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Wocheninfo vom 09.03.2026

Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Irankrieg beherrscht die Märkte
  • Verluste für EZB und Bundesbank
  • Aktien: Abverkäufe durch Krieg
  • Anleihen: Anleihemärkte mit Renditeanstieg
  • Devisen: US-Dollar profitiert von Ölpreis
  • Rohstoffe: Öl und Gaspreise steigen deutlich
  • Industrie: Merklicher Produktionsrückgang …
  • … und weniger Neuaufträge
  • Euroraum-Inflationsrate auf 1,9 % gestiegen
  • Euroraum-BIP-Anstieg leicht abwärtsrevidiert

Irankrieg beherrscht die Märkte

Die Angriffe Israels und der USA auf den Iran und der damit begonnene Irankrieg beherrschen die Märkte. Die Aktienmärkte zeigen sich volatil. Die Korrekturbewegung der vergangenen Woche setzt sich am Montagmorgen mit erneuten Abverkäufen fort. Der größte Effekt ist an den Rohstoffmärkten zu beobachten: Die Futures für Öl und Gas stiegen deutlich an und bleiben bislang erhöht. Über das Wochenende folgten erneut Anstiege um fast 30 % beim Ölpreis, der auf bis zu 120 USD stieg. Im weiteren Handelsverlauf beruhigten sich die Märkte etwas, die Preise bleiben aber über 100 USD. Sofern sich der Krieg nur über wenige Wochen hinzieht, ist dennoch mit keinen großen negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum zu rechnen. Erst bei längeren Kriegshandlungen und Beeinträchtigungen von Lieferwegen, wie der wichtigen Straße von Hormus, ist mit ausgeprägteren Effekten zu rechnen. Auf die Preisentwicklung wirken die gestiegenen Energiekosten, wobei auch hier die Effektgröße stark von der Dauer der Kampfhandlungen und Beeinträchtigungen der Lieferketten abhängt. Neben der viel diskutierten Meerenge, die sich im Prinzip schnell wieder öffnen ließe, könnte der größere Schock in einer Beschädigung der Öl-Infrastruktur – wie z.B. bombardierten Öllagern – in der Region liegen, was langfristigere und größere Angebots- und Preiseffekte auslösen könnte.

Verluste für EZB und Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank hat – wie auch die EZB – im vergangenen Jahr erneut einen Verlust erwirtschaftet. Dieser beläuft sich auf 8,6 Mrd. Euro. Auch die Wertzuwächse beim großen Goldschatz konnten die Schieflage zwischen gering verzinslichen Aktiva und gestiegenen Zinsen für Verbindlichkeiten nicht ausgleichen. Faktisch sind die Verluste der Notenbanken irrelevant; die EZB könnte bereits im laufenden Jahr wieder Gewinne erwirtschaften, die Bundesbank vermutlich etwas später. Am ehesten machen sich die Verluste bei fehlenden Ausschüttungen an die Finanzminister bemerkbar, die von Überschüssen profitieren.

Aktien: Abverkäufe durch Krieg

Der Krieg im Iran sorgt weiterhin für Verluste. Am Montagmorgen deuten die DAX-Futures ein Minus von 2,5 % an. Die Kampfhandlungen am Wochenende und die Ernennung von Mojtaba Khamenei zum Nachfolger seines Vaters könnten auf längere Auseinandersetzungen hindeuten. Bereits in der vergangenen Woche kam es zu Korrekturen. Auf Wochensicht verzeichnete der DAX einen Verlust von 6,7 % auf 23.591 Punkte, die europäischen Indizes lagen rund 6 % niedriger. In den USA schloss der S&P 500 2 % im Minus.

Anleihen: Anleihemärkte mit Renditeanstieg

An den Anleihemärkten setzen sich die Renditeanstiege der vergangenen Woche fort. Am Montagmorgen notieren Bundesanleihen etwa 6 Basispunkte höher. Die Anstiege sind am kürzeren Laufzeitende ausgeprägter. Hier dürften gestiegene Inflationserwartungen der Treiber sein. Die gestiegenen Energiepreise haben die Aussichten auf weitere Zinssenkungen verringert. Die zehnjährige Bundesanleihe notierte zum Wochenschluss etwa 20 Basispunkte höher bei 2,86 %, in den USA war der Anstieg ähnlich groß und lag bei 4,15 %.

Devisen: US-Dollar profitiert von Ölpreis

Der US-Dollar konnte durch die gestiegenen Ölpreise an Wert gewinnen. Gegenüber dem Euro hat der US-Dollar auf 1,1579 aufgewertet. Ebenfalls gefragt war der Schweizer Franken, der zum Euro auf 0,90 aufwertete. Die Schweizer Notenbank steht bereits bereit, um beim Wechselkurs einzugreifen

Rohstoffe: Öl und Gaspreise steigen deutlich

Die Öl- und Gaspreise sind am stärksten vom Irankrieg betroffen. In der vergangenen Woche stiegen die Ölpreise um etwa 30 %, die Gaspreise in Europa um 60 %. Über das Wochenende legten die Ölpreise erneut um rund 30 % zu und erreichten in der Spitze 120 USD. Seit sieben Tagen hat kein Tanker mehr die Straße von Hormus passiert – der längste Zeitraum seit Beginn der Datenerhebung. Die Future-Märkte preisen derzeit vor allem für das laufende Jahr höhere Preise ein, bevor eine Normalisierung etwa auf das Vorkriegsniveau erwartet wird. Eine Hoffnung liegt auf den Midterms in den USA, die die Regierung zu Eingriffen bewegen könnten, z. B. durch die strategischen Ölreserven. Edelmetalle können aktuell von der Marktpanik nicht profitieren.

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Industrie: Merklicher Produktionsrückgang …

Die deutsche Industrie ist verhalten in das neue Jahr gestartet. Gemäß den heute Morgen veröffentlichten amtlichen Angaben sank die Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um deutliche 2,5 %. Die Produktion war bereits im Dezember gesunken, nachdem sie in den Vormonaten sichtlich zugelegt hatte.

Maßgeblich für den jüngsten Rückgang war die niedrigere Erzeugung in den Bereichen Herstellung von Metallerzeugnissen (-12,4 %), Pharmaindustrie (-11,9 %) und Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (-6,8 %).

Im Baugewerbe ist die Produktion im Januar hingegen gestiegen. Die Bauproduktion legte trotz der vergleichsweisen hohen Anzahl an Eis- und Frosttagen um 2,9 % zu.

… und weniger Neuaufträge

Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ist im Januar ebenfalls gesunken. Die Aufträge gaben preis-, kalender- und saisonbereinigt um deutliche 11,1 % nach, nachdem sie in den Vormonat teilweise sehr kräftig zugelegt hatte. Besonders deutlich fiel der Orderschwund bei den Inlandsbestellungen (-16,2 %) aus. Aber auch die Orders aus dem Ausland (-7,1 %) gaben merklich nach.

Hauptgrund für den Auftragseinbruch zu Jahresbeginn war eine Normalisierung im Bereich der Großaufträge. Insbesondere umfangreiche verteidigungswirtschaftliche Bestellungen hatten die Gesamtentwicklung zuvor sehr stark nach oben getrieben.

Trotz der schwachen Produktions- und Auftragsdaten vom Jahresauftakt zeichnet sich für die nächsten Monate eine Belebung der Industriekonjunktur ab. Hierfür spricht unter anderem, dass die Aufträge im weniger volatilen Dreimonatsvergleich von November bis Dezember um 7,4 % höher liegen als in den drei Monaten zuvor.

Euroraum-Inflationsrate auf 1,9 % gestiegen

Anders als in Deutschland hat im Euroraum als Ganzes der Preisanstieg auf der Verbraucherstufe im Februar zugenommen. Wie Eurostat anhand vorläufiger Angaben mitteilte, übertraf der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) seinen Vorjahresmonatswert um 1,9 %. Im Januar hatte die Inflationsrate noch bei 1,7 % gelegen. Trotz des leichten Anstiegs befindet sich die Teuerungsrate aber weiterhin unter der Marke von 2 %, bei der die EZB mittelfristig das Ziel der Preisniveaustabilität als erfüllt ansieht.

Für den Anstieg der Gesamtrate waren unter anderem die wieder stärker steigenden Preise für Dienstleistungen (+3,4 % nach +3,2 % im Januar) verantwortlich. Zudem gaben die Energiepreise weniger deutlich nach als zuvor (-3,2 % nach -4,0 %).

Im Zuge des Irankriegs, der zu gestiegenen Öl- und Gaspreisen sowie Lieferkettenstörungen führte, könnte die Inflationsrate in den kommenden Monaten merklich anziehen, insbesondere dann, wenn die Kriegshandlungen länger andauern sollten.

Euroraum-BIP-Anstieg leicht abwärtsrevidiert

Eurostat hat inzwischen detaillierte Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Euroraums im 4. Quartal vorgelegt. Das zentrale Ergebnis der vorherigen Schätzungen wurde dabei leicht nach unten korrigiert. So ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal nicht um 0,3 %, sondern um 0,2 % gestiegen. Das Wachstumstempo hat sich damit im Vergleich zum 3. Quartal (+0,3 %) geringfügig abgeschwächt.

Maßgeblich für den moderaten BIP-Zuwachs im 3. Quartal waren die privaten und staatlichen Konsumausgaben, die um 0,4 % beziehungsweise 0,5 % expandierten. Darüber hinaus legten auch die Bruttoanlageinvestitionen zu, wenngleich mit 0,6 % weniger stark als im Vorquartal (+1,3 %). Der Außenhandel dämpfte hingegen erneut das BIP-Wachstum. Die Exporte sanken um 0,4 %, während die Importe um geringere 0,2 % nachgaben.

Für das Jahresauftaktquartal lassen wichtige Frühindikatoren eine Fortsetzung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums erwarten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR