Wocheninfo vom 11.05.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- EZB mit neuen Datenveröffentlichungen
- Aktien: Fragile Waffenruhe & US-Optimismus
- Anleihen: Renditen geben nach
- Devisen: Euro etwas stärker
- Rohstoffe: Friedenshoffnungen drücken Öl
- Industrieproduktion erneut zurückgegangen
- Kräftiges Auftragsplus im Zuge von Vorzugseffekten
- Leichtes Exportplus
- Euroraum-Erzeugerpreise legen zu
EZB mit neuen Datenveröffentlichungen
Nach ihrer geldpolitischen Entscheidung, die Zinsen im Euroraum unverändert zu belassen, hat die EZB in der vergangenen Woche eine Reihe neuer Datenpunkte veröffentlicht. So wurden unter anderem aus der Bankenstatistik die Zinssätze im Euroraum für den Monat März veröffentlicht. Diese stiegen für Neukredite an Unternehmen leicht auf 3,59 %. Die Zinsen für Immobilienkredite an Haushalte blieben unverändert bei 3,35 %. Die Zinsen für Termineinlagen wurden für Unternehmen leicht auf 1,96 % erhöht; für Haushalte blieben sie unverändert bei 1,86 %. Die Verzinsung für Sichteinlagen im Euroraum bleibt unverändert bei 0,54 % für Unternehmen und 0,26 % für Haushalte. Zuvor wurden bereits Daten zur Kreditvergabe veröffentlicht. Für Unternehmenskredite im Euroraum lag die Jahreswachstumsrate im März bei 3,2 % (nach 3,0 % im Februar). Für private Haushalte bleibt die Jahreswachstumsrate unverändert bei 3,0 %. Außerdem wurde ein Update des EZB WageTracker-Indikators veröffentlicht. Dieser signalisiert bislang keine Anstiege im Lohnwachstum für das Jahr 2026. Zum Jahresende dürfte dieses nach den bislang verfügbaren Daten im Bereich von 2,6 % liegen. Dennoch scheinen einige Mitglieder des Governing Council im Nachgang zur letzten Zinsentscheidung die Märkte bereits auf eine Zinserhöhung in der Sitzung im Juni einzustellen. Gegenwärtig scheint es, als könne nur eine sehr schnelle Beruhigung im Irankrieg die Währungshüter davon abbringen.
Schließlich hat die EZB auch ihren jährlichen Bericht zur finanziellen Integration im Euroraum veröffentlicht. Diese habe sich seit 2022 deutlich verbessert, was insgesamt auf eine resilientere Marktfunktionalität hindeutet. Grenzüberschreitende Aktivitäten haben in allen Marktsegmenten zugenommen; so stieg etwa in den Mitgliedländern der Anteil an gehaltenen Staatsanleihen aus anderen EuroraumLändern. Gleichzeitig bestehen weiterhin Potenziale für eine tiefere und bessere Integration. Gerade im Bereich der Aktienmärkte ist die Fragmentation nach wie vor hoch.
Aktien: Fragile Waffenruhe & US-Optimismus
Die Aktienmärkte starteten schwächer in die vergangene Handelswoche. Das erneute Aufleben der Zollthematik mit US-Zöllen gegen europäische Autoimporte trotz unklarer Rechtslage sowie der Zickzackkurs im Irankrieg brachten Verunsicherung. Die Ankündigung der USA, Schiffe durch die Straße von Hormus zu begleiten, führte zu Verkäufen und steigenden Ölpreisen. Diese Ankündigung wurde nach einem Tag jedoch bereits wieder zurückgezogen. Plötzlich schienen große Fortschritte in den Friedensverhandlungen und eine baldige Öffnung der Straße von Hormus möglich. Die Aktienmärkte stiegen entsprechend. Vor dem Wochenende kam es zur Sicherheit zu Gewinnmitnahmen, beim DAX bleibt ein kleines Plus von etwa 0,2 %, ähnlich an den europäischen Börsen. In den USA fiel das Plus mit 2 - 4,5 % deutlich größer aus; hier stützen zusätzlich gute Unternehmensdaten.
Anleihen: Renditen geben nach
An den Anleihemärkten gab es leichte Renditerückgänge. Durch die sinkenden Ölpreise ebben auch die Inflationssorgen etwas ab und drücken damit die Marktzinsen. Die zehnjährigen Bundesanleihen schließen bei 3,01 %, ihre amerikanischen Pendants bei 4,37 %. Die britischen Anleihen rutschen zum Wochenschluss wieder unter die 5-Prozent-Marke.
Devisen: Euro etwas stärker
Die rückläufigen Ölpreise sorgen für eine leichte Abwertung des US-Dollar. Gegenüber dem Euro schließt der Greenback die Woche schwächer bei 1,1775.
Rohstoffe: Friedenshoffnungen drücken Öl
Die Ölpreise geben auf Wochensicht 6 % nach und schließen bei 101 US-Dollar. Zum Wochenstart kam es nach der Ankündigung der USA, Schiffe durch die Straße von Hormus zu begleiten, sowie nach Berichten über Angriffe des Irans auf US-Kriegsschiffe zunächst zu deutlichen Anstiegen. Der Richtungswechsel der US-Regierung und die vom US-Präsiden-ten geschürten Hoffnungen auf eine zeitnahe Vereinbarung für ein Kriegsende sowie eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus sorgten dann für den Rückgang der Energiepreise. Die Gaspreise gehen leicht zurück auf 44 Euro. Gold und Silber können um 1,5 % bzw. 10,3 % zulegen.
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Industrieproduktion erneut zurückgegangen
Im März fielen die amtlichen Verlaufsindikatoren zur hiesigen Industriekonjunktur und zum Außenhandel abermals gemischt aus. Während die Industrieproduktion erneut zurückging, war bei den Industrieaufträgen und den Warenausfuhren - begünstigt durch Vorzugseffekte - ein Anstieg zu verzeichnen.
Gemäß vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Industrieproduktion gegenüber Februar preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,9 %. Sie hatte bereits in den Vormonaten nachgegeben. Damit war die industrielle Erzeugung im gesamten 1. Quartal um 1,9 % niedriger als im Vorquartal.
Die beiden bedeutsamsten Branchen zeigten im März unterschiedliche Tendenzen: Während die Produktion im Maschinenbau um 2,7 % zurückging, legte sie in der Automobilindustrie um 1,9 % zu. Auch im Baugewerbe kam es zu einer Produktionsausweitung um 1,9 %. Hier war die Produktion in den Vormonaten noch merklich gesunken, wofür nicht zuletzt das vergleichsweise strenge Winterwetter ver-antwortlich war.
Kräftiges Auftragsplus im Zuge von Vorzugseffekten
Der Auftragseingang des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland hat sich weiter vom deutlichen Rückgang zu Jahresbeginn erholt. Die Neubestellungen legten im März um kräftige 5,0 % zu, nachdem sie bereits im Februar um (aufwärtsrevidierte) 1,4 % gestiegen waren.
Die Nachfrageimpulse gingen dabei vor allem aus dem Ausland (+5,6 %) aus. Insbesondere aus den Euroraum Partnerländern (+10,1 %) gingen erheblich mehr Bestellungen ein. Aber auch die Inlandsorders (+4,0 %) legten zu.
Ein wichtiger Grund für den jüngsten Anstieg der Neuaufträge dürften Vorzugseffekte gewesen sein. Offenbar hat die Erwartung kriegsbedingt steigender Einkaufspreise im März für vorgezogene Bestellungen gesorgt. So legten die Notierungen für Öl- und Gas mit dem Beginn des Irankriegs sehr stark zu und durch die Blockade der Hormus-Seestraße kam und kommt es zu Lieferkettenproblemen. Umfragen zufolge rechnen die Unternehmen daher für die nahe Zukunft verstärkt mit Preisanhebungen. Zudem haben sich im Zuge des Irankriegs wichtige Stimmungsindikatoren eingetrübt. Somit zeichnet sich trotz des jüngsten Bestellzuwachses für die kommenden Monate eine schwächere Gangart der Industriekonjunktur ab.
Leichtes Exportplus
Die Erwartung steigender Preise scheint sich auch auf den Außenhandel ausgewirkt zu haben. Von der deutschen Wirtschaft wurden im März kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 135,8 Mrd. Euro aufgeführt und Waren im Wert von 121,5 Mrd. Euro eingeführt. Die Warenexporte legten damit um 0,5 % im Plus. Die Warenimporte expandierten um stärkere 5,1 %, was nicht zuletzt auf den bereits erwähnten Vorzugseffekten beruhen dürfte.
Im gesamten 1. Quartal übertrafen die Warenausfuhren ihren Vorquartalswert um 2,2 %. Die Warenimporte legte hingegen mit einem Anstieg um 0,9 % weniger deutlich zu. Dies deutet darauf hin, dass der Außenbeitrag im Jahresauftaktquartal einen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum geleistet hat.
Euroraum-Erzeugerpreise legen zu
Im Euroraum haben die Preise auf der Erzeugerstufe merklich angezogen. Der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte übertraf im März seinen entsprechenden Vorjahresmonatswert um 2,1 %. Im Februar waren die Erzeugerpreise noch um 3,0 % gesunken.
Hauptgrund der deutlich anziehenden Teue-rung waren die Energiepreise. Diese legten im Zuge des Irankriegs im März um kräftige 4,2 % zu, nachdem sie im Vormonat um 11,7 % ge-sunken waren. Bei Verbrauchs- (+2,5 %), Vorleistungs- (+2,0 %) sowie Investitionsgütern (+1,6 %) fiel die Preisdynamik demgegenüber noch moderater aus.
Mit dem kräftigen Anstieg hat der Druck von Seiten der Erzeugerpreise auf die Verbraucherpreise deutlich zugenommen. Die Inflationsrate, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), ist jüngst von 2,6 % im März auf 3,0 % im April gestiegen.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR