Wocheninfo vom 20.04.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- Wechsel bei der Fed stockt
- Aktien: Deutliche Gewinne
- Anleihen: Entspannung bei Renditen
- Devisen: Euro wertet auf
- Rohstoffe: Ölpreis fällt deutlich
- Etwas mehr Unternehmensinsolvenzen
- Baugenehmigungen weiter gestiegen
- Etwas höhere Euroraum-Industrieproduktion
- Stärkerer Anstieg der Euroraum-Inflationsrate
Wechsel bei der Fed stockt
Der vom US-Präsidenten für den Vorsitz der Federal Reserve nominierte Kevin Warsh steht vor seiner Befragung durch den Bankenausschuss sowie der anschließenden Bestätigung durch den Senat. Mit dem Ende der Amtszeit des amtierenden Fed-Vorsitzenden Jerome Powell Mitte Mai könnte Warsh ab diesem Zeitpunkt den Vorsitz übernehmen.
„Könnte“ muss man hier betonen, denn aktuell sieht es nach einer Blockade durch den USSenat aus. Das liegt dabei weniger an Warsh selbst, dessen fachliche Eignung niemand bestreitet, sondern vielmehr am Umgang des USPräsidenten mit dem aktuellen Fed-Chef Powell. Nachdem dieser den Wünschen des USPräsidenten nach Zinssenkungen trotz erhöhter Inflation nicht nachkam, wurden gegen ihn und weitere Fed-Gouverneure Strafverfahren eröffnet. Zwar hat im Fall von Powell bereits ein Bundesgericht entschieden, dass die Anklage jeder rechtlichen Grundlage entbehrt, das hält den US-Präsidenten aber nicht von weiteren Angriffen ab. Erst in der vergangenen Woche äußerte Trump, dass er mit der Verfolgung von Powell fortfahren werde. Dieser Angriff auf die Unabhängigkeit der Zentralbank wird von vielen Seiten kritisiert. Für die frühere Fed-Vorsitzende Janet Yellen klingen die Aussagen des Präsidenten wie aus einer Bananenrepublik. Ausgerechnet der republikanische Senator Thom Tillis will die Bestätigung von Warsh blockieren, bis das juristische Verfahren durch das Weiße Haus eingestellt wird. Das ist möglich, da die Mehrheit der Republikaner von Tillis abhängig ist.
Unabhängig vom endgültigen Ausgang könnte Powell der Fed erhalten bleiben. Zwar endet seine Zeit als Vorsitzender, aber sein Mandat als Governor läuft noch bis 2028. Üblicherweise verlassen ehemalige Vorsitzende die Fed vollständig; Powell möchte dies jedoch von den Ermittlungen durch Trump abhängig machen. Dieser wiederum droht weiterhin damit, für den Fall, dass Powell nicht im Mai geht, seine bekannte Catchphrase zu rezitieren: „You’re fired!“
Aktien: Deutliche Gewinne
Beim DAX deutet sich vorbörslich ein schwacher Start in die neue Woche an, nachdem die Öffnung der Straße von Hormus bereits nach einem Tag durch den Iran wieder rückgängig gemacht wurde. Grund dafür ist die anhaltende Blockade iranischer Häfen durch die USA. Die Verhandlungen sollen in der neuen Woche fortgesetzt werden; der vereinbarte Waffenstillstand ist derzeit noch bis Mittwoch in Kraft. In der vergangenen Woche starteten die Aktienmärkte angesichts der Ankündigung einer Blockade der Meerenge durch die USA zunächst schwächer, dann trieben Hoffnungen auf Verhandlungen und die Ankündigung der Öffnung der Meerenge die Kurse. Der DAX konnte um gut 3,7 % zulegen und erreichte 24.702 Punkte. Bei den europäischen Indizes bleibt ein Plus von etwa 2 %. Deutlich stärker zulegen konnten die amerikanischen Aktienmärkte; diese schaffen auf Wochensicht ein Plus von 3 bis 6,8 %. S&P 500 und Nasdaq erreichen neue Allzeithochs.
Anleihen: Entspannung bei Renditen
An den Anleihemärkten gingen die Renditen deutlich zurück. Die zehnjährigen Bunds schließen bei 2,97 %, ihre amerikanischen Pendants bei 4,24 %.
Devisen: Euro wertet auf
Der Euro konnte erneut leicht aufwerten. Zum Wochenschluss kostet ein US-Dollar gegenüber der Gemeinschaftswährung 1,1814.
Rohstoffe: Ölpreis fällt deutlich
Die Ölpreise steigen zu Beginn der Woche wieder, nachdem sie in der vergangenen Woche deutlich gesunken waren. Die Ankündigung einer Blockade der Straße von Hormus durch die USA trieb den Ölpreis zunächst nach oben. Anschließend sorgten Hoffnungen auf Verhandlungen und schließlich die Mitteilung über eine vollständige Öffnung der Meerenge für den Schiffsverkehr für eine deutliche Entspannung beim Ölpreis. Brent schloss die Woche bei 90 USD. Der Front-Month-Future fiel zwischenzeitlich auf 86 USD. Zum Wochenstart notieren sie bei 95 USD. Erdgas notiert zum Wochenschluss bei 39 Euro, etwa 11% schwächer. Edelmetalle konnten erneut zulegen: Gold notiert bei 4.866 USD, Silber steigt um 5 % auf 79 USD.
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Etwas mehr Unternehmensinsolvenzen
Zu Jahresbeginn entwickelten sich die amtlichen Insolvenzzahlen in Deutschland uneinheitlich. Während die Unternehmensinsolvenzen im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat nochmals stiegen, kam es bei den Verbraucherinsolvenzen bereits zu einem leichten Rückgang.
Vor dem Hintergrund der weiterhin fragilen Konjunkturlage und der vielfach hohen Kosten stieg die Zahl der Firmenpleiten im Vorjahres-monatsvergleich um 4,9 % auf 1.919. Bezogen auf 10.000 Unternehmen waren die meisten Insolvenzen im Gastgewerbe (9,1 Fälle), im Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei (8,6 Fälle) sowie im Baugewerbe (7,8 Fälle) zu verzeichnen. Die Verbraucherinsolvenzen sanken im Januar um 1,3 % auf 6.142 Fälle.
Im Zuge des Irankriegs kam es zwischenzeitlich zu neuen Belastungen für Verbraucher und Unternehmen (Stichworte: Energiekostenan-stiege, Lieferkettenprobleme, Unsicherheiten). Unter der Annahme, dass diese Belastungen bald abflauen und einer moderaten Konjunk-turbelebung Raum geben werden, zeichnet sich für das gesamte Jahr 2026 ein Rückgang der Unternehmens- und Verbraucherinsol-venzen gegenüber dem Vorjahr ab. Laut der jüngsten Insolvenzprognose des BVR ist bei dem aktuell prognostizierten preisbereinigten Wirtschaftswachstum von 0,8 % mit einer Verminderung der Firmenpleiten um 2,2 % und der Verbraucherpleiten um 0,8 % zu rechnen.
Baugenehmigungen weiter gestiegen
Die nach dem Tiefstand zur Jahresmitte 2024 eingetretene Aufwärtsbewegung bei den Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland hat sich zuletzt fortgesetzt. Die Baugenehmigungen legten im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 24,1 % auf 22.200 Wohnungen zu. Im Durschnitt der Monaten Januar und Februar war ein Plus von 17,6 % zu verzeichnen, wobei die Genehmigungen für Zwei- und Mehrfamilienhäuser (+25,8 % und +18,0 %) stärker zunahmen als die Genehmigungen für Einfamilienhäuser (+14,2 %).
Mit den jüngsten Genehmigungsdaten verdichten sich Anzeichen, die für eine nachhaltige Belebung der Baukonjunktur sprechen. Die gesamte Bauproduktion war im Januar und Februar gesunken, wofür aber weniger konjunkturelle Gründe, sondern vor allem das vergleichsweise strenge Winterwetter verantwortlich war.
Etwas höhere Euroraum-Industrieproduktion
Im Februar hat sich die Industrieproduktion im Euroraum etwas von den Rückgängen der Vormonate erholen können. Wie Eurostat anhand vorläufiger Angaben mitteilte, legte die Produktion gegenüber Januar preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,4 % zu. Besonders deutlich stieg die Erzeugung bei den Herstellern von Verbrauchs- (+2,6 %) und Investitionsgütern (+1,0 %).
Inwieweit sich der Produktionszuwachs in den kommenden Monaten fortsetzen wird, ist offen. Zwar haben sich die industriellen Aufträge, gemessen am Orderindikator der EU-Kommission, zuletzt weiter von ihrem Anfang 2025 mit -28,3 Punkten erreichten lokalen Tiefstand entfernt. Der Order-Indikator ist jüngst von -21,1 Punkten im Februar auf -19,3 Punkte im März gestiegen. Durch den Irankrieg sind aber neue Belastungsfaktoren für die europäische Industriekonjunktur entstanden.
Stärkerer Anstieg der Euroraum-Inflationsrate
Eurostat hat inzwischen detaillierte Angaben zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Euroraum vorgelegt. Das zentrale Ergebnis der Ende März veröffentlichten ersten Angaben zum Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) wurde dabei leicht nach oben revidiert. So ist die Inflationsrate des Währungsraums nicht von 1,9 % im Februar auf 2,5 %, sondern auf 2,6 % im März gestiegen.
Haupttreiber des Anstiegs waren die Energiepreise, die sich im Zuge des Irankriegs nicht weiter verbilligten, sondern merklich verteuerten (+5,1 % nach -3,1 % im Februar). Die Dienstleistungspreise wirkten demgegenüber etwas weniger stark steigernd auf die Gesamtentwicklung (+3,2 % nach +3,4 %). Die Kerninflationsrate, ohne Berücksichtigung der Energiepreise und der ebenfalls vielfach stark schwankenden Nahrungsmittelpreise sank daher geringfügig, von 2,4 % im Februar auf 2,3 % im März.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR