgehend unverändert. Geändert hat sich jedoch der Fokus auf bilaterale Handelsvereinbarungen: IEEPA-Zölle können individuell vereinbart werden, die Section-122-Zölle gelten einheitlich. Allerdings bleiben noch andere rechtliche Grundlagen für individuelle Zölle. Es ist davon auszugehen, dass die Grundlagen bereits vorbereitet werden, um weitere Zölle mit neuen Begründungen für Verhandlungen vorzubereiten.
Über die Zollthematik hinaus sollte das Urteil dennoch nicht unterschätzt werden. Es unterstreicht die Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung in den USA sowie das Funktionieren wichtiger Institutionen. Dass die EU zudem das Mercosur-Abkommen vorläufig in Kraft gesetzt hat, darf als wichtiges Zeichen für den Freihandel gewertet werden.
Aktien: Unsicherheit steigt wieder
Israel und die USA greifen seit dem Wochenende den Iran an. Am Montagmorgen wurden Berichte über israelische Angriffe im Libanon bekannt. Die Aktienmärkte reagieren vorbörslich mit Verlusten: In Europa liegen die Märkte gut 2 % im Minus, in den USA am Morgen etwa 1,5 %. In der vergangenen Handelswoche waren die erneute Unsicherheit über die US-Zölle und die anhaltenden Verwerfungen durch KI-Sorgen die großen Themen. Auch Sorgen um einen bevorstehenden Angriff auf den Iran sorgten für Vorsicht. Auf Wochensicht erzielten die Börsen in Europa ein kleines Plus: Der DAX schloss bei 25.284 Punkten, etwa 0,1 % höher, der STOXX Europe 600 notierte gut 0,5% im Plus. Anders ist das Bild in den USA: Hier bleibt ein Minus von 0,5 % bis 1 %.
Anleihen: Sichere Häfen gefragt
Die allgemeine Verunsicherung zwischen Zöllen und der USA-Iran-Eskalation sorgt für eine verstärkte Nachfrage nach sicheren Häfen. Gute Daten vom US-Arbeitsmarkt und zum Verbrauchervertrauen sowie Aussagen von Fed-Vertretern zu Angriffen auf die Unabhängigkeit der Fed dämpften die Hoffnungen auf Zinssenkungen und wirkten als Gegenkräfte. Am Morgen liegen die Renditen niedriger, in Deutschland bei 2,65 %, in den USA unter der 4 %-Marke bei 3,97 %.
Devisen: Dollarschwäche durch Unsicherheit
Der USD beendete die Handelswoche infolge des Zollurteils und der Unsicherheit über die Unabhängigkeit der Fed etwas schwächer. Zu Beginn der neuen Woche zeigt sich der USD wieder stärker und liegt bei 1,1709.
Rohstoffe: Edelmetalle und Öl steigen
Die Ölpreise steigen aufgrund der Eskalation im Iran deutlich. Die wichtige Straße von Hormus scheint derzeit stillgelegt zu sein. Am Montagmorgen liegen die Ölpreise für Brent bei 78 USD, Futures hatten vorübergehend die 80-USD-Marke überschritten. Auch die Gaspreise steigen deutlich. Bereits in der vergangenen Woche kam es zu höheren Risikoprämien. Edelmetalle profitieren von der Unsicherheit: Der Goldpreis überschreitet die 5.400-USD-Marke. Silber legt noch stärker zu – hier wirken zusätzlich die Unruhen in Mexiko nach dem Tod eines Drogenkartellanführers nach, da Mexiko ein wichtiger Silberlieferant ist.
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0,3 % BIP-Zuwachs bestätigt
Das Statistische Bundesamt hat nunmehr detaillierte Daten zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands im 4. Quartal veröffentlicht. Das zentrale Ergebnis der Ende Januar vorgelegten vorläufigen Angaben wurde dabei bestätigt. So stieg das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlands-produkt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 0,3 %, nachdem es im Sommerquartal noch stagniert hatte.
Wie bereits in den Vorquartalen blieben die Konsumausgaben eine zentrale Konjunkturstütze. Dabei legte der Staatsverbrauch (+1,1 %) etwas stärker zu als der Privatkonsum (+0,7 %). Zudem wurde mehr in Bauten und Ausrüstungen (+1,6 bzw. +0,1 %) investiert, letztere offensichtlich begünstigt durch verstärkte verteidigungswirtschaftliche Beschaffungen des Staates. Der Außenhandel hat das BIP-Wachstum hingegen vermindert. Die Exporte sanken angesichts der gestiegen US-Einfuhrzölle, der Euro-Aufwertung und des hohen internationalen Konkurrenzdrucks stärker als die Importe (-0,6 % gegenüber -0,3 %).
Geschäftsklima hellt sich auf
Im Februar hat sich die Stimmung in den Unternehmen der deutschen Wirtschaft etwas verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex legte gegenüber dem Vormonat um 1,0 auf 88,6 Punkte zu, nachdem er im Januar auf niedrigem Niveau stagniert hatte.
Zum Anstieg des Geschäftsklimaindex trug seine Lage- und seine Erwartungskomponente bei. So zeigten sich die befragen Unternehmen mit ihren laufenden Geschäften etwas zufriedener als zuvor und auch ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate hellten sich auf. Innerhalb der Wirtschaft war die Stimmungsaufhellung breit angelegt. Mit Ausnahme des Handels verbesserte sich das Geschäftsklima in allen betrachteten Wirtschaftsbereichen.
Mit der Aufhellung des Geschäftsklimas und dem BIP-Zuwachs vom 4. Quartal verdichten sich die Zeichen, die für eine konjunkturelle Belebung sprechen. Im Zuge der zunehmenden Staatsausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz zeichnet sich für die nahe Zukunft eine Fortsetzung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums ab.
Wenig Veränderung am Arbeitsmarkt
Zum Ende der Winterpause entwickelt sich der deutsche Arbeitsmarkt weiterhin schwunglos. Wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte, sank die Arbeitslosenzahl im Februar gegenüber dem Vormonat leicht um 15.000 auf 3,07 Mio. Menschen. Sie lag damit weiter über der Marke von 3. Mio. Personen. In saisonbereinigter Rechnung blieb die Arbeitslosenzahl mit einem Anstieg um 1.000 praktisch unverändert. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte bei 6,3 %.
Bei der Erwerbstätigenzahl setzte sich der leichte Abwärtstrend fort. Die Zahl der Erwerbstätigen sank im Januar saisonbereinigt um 13.000 auf 45,92 Mio. Menschen. Angesichts der verhaltenen Arbeitskräftenachfrage zeichnet sich kurzfristig noch keine Trendwende ab. So sank die Zahl der offenen Arbeitsstellen im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 1.000 auf 638.000.
Inflationsrate auf 1,9 % gesunken
Im Februar hat sich in Deutschland der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe wieder etwas abgeschwächt. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, übertraf der Verbraucherpreisindex (VPI) seinen Vorjahresmonatswert um 1,9 %. Im Januar waren die Verbraucherpreise noch um 2,1 % gestiegen, nachdem sie im Dezember um 1,8 % zugelegt hatten.
Für das jüngste Auf- und Ab der Inflationsrate waren nicht zuletzt die Nahrungsmittelpreise verantwortlich. Diese verteuerten sich im Februar mit 1,1 % weniger deutlich als im Januar (+2,1 %) aber ähnlich wie im Dezember (+0,8 %). Darüber hinaus wirkten auch die Energiepreise dämpfend auf die Gesamtrate. Sie verbilligten sich im Februar stärker als zuvor (-1,9 % nach -1,7 % im Januar).
Angesichts des gestiegenen Eurokurses, der Importe nach Deutschland tendenziell günstiger macht, und der preisgünstigen Importe infolge der US-Zollanhebungen, stehen die Chancen gut, dass die Inflationsrate auch in den kommenden Monaten unter der Marke von 2 % bleiben wird.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR