Wocheninfo vom 06.04.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- Öl-Terminmärkte und grüne Investments
- Aktien: Deutliche GewinneAnleihen: Renditen gehen zurück
- Devisen: Euro wertet auf
- Rohstoffe: Ölpreise geben leicht nach
- Gemeinschaftsdiagnose: Irankrieg hemmt Konjunkturerholung
- Verhalten startende Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt
- Inflationsrate auf 2,7 % gestiegen
Öl-Terminmärkte und grüne Investments
Entgegen allen Katastrophenmeldungen zum Irankrieg bleiben die Finanzmärkte weiterhin relativ ruhig, und die Verwerfungen halten sich in Grenzen. Das Prinzip Hoffnung macht sich dabei selbst an den Energiemärkten bemerkbar, die noch am stärksten von Preisanstiegen betroffen waren. Die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende und eine Beruhigung der Preisanstiege lässt sich am Aufschlag der kurzlaufenden Terminmärkte gegenüber länger laufenden Kontrakten ablesen. Futures mit zeitnahem Lieferdatum notieren deutlich höher als solche, die länger laufen. Diese inverse Marktstruktur (Backwardation) kann dabei Erwartungen von Knappheiten signalisieren. Normalerweise würden länger laufende Kontrakte mit einem Aufschlag notieren (Contango). In die Future-Preise fließen neben den Spotkursen auch Zins- und Lagerkosten sowie Risikoprämien gegen fallende Preise ein. Auch wenn Futures damit nicht mit Prognosen gleichzusetzen sind, signalisiert die Struktur der Terminmärkte dennoch, dass die Märkte weiterhin erwarten, dass die gegenwärtige Erhöhung der Ölpreise nur temporärer Natur ist und die Preise im Jahresverlauf wieder etwa auf das Vorkriegsniveau zurückfallen. Ein gewisser Risikoaufschlag bleibt dennoch erhalten, mit etwa 80 US-Dollar per Barrel aber überschaubar.
Sollte sich der Irankrieg tatsächlich in wenigen Wochen auflösen und die Ölpreise sich tatsächlich an den in den Terminmärkten unterstellten Preispfad halten, könnte die gegenwärtige Aufwertung des US-Dollars zu einem Ende kommen. Diese dürfte stark von den weltweit in US-Dollar gehandelten Ölpreisen und einer Gegenbewegung zu den vorangegangenen Verkäufen abhängen. Die übergeordnete Diversifikation von Anlagen aus den USA könnte sich jedoch fortsetzen. Auch, weil der Irankrieg durchaus eine Basis für stärkere Investitionen in den Bereichen grüne und nachhaltige Investments sein könnte. Oder wie an anderer Stelle formuliert wurde: Donald Trump könnte das Beste sein, was grünen Investitionen passieren könnte.
Aktien: Deutliche Gewinne
Die Märkte starteten volatil in die vergangene Woche, angesichts widersprüchlicher Aussagen der US-Regierung zu einem baldigen Ende des Irankriegs. Schließlich überwogen jedoch Optimismus und die Hoffnung, dass der steigende innenpolitische Druck auf die US-Regierung ein schnelles Ende wahrscheinlicher machen würde. Zur Wochenmitte folgte mit einer TV-Ansprache von Präsident Trump kurz Ernüchterung: Zwar wurde die Absicht eines baldigen Kriegsendes betont, jedoch auch die Absicht, in den kommenden Wochen mit harten Angriffen die Infrastruktur im Iran weiter zu beschädigen. Die Märkte gaben vorübergehend deutlich nach. Kurz darauf kam der Optimismus zurück und es bleibt ein Wochenplus: Der DAX gewinnt 3,9 % auf 23.168 Punkte. Die europäischen Indizes steigen um rund 3,5 %, ähnlich geht es in den USA nach oben.
Anleihen: Renditen gehen zurück
Auch an den Rentenmärkten ist ein Aufatmen zu spüren. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen liegen zum Wochenschluss rund 10 Basispunkte niedriger bei 3,0 %. Ihre amerikanischen Pendants fallen sogar um 13 Basispunkte auf 4,3 %. Während die EZB eher ein Handeln andeutet, signalisiert die Fed eine abwartende Haltung.
Devisen: Euro wertet auf
Auch der Euro konnte in der vergangenen Woche wieder etwas zulegen. Zum Ende der Handelswoche kostet die Gemeinschaftswährung 1,1551 US-Dollar.
Rohstoffe: Ölpreise geben leicht nach
Der Ölpreis ging im Wochenverlauf leicht zurück auf 108,9 US-Dollar. Die europäischen Gaspreise geben um 10 % nach und liegen bei 49,45 Euro. Bereits zu Wochenbeginn reagierten die Ölpreise skeptischer auf den Optimismus an den Aktienmärkten. Zwar gaben die Preise nach, jedoch nicht stark. Die Aussagen des US-Präsidenten am vergangenen Mittwoch führten dann zu deutlichen Preisanstiegen. Damit verbunden waren einerseits Sorgen vor Versorgungsunterbrechungen, andererseits aber auch die Ernüchterung darüber, dass die USA offenbar keinen Plan zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus haben – die das Hauptrisiko für die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs darstellt.
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Gemeinschaftsdiagnose: Irankrieg hemmt Konjunkturerholung
Die an der Gemeinschaftsdiagnose teilnehmenden führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben am 1. April ihr aktuelles Frühjahresgutachten vorgelegt. In dem Gutachten, das den Titel „Energiepreisschock dämpft Erholung – Inflation steigt “ trägt, sehen sie die deutsche Wirtschaft in einer verhaltenen Konjunkturbelebung.
Wegen der wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs haben die Forschungsinstitute ihren Prognosewert zum Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland 2026 mehr als halbiert, von zuvor 1,3 % auf 0,6 %. Der Prognosewert für die Inflationsrate wurde hingegen merklich angehoben, von zuvor 2,0 % auf nun 2,8 %.
Nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher wird die gestiegene Inflation den privaten Konsum dämpfen. Dem stünden allerdings die expansiven Impulse der Finanzpolitik gegenüber. Die kräftige Ausweitung der Neuverschuldung für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz werde insbesondere Unternehmen der Verteidigungsindustrie und des Tiefbaus stützen. Insgesamt werde sich die Industrie dennoch wenig dynamisch entwickeln, da deren Auslandsgeschäfte angesichts weiter abnehmender Wettbewerbsfähigkeit, hoher geopolitischer Unsicherheit und fortbestehender handelspolitischer Belastungen kaum zunehmen dürften.
Mittelfristig erwarten die Forschungsinstitute, dass das Wachstum des Produktionspotenzials in Deutschland von derzeit 0,2% bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig zum Erliegen kommen wird. Neben dem demografiebedingten Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter trage hierzu auch die sinkende Arbeitszeit je Erwerbstätigen bei. Dies liege vor allem daran, dass die Arbeitsleistung mehr und mehr von älteren Arbeitnehmern erbracht werde, die allgemein eine unterdurchschnittliche Wochenarbeitszeit aufweisen.
Verhalten startende Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt
Angesichts der wirtschaftlichen Belastungen durch den Irankrieg zeigt sich der Arbeitsmarkt in Deutschland weiterhin kraftlos. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Zahl der Arbeitslosen im März gegenüber dem Vormonat zwar um 49.000 auf 3,021 Mio. Menschen gesunken. Der Rückgang im Zuge der einsetzenden Frühjahresbelebung fiel aber ohne nennenswerten Schwung aus. In saisonbereinigter Rechnung stagnierten die Arbeitslosenzahl. Im Vergleich zum Vorjahresmonat war ein Anstieg um 54.000 Personen zu verzeichnen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte im März auf ihrem Vormonatsstand von 6,3 %.
Die kraftlose Arbeitsmarktentwicklung spiegelt sich auch in den jüngsten Angaben zur Erwerbstätigkeit wider. So hat sich die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl weiter von ihrem im April 2025 mit gut 46,0 Mio. Personen erreichten Höchststand entfernt. Sie sank im Februar gegenüber dem Vormonat um 12.000 auf 45,9 Mio. Menschen.
Inflationsrate auf 2,7 % gestiegen
Im Zuge der kriegsbedingt kräftig verteuerten Rohöl- und Gaspreise hat der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland im März merklich an Fahrt aufgenommen. Der Verbraucherpreisindex (VPI) übertraf nach vorläufigen amtlichen Berechnungen seinen Vorjahresmonatswert um 2,7 %. Im Februar lag die Inflationsrate noch bei 1,9 %.
Die Preise für Haushaltsenergie und Kraftstoffe legten im März um deutliche 7,2 % zu, nachdem sie im Februar noch um 1,9 % gesunken waren. Dämpfend auf die Entwicklung der Gesamtrate wirkten hingegen die Nahrungsmittelpreise, die sich weniger stark verteuerten als zuvor (+0,9 % nach +1,1 %). Die Kern-Inflationsrate ohne Berücksichtigung der Energie- und Nahrungsmittel blieb mit 2,5 % unverändert. Auch bei den Dienstleistungspreisen blieb die Teuerung konstant (3,2 % im März nach 3,2 % im Februar).
Detaillierte Angaben zur jüngsten Entwicklung der Verbraucherpreise wird das Statistische Bundesamt am 10. April vorlegen.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR