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Wocheninfo vom 16.03.2026

Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Irankrieg beschäftigt die Energiemärkte
  • Aktien: Turbulente Woche
  • Anleihen: Inflationssorgen treiben Renditen
  • Devisen: US-Dollar bleibt gefragt
  • Rohstoffe: Erneute Preisanstiege bei Öl
  • Wirtschaftsforschungsinstitute vermindern wegen Irankrieg 
  • IP-Prognosewerte
  • Rückläufiger Außenhandel
  • 10,3 % mehr Unternehmensinsolvenzen

Irankrieg beschäftigt die Energiemärkte

Der Irankrieg geht in seine dritte Woche und beherrscht nach wie vor die Finanzmärkte. In der vergangenen Woche kam es zu Wochenbeginn zu deutlichen Anstiegen der Energiepreise. Der Ölpreis stieg in der Spitze auf 120 USD, Erdgas kletterte auf über 60 EUR. Öltanker wurden im Golf attackiert. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat angekündigt, dass ihre 32 Mitgliedsländer 400 Mio. Barrel Rohöl und verarbeitete Kraftstoffe in den Markt geben werden. Es ist nach den Zuspitzungen im Golfkrieg 1991, den Hurricanes Katrina und Rita 2005, dem Bürgerkrieg in Libyen 2011 und zweimal seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 das sechste Mal, dass die IEA seit ihrer Gründung 1974 – nach dem ersten Ölpreisschock 1973 – Teile ihrer Reserven auflöst. Gleichzeitig ist es die höchste Menge in der Geschichte. Die Menge entspricht etwa dem Äquivalent von 20 Tagen normaler Lieferungen durch die Straße von Hormus, durch die rund 20 % des globalen Ölund Gastransports passieren. Öl spielt weltweit nach wie vor eine wichtige Rolle und deckt etwa ein Drittel des globalen Energiebedarfs. Täglich werden weltweit etwa 100 Mio. Barrel (1 Barrel ≈ 159 Liter) Öl verbraucht. Seit dem vergangenen Jahr gibt es ein Überangebot beim Öl: Etwa 8,2 Mrd. Barrel befinden sich in Lagern, davon halten die IEAMitgliedstaaten 1,2 Mrd. als öffentliche Notfallreserve und zusätzlich 600 Mio. bei Unternehmen zur Vorsorge. China hält allein etwa 1,2 Mrd. Barrel vor, was ungefähr 115 Tagen an Ölimporten über See entspricht. Die IEA spricht mittlerweile von der größten Angebotsstörung in der Geschichte der globalen Ölmärkte. Die USA haben zudem Lockerungen ihrer Russland-Sanktionen für russisches Erdöl beschlossen. Erdöl, das sich bereits auf Schiffen befindet, darf vorübergehend gekauft werden. Die anderen G7-Staaten lehnen dies ab. Die US-Regierung steht durch die anstehenden Midterms im November unter Druck. Der Irankrieg wird innenpolitisch kritisch gesehen, insbesondere da die Begründung für den Krieg nach wie vor unklar ist und die Inflation weiterhin erhöht ist.

Aktien: Turbulente Woche

In der vergangenen Woche führte zunächst eine Preisexplosion bei Energie zu deutlichen Aktienverkäufen. Äußerungen des US-Präsidenten über ein rasches Kriegsende und die Ankündigung, Ölreserven freizugeben, wurden von den Märkten positiv aufgenommen. Die Verunsicherung bleibt jedoch aufgrund der widersprüchlichen Kommunikation, insbesondere seitens der US-Regierung, weiterhin hoch. Die Aktienmärkte korrelieren derzeit insgesamt negativ mit den Energiepreisen. Vor dem Wochenende kam es durch steigende Ölpreise und Vorsichtsverkäufen erneut zu Rückgängen. Der DAX schließt 0,6 % im Minus bei 23.447 Punkten. Die europäischen Märkte geben etwa 0,5 % nach. In den USA sind die Verluste ausgeprägter: Der S&P 500 verliert 1,6 %, der Dow-Jones-Index sogar 2 %.

Anleihen: Inflationssorgen treiben Renditen

Die gestiegenen Energiepreise führen zu ölpreisbedingten Inflationssorgen und wirken sich auf die Zinserwartungen aus. Die zehnjährige Bundesanleihe schließt gut 10 Basispunkte höher bei 2,98 %. In ähnlichem Umfang stiegen die Renditen in den USA auf 4,29 %.

Devisen: US-Dollar bleibt gefragt

Der US-Dollar setzt seine Aufwertung fort. Gegenüber dem Euro schließt er bei 1,1444. Der USD-Index, der den Wert des US-Dollar gegenüber einem Währungskorb aus sechs Währungen misst, ist seit Kriegsbeginn um etwa 2,8 % gestiegen. Teureres Öl erfordert mehr Dollars, um gekauft zu werden – soweit, so unspektakulär. Spannender dürfte jedoch die Frage sein, was mit den Dollars passiert, wenn sich der Ölpreis wieder normalisiert.

Rohstoffe: Erneute Preisanstiege bei Öl

Die Ölpreise sind insgesamt erneut gestiegen. Rohöl der Sorte Brent notiert zum Wochenschluss bei 102,68 USD und damit gut 10 % höher als in der Vorwoche. Zu Beginn der Woche kam es nach Angriffen auf iranische Öltanker und Öllager zu einem Preisanstieg auf bis zu 120 USD. Zwar konnte sich der Ölpreis von dieser Spitze schnell wieder erholen, doch Drohungen aus dem Iran, die Straße von Hormus zu verminen, sorgten erneut für Anstiege. Die Gaspreise haben sich leicht beruhigt und liegen mit 50,70 Euro etwa 2,5 % niedriger. Gold und Silber können weiterhin nicht von der Unsicherheit profitieren.

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Wirtschaftsforschungsinstitute vermindern wegen Irankrieg BIP-Prognosewerte

In der vergangenen Woche haben viele Wirtschaftsforschungsinstitute ihre aktuellen Frühjahrs-Konjunkturprognosen veröffentlicht. Wegen des Irankriegs haben sie ihre Wachstumseinschätzung für Deutschland 2026 zumeist nach unten und ihre Inflationsprognosewerte nach oben korrigiert.

Entscheidend für die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs ist nach einhelliger Einschätzung wie lange er andauern wird und wie sich die Öl- und Gaspreise weiterentwickeln. Auf Basis von Terminmarktnotierungen gehen die Institute zumeist davon aus, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder zügig sinken werden. Unter dieser Annahme würde die sich abzeichnende Konjunkturbelebung in Deutschland zwar gedämpft, aber nicht gänzlich unterbunden werden.

Für das Eintreten eines solchen „Deeskalation“- Szenarios prognostizieren beispielsweise die Experten des ifo Instituts für 2026 einen Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,8 % und eine Inflationsrate von 2,2 %. Vor Kriegsausbruch hatten sie noch damit gerechnet, ihren Dezember-Prognosewert von 0,8 % auf 1,0 % anheben zu können.

Die ifo Konjunkturexperten haben zudem ein Alternativszenario für den Fall vorgelegt, dass die Energiepreise längere Zeit erhöht bleiben. Für den Fall des Eintretens eines solchen „Eskalation“-Szenarios prognostizieren sie für 2026 einen BIP-Zuwachs um 0,6 % und eine Inflationsrate von 2,5 %.

Mit ihrem „Deeskalation“-BIP-Prognosewert von 0,8 % befinden sich die ifo Ökonomen im Mittelfeld des aktuellen Prognosespektrums. Etwas optimistischer sind die Fachleute des DIW, die in ihrer aktuellen Frühjahrsprognose einen BIP-Zuwachs um 1,0 % erwarten. Auch der BVR hält ein preisbereinigtes Wirtschaftswachstum von 1,0 % noch für möglich, aber nur für den Fall, dass der Krieg und die Preishöhenflüge in einigen Wochen enden sollten.

Rückläufiger Außenhandel

Nach dem kräftigen Anstieg vom Dezember musste der Außenhandel der deutschen Wirtschaft zu Jahresbeginn einen Rückschlag hinnehmen. Im Januar wurden kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 130,5 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 109,2 Mrd. Euro eingeführt. Die Warenexporte sind gegenüber dem Vormonat um 2,3 % gesunken. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Geschäft mit China (-13,2 %) aus, was angesichts der allgemein gesunkenen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber chinesischen Produkten nicht verwundert. Bei den Ausfuhren in die USA (+11,7 %) kam es hingegen entgegen der allgemeinen Entwicklung zu einem Anstieg.

Die Warenausfuhren sind im Januar gegenüber Dezember um 5,9 % gesunken und damit stärker als die Warenausfuhren. Auch im Vergleich zum gesamten 4. Quartal lagen die Importe stärker im Minus als die Exporte (-4,9 % gegenüber -0,5 %). Sollte sich dieses Muster in den kommenden Monaten fortsetzen, könnte vom Außenhandel im 1. Quartal ein leicht positiver Beitrag für das Wirtschaftswachstum in Deutschland ausgehen.

10,3 % mehr Unternehmensinsolvenzen

Im Jahr 2025 sind die Insolvenzzahlen im Zuge der andauernden Wirtschaftsflaute erneut gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, legten die Unternehmensinsolvenzen im Vorjahresvergleich um 10,3 % auf 24.064 zu. Bei den Verbraucherinsolvenzen war ein Anstieg um 8,4 % auf 77.219 Fälle zu verzeichnen.

Die künftige Insolvenzentwicklung hängt vom weiteren Verlauf des Irankriegs ab. Der BVR rechnet im Basisszenario seiner aktuellen Insolvenzprognose für 2026 mit einem leichten Rückgang der Fallzahlen um rund 4 % (Unternehmen) beziehungsweise 1 % (Verbraucher). Das Basisszenario beruht auf der Annahme, dass der Irankrieg in wenigen Wochen abflauen wird. Sollte der Krieg jedoch länger andauern, würde die erwartete Konjunkturbelebung und damit einhergehende Entspannung des Insolvenzgeschehens schwächer ausfallen. Im Falle weiterer geopolitischer Eskalationen könnten die Insolvenzzahlen 2026 sogar nochmals ansteigen. Die Trendwende bei den Insolvenzen würde sich dann weiter verzögern.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR