Wocheninfo vom 04.05.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- Notenbanken bleiben zurückhaltend
- Aktien: Zurückhaltung vor Zinsentscheidung
- Anleihen: Steigende Renditen
- Devisen: US-Dollar etwas schwächer
- Rohstoffe: Ölpreise mit Kriegshoch
- BIP im 1. Quartal um 0,3 % gestiegen
- Euroraum-BIP nur leicht im Plus
- Inflationsrate legt auf 2,9 % zu
- Kraftlose Arbeitsmarktentwicklung
Notenbanken bleiben zurückhaltend
Sowohl die EZB als auch die Fed haben auf ihren geldpolitischen Sitzungen in der vergangenen Woche beschlossen, die Zinsen unverändert zu belassen. Diese Entscheidungen wurden im Vorfeld erwartet. Gleichzeitig sind die Auswirkungen des Irankriegs auf die Teuerungsraten bereits spürbar. Im April war die Inflation im Euroraum auf etwa 3 % gestiegen. Dennoch sind die Erwartungen für Zinserhöhungen zuletzt eher zurückgegangen. Die EZB stützt ihre Politik auf einen dreigliedrigen Ansatz, in den die aktuelle Datenlage und deren Einfluss auf das Inflationsgeschehen, die zugrunde liegende Inflationsdynamik sowie die Stärke der geldpolitischen Transmission einfließen. Bislang lässt sich aus Sicht der verfügbaren Daten nur ein direkter Effekt der gestiegenen Energiepreise auf die Inflation im Euroraum ablesen. Gegen diesen Effekt kann die EZB mit ihrer Zinspolitik nichts ausrichten. Etwaige Zweitrundeneffekte der Preisanstiege lassen sich bislang im Euroraum nicht beobachten. Maßnahmen wie der beschlossene Tankrabatt der Bundesregierung könnten der EZB sogar helfen, da sie die Teuerung zumindest vorübergehend etwas dämpfen.
Die wohl wichtigste Größe dürften gegenwärtig die mittelfristigen Inflationserwartungen von Unternehmen und Haushalten sein. Diese korrelieren zwar mit dem aktuellen Inflationsgeschehen, werden laut aktueller Forschung aber auch stark von vergangenen Inflationserfahrungen geprägt. Nach dem Inflationsanstieg 2021/2022 sehen Geldpolitiker die Gefahr, dass sich die Inflationserwartungen heute schneller anpassen könnten als noch vor einigen Jahren. Darin könnte auch eine Begründung für mögliche Zinserhöhungen liegen. Die EZB würde ein Signal senden, dass sie entschlossen auf die aktuelle Inflationsentwicklung reagiert. Damit würde sie auch die Kritik aufgreifen, sie habe letztes Mal zu lange mit Zinserhöhungen gewartet. An den Finanzmärkten werden weiterhin zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr eingepreist, im Juni und September. Wie bei vielem wird aber auch das von der Dynamik des Irankriegs abhängen.
Aktien: Zurückhaltung vor Zinsentscheidung
Die Aktienmärkte sind verhalten in die vergangene Woche gestartet. Pessimistische Meldungen hinsichtlich der weiteren Entwicklung im Irankrieg sowie das Abwarten auf geldpolitische Entscheidungen sorgten für Zurückhaltung. Die Zinsen in Europa, den USA, Japan und England wurden wie erwartet unverändert belassen. Dass die Notenbanken angesichts der gestiegenen Inflationsaussichten nicht in Hektik verfielen, konnte die Märkte etwas beruhigen. Der DAX verzeichnet insgesamt ein kleines Plus auf 24.292 Punkte. Die europäischen Märkte schlossen fast unverändert, die US-Märkte stiegen etwa 1 %.
Anleihen: Steigende Renditen
An den Anleihemärkten kam es in der vergangenen Woche zu leichten Renditeanstiegen. Die zehnjährigen Bundesanleihen notieren bei 3,03 %. In den USA liegen die zehnjährigen Anleihen ebenfalls höher bei 4,38 %. Im Vereinigten Königreich schlossen die Renditen erstmals seit 2008 wieder über der 5-ProzentMarke. Gestiegene Inflationserwartungen dürften trotz der abwartenden Notenbanken zu den höheren Renditen beigetragen haben.
Devisen: US-Dollar etwas schwächer
Trotz erneut gestiegener Ölpreise wertet der US-Dollar in der vergangenen Woche leicht ab. Gegenüber dem Euro schließt der Greenback etwas schwächer bei 1,1768.
Rohstoffe: Ölpreise mit Kriegshoch
Nach der Erholung in den vergangenen Wochen erreichte der Ölpreis in der letzten Woche einen neuen Höchststand seit Kriegsbeginn. Mit bis zu 125 USD notiert Rohöl der Sorte Brent deutlich höher, zum Wochenschluss beruhigen sich die Preise etwas auf 108 USD. Die Gaspreise steigen weniger stark und liegen bei 46 Euro. Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC sowie die Aussicht auf eine höhere Produktion wurden von den Märkten zunächst ignoriert. Die Sorgen der Marktteilnehmer vor einer weiteren Eskalation des Irankriegs scheinen derzeit zu überwiegen. Meldungen aus Washington über festgefahrene Verhandlungen und mögliche erneute Militärschläge trüben den Ausblick. In den USA bereitet sich die Regierung offenbar auf eine länger andauernde Blockade der Straße von Hormus vor.
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BIP im 1. Quartal um 0,3 % gestiegen
Trotz der spürbaren Belastungen durch den Irankrieg ist die deutsche Wirtschaft mit einem merklichen Wachstum in das Jahr 2026 gestartet. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Schätzungen mitteilte, legte das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 1. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 % zu. Der Zuwachs fiel damit etwas stärker aus als im Rahmen der Winter-Konjunkturprognose des BVR erwartet (+0,2 %). Das BIP war bereits im 4. Quartal gestiegen (um geringfügig abwärtsrevidierte) 0,2 %, nachdem es im Sommerhalbjahr noch leicht nachgegeben hatte.
Gemäß den bislang vorliegenden amtlichen Angaben waren für das Wirtschaftswachstum zu Jahresbeginn unter anderem die zuneh-menden staatlichen und privaten Konsumausgaben verantwortlich. Der Privatkonsum expandierte trotz der Kaufkraftverluste im Zuge der kriegsbedingt deutlich gestiegenen Öl- und Gaspreise. Auch der Außenhandel dürfte zum BIP-Wachstum beigetragen haben, da die Warenexporte stiegen, während die Warenimporte sanken. Die Ausrüstungs- und die Bauinvestitionen dürften hingegen zurückgegangen sein, im Zuge der durch den Krieg entstandenen Unsicherheiten sowie Lieferkettenprobleme und wegen des vergleichsweisen strengen Winterwetters.
Die Eintrübung wichtiger Stimmungsindikatoren wegen des Irankriegs lässt für das 2. Quartal eine Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erwarten. Aufgrund der anhaltenden Belastungen durch den Krieg scheint auch ein BIP-Rückgang möglich.
Euroraum-BIP nur leicht im Plus
Nicht nur in Deutschland, sondern auch im Euroraum ist die Wirtschaftsleistung im 1. Quartal gestiegen. Gemäß ersten Angaben von Eurostat übertraf das preis-, kalender- und saisonbereinigte Euroraum-BIP seinen Vorquartalswert um minimale 0,1 %, nachdem es im 4. Quartal um 0,2 % gestiegen war.
Unter den großen Volkswirtschaften des Währungsraums fiel das Wirtschaftswachstum in Spanien (+0,6 %) erneut am stärksten aus. In Italien (+ 0,2 %) expandierte das BIP hingegen weniger deutlich und in Frankreich stagnierte die Wirtschaftsleistung.
Detailliertere Angaben zur jüngsten BIP-Entwicklung werden für Deutschland am 21. und für den Euroraum am 13. Mai veröffentlicht.
Inflationsrate legt auf 2,9 % zu
Aufgrund der Belastungen durch den Irankrieg hat der Preisauftrieb in Deutschland weiter an Fahrt aufgenommen. Nach ersten amtlichen Angaben übertraf der Verbraucherpreisindex (VPI) im April seinen Vorjahresmonatswert um 2,9 %. Bereits zuvor hatte sich die Inflations-rate erhöht, mit einem Sprung von 1,9 % im Februar auf 2,7 % im März.
Haupttreiber der Teuerung blieben die Preise für Haushaltsenergie und Kraftstoffe. Diese legten im Zuge der gestiegenen Rohöl- und Gaspreise deutlicher zu als zuvor (+10,1 % im April nach +7,2 % im März).
Angesichts der nach wie vor erhöhten Rohöl- und Gaspreise zeichnet sich für die nahe Zukunft weiterhin eine Inflationsrate ab, die deutlich über der Marke von 2 % liegen wird.
Kraftlose Arbeitsmarktentwicklung
Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Belastungen infolge des Irankriegs bleibt die Lage am deutschen Arbeitsmarkt angespannt. Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen nach Anga-ben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im März gegenüber dem Vormonat um 13.000 auf 3,008Mio. gesunken. Der Rückgang fiel jedoch deutlich schwächer aus als im Rahmen der Frühjahrsbelebung üblich. In saisonbereinigter Rechnung nahm die Zahl der Arbeitslosen um 20.000 Personen zu. Die Arbeitslosenquote lag im März unverändert bei 6,4%.
Die verhaltene Entwicklung zeigt sich auch in den aktuellen Daten zur Erwerbstätigkeit. So ist die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen im März weiter von ihrem im April 2025 erreichten Höchststand zurückgegangen. Sie sank gegenüber Februar um 25.000 auf 45,837 Mio. Personen.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR