Wocheninfo vom 13.04.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- Instabile Waffenruhe im Irankrieg
- Gold: Unsicherer Hafen?
- Aktien: Waffenruhe bringt Gewinne
- Anleihen: Unsicherheit überwiegt
- Devisen: US-Dollar wertet ab
- Rohstoffe: Erleichterung über Waffenruhe
- Stagnierende Industrieproduktion
- Etwas mehr Neuaufträge
- Deutlicher Anstieg der Exporte
- 2,7 % Inflationsrate bestätigt
Instabile Waffenruhe im Irankrieg
Die Freude über eine Waffenruhe im Irankrieg hielt nur kurz an. Israelische Angriffe im Libanon sorgten bereits am ersten Tag für Verunsicherung. Am Wochenende kündigte die USDelegation dann das vorläufige Scheitern der Verhandlungen an, gefolgt von der Ankündigung des US-Präsidenten, die Straße von Hormus kurzerhand seinerseits zu blockieren. Die Hoffnung dabei ist, den Druck auf das iranische Regime zu erhöhen, indem die Einnahmen aus Ölgeschäften und Mautgebühren wegfallen. Der Rückgang bei den Energiepreisen scheint damit schon wieder ein vorläufiges Ende zu finden. Gleichzeitig drehen auch die Aktienmärkte am Montagmorgen ins Minus.
Gold: Unsicherer Hafen?
Die Kursbewegungen von Gold und Co. verlaufen gegenwärtig anders, als man es von sicheren Häfen in Krisenzeiten erwarten würde. Die Edelmetalle korrelieren stark mit risikoreicheren Assets wie Aktien. Zwar bieten ein stärkerer US-Dollar sowie steigende Zinsen und Zinserwartungen eine Erklärung für Kursrückgänge, doch die Suche nach Sicherheit müsste erwartungsgemäß überwiegen und für steigende Kurse sorgen. Stattdessen haben Edelmetalle seit Kriegsbeginn verloren.
Zwei Erklärungen erscheinen plausibel: Einerseits dürften viele Gold-Positionen bei institutionellen Investoren nach den Gewinnen der vergangenen Monate deutlich im Plus liegen. Die gestiegene Unsicherheit, hohe Volatilität sowie Korrekturen am Aktienmarkt dürften zu Gewinnmitnahmen, einem gestiegenen Liquiditätsbedarf und Margin Calls geführt haben, die wiederum Schließungen von Gold-Positionen nach sich zogen. Zweitens dürfte durch die Kursanstiege die Investorenbasis bei Edelmetallen breiter geworden sein, mit mehr Privatanlegern, die zyklischer agieren und Edelmetalle dadurch stärker mit anderen Risikoklassen korrelieren. Für diese zyklischeren Käufe spricht auch der Anstieg des Goldpreises zusammen mit den Aktienmärkten nach Bekanntgabe der Waffenruhe. Man hätte eher eine Verschiebung heraus aus Gold erwartet.
Aktien: Waffenruhe bringt Gewinne
Die vorläufig gescheiterten Verhandlungen im Irankrieg sorgen für Verluste. Vorbörslich liegen die Aktienmärkte gut 1,5 % im Minus. In der vergangenen Woche war die Anspannung vor dem US-Ultimatum im Irankrieg überall spürbar, ebenso wie die Erleichterung, als eine Waffenruhe in Kraft trat. Auf Wochensicht steht ein deutliches Plus bei den Aktienmärkten. Der DAX schließt bei 23.804 Punkten und damit gut 2,7 % im Plus, die europäischen und amerikanischen Indizes gewinnen rund 3-4 %.
Anleihen: Unsicherheit überwiegt
Der Rückgang der Renditen infolge der Erleichterung hielt nur kurz und wich anschließend der Unsicherheit. Zum Wochenschluss lagen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen mit 3,05 % im Wochenvergleich sogar leicht höher. In den USA blieben die Renditen fast unverändert bei 4,3 %.
Devisen: US-Dollar wertet ab
Der Rückgang der Ölpreise führte erwartungsgemäß zu einer Abwertung des US-Dollars. Zum Euro liegt der Greenback bei 1,1729.
Rohstoffe: Erleichterung über Waffenruhe
Die Energiepreise konnten in besonderem Maße von der Waffenruhe profitieren. Die Spotpreise für Rohöl lagen gut 12 % niedriger bei 95 US-Dollar, Erdgas liegt mit 44 Euro etwa 10 % niedriger. Mit den gescheiterten Verhandlungen liegen die Front-Month Futures wieder über der 100-USD-Marke. Selbst bei einer vollständigen Einstellung der Kampfhandlungen und einer umfassenden Öffnung der Straße von Hormus ist davon auszugehen, dass die unterbrochenen Lieferketten längere Zeit benötigen, bis sich wieder eine vollständige Normalisierung einstellt. Dies liegt zum einen an dem Rückstau auf den Transportwegen, zum anderen aber auch daran, dass Produktionsstätten nur langsam wieder hochfahren können, da eine Mindestdurchflussmenge benötigt wird. Die Störungen der Lieferketten beschränken sich dabei nicht auf Energieprodukte, sondern auch auf industrielle Vorprodukte wie Schwefel oder Helium, die z. B. für die Chipproduktion fehlen.
Profitieren konnten Edelmetalle: Gold legte um gut 2 % auf 4.782 USD zu, Silber stieg um etwa 6 % auf 75,55 USD.
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Stagnierende Industrieproduktion
Unmittelbar vor dem Ausbruch des Irankriegs fielen die amtlichen Monatsdaten zur Industrie und zum Außenhandel Deutschlands überwiegend positiv aus. Zwar trat die Industrieproduktion im Februar nahezu auf der Stelle. Beim Auftragseingang und bei den Warenexporten waren jedoch Zuwächse zu verzeichnen.
Die Industrieproduktion hat gegenüber dem Vormonat mit einer Verlaufsrate von -0,1 % im Wesentlichen stagniert, nachdem sie im Januar noch um 0,5 % nachgegeben hatte. Innerhalb der Industrie zeigten sich dabei unterschiedliche Tendenzen. Während die Produktion unter anderem in der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (+2,6 %), von Kfz- und Kfz-Teilen (+1,7 %) und Metallerzeugnissen (+1,6 %) spürbar ausgeweitet wurde, mussten andere Branchen wie die Pharmaindustrie (-4,4 %) und der Maschinebau (-0,3 %) Produktionsrückgänge hinnehmen.
Im Gegensatz zur Industrieproduktion ist die Bauproduktion im Februar erneut deutlich gesunken. Die Bauproduktion verminderte sich um 1,2 %, wofür insbesondere die schwache Entwicklung des Ausbaugewerbes (-1,8 %) verantwortlich war. Im Hoch- und Tiefbau (+0,2 %) konnte sich die Produktion nach dem heftigen witterungsbedingten Einbruch im Vormonat aber stabilisieren.
Etwas mehr Neuaufträge
Nach dem, durch fehlende Großaufträge bedingt, schwachen Jahresbeginn hat sich der Auftragseingang des Verarbeitenden Gewerbes im Februar stabilisiert. Die Neuaufträge legten gegenüber Januar um 0,9 % zu. Auch in dem von Großaufträgen bereinigten Dreimonatsvergleich lagen sie im Plus, um 3,5 %.
Maßgeblich für den jüngsten Bestellzuwachs waren die Auslandsaufträge, die um 4,7 % stiegen. Die Inlandsbestellungen gaben dagegen um 4,4 % nach. Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes waren für den Anstieg vor allem der gewichtige Bereich Kfz und KfzTeile (+3,8 %) verantwortlich. Der Sonstige Fahrzeugbau (-25,9 %), der Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge umfasst, wirkte hingegen negativ auf die Gesamtentwicklung. Diese Branche hatte in den Vormonaten merkliche Wachstumsimpulse geliefert, befördert insbesondere durch die zunehmenden verteidigungswirtschaftlichen Anschaffungen.
Insgesamt geben die jüngsten Auftragsdaten Anlass zur Hoffnung. Eine weitere Stabilisierung der Industriekonjunktur ist aber nur wahrscheinlich, wenn die durch den Irankrieg eingetretenen Energiepreis- und LieferkettenProbleme schnell und nachhaltig abflauen.
Deutlicher Anstieg der Exporte
Der Außenhandel der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar deutlich von den Rückgängen zu Jahresbeginn erholt. Von Deutschland wurden im April kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 135,2 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 115,4 Mrd. Euro eingeführt.
Die Warenausfuhren legten gegenüber dem Vormonat um kräftige 3,6 % zu. Damit konnte die Schrumpfung vom Januar (-1,5 %) mehr als ausgeglichen werden. Treibender Faktor des Exportwachstums war das Geschäft mit den EU-Partnerländern (+5,8 %). Die Ausfuhren in die USA (-7,5 %) und nach China (-2,5 %) gaben hingegen deutlich nach.
Bei den Wareneinfuhren, die im Januar um 5,1 % eingebrochen waren, kam es im Februar zu einem Anstieg um 4,7 %. Im Zweimonatsdurchschnitt lagen die Warenimporte aber um 1,7 % unter dem im 4. Quartal erreichten Stand, während die Warenexporte zeitgleich um 1,5 % zulegen konnten. Dies deutet drauf hin, dass der Außenhandel als Ganzes im Winterquartal einen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten könnte.
2,7 % Inflationsrate bestätigt
Die sprunghaft gestiegenen Kraft- und Heizölpreise haben die Inflationsrate in Deutschland deutlich erhöht. Nach den inzwischen vom Statistischen Bundesamt bestätigten Angaben kletterte der Verbraucherpreisindex (VPI) im März um 2,7 % über seinen Vorjahresmonatswert.
Die Inflationsrate ist damit auf den höchsten Stand seit Januar 2024 (2,9 %) gestiegen. Im Februar hatte sie noch bei 1,9 % gelegen.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR