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Wocheninfo vom 23.02.2026

Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

 

Das Wichtigste in Kürze

  • EZB-Präsidentin mit vorzeitigem Abgang?
  • EZB will globale Rolle des Euro stärken
  • Aktien: Erleichterung zum Wochenschluss
  • Anleihen: Wenig Bewegung
  • Devisen: US-Dollar wieder gefragt
  • Rohstoffe: Sorgen treiben Rohstoffpreise
  • ZEW-Konjunkturerwartungen bleiben auf hohem Niveau
  • Anstieg der Inflationsrate bestätigt
  • Neuerlich zunehmender Auftragsbestand
  • Euroraum-Industrieproduktion gesunken

EZB-Präsidentin mit vorzeitigem Abgang?

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von etwa einem halben Jahr mehren sich Berichte über einen möglichen vorzeitigen Abgang der EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Ein möglicher Rückzug könnte dabei politischen Motiven folgen. Im April nächsten Jahres stehen die Präsidentschaftswahlen in Frankreich an, zu denen Emmanuel Macron nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Lagarde hat ihr achtjähriges Mandat seit November 2019 inne; regulär würde sie der EZB also bis Oktober 2027 vorstehen. Ein vorzeitiger Abgang würde es dem französischen Präsidenten ermöglichen, die Entscheidung über einen Nachfolger mit zu beeinflussen. Zuvor hat bereits der französische Notenbankpräsident de Galhau seinen vorzeitigen Rücktritt für Juni 2026 angekündigt – etwa 18 Monate vor regulärem Auslaufen seiner Amtszeit. In Frankreich ist die Sorge vor einem Wahlsieg der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National groß, die dann die Besetzung verschiedener Posten mitbestimmen könnte.

EZB will globale Rolle des Euro stärken

Vertreter der EZB betonen zuletzt regelmäßig die Stärkung der internationalen Rolle des Euro. Ein jüngster Schritt der EZB ist die Ankündigung, die Euro-Repo-Linien für Zentralbanken (EUREP) auszuweiten. Zukünftig steht diese Fazilität fast allen Notenbanken der Welt zur Verfügung, die sich so Euro-Liquidität zu günstigen Zinsen gegen Euro-Staatsanleihen leihen können. Bei Euro-Engpässen, zum Beispiel durch geopolitische Schocks oder Bankenkrisen, besteht somit schneller Zugang zu Euro-Liquidität, ohne dafür Euro-Staatsanleihen verkaufen zu müssen. Ein ähnliches Instrument gibt es auch bei der Fed. Die EZB begründet die Einführung mit Finanzstabilitätsrisiken durch eine globale Fragmentierung. Der Schritt soll dazu beitragen, den Euroraum als Stabilitätsanker zu präsentieren und eine Sicherheit zu schaffen, Euros zu halten und Geschäfte in Euro abzuwickeln. Steigt die Verunsicherung gegenüber dem US-Dollar, könnte dieses Instrument so ein Baustein für eine größere globale Rolle des Euro sein.

Aktien: Erleichterung zum Wochenschluss

Die vergangene Handelswoche startete aufgrund von Feiertagen in Asien und in den USA ruhig. Die Sorgen über disruptive Auswirkungen von KI belasteten weiterhin, besonders im US-Technologiesektor. Positive Konjunkturmeldungen führten zur Wochenmitte zu einer leichten Erholung, vor allem in Europa, wo der Euro Stoxx 50 ein neues Rekordhoch erreichte. In den USA hingegen hat die Wirtschaft durch den Regierungsstillstand zuletzt an Fahrt verloren; die Inflation ist jedoch wieder gestiegen. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran sorgten zum Wochenschluss zunächst für Zurückhaltung, das Urteil des Obersten US-Gerichtshofs gegen die globalen Zölle dann aber für Kauflaune. So bleibt beim DAX ein Plus von 1,4 %. Die europäischen Indizes steigen deutlicher um 2,4 %. Gut 1 % höher schließen die US-Märkte. Die am Wochenende neu angekündigten globalen US-Zölle sorgen am Montagmorgen für rote Zahlen.

Anleihen: Wenig Bewegung

Auch am Anleihemarkt bleibt die Handelsspanne gering. In den USA verzeichnen die Renditen einen leichten Anstieg, der nach den schwächeren Wirtschaftsdaten wieder abschmolz. Es bleibt ein kleines Plus auf 4,08 %, Bundtitel rentieren etwas leichter mit 2,74 %.

Devisen: US-Dollar wieder gefragt

Der US-Dollar wertete leicht auf. Dazu dürften die Verunsicherung über einen möglichen vorzeitigen Abgang von EZB-Präsidentin Lagarde und auch die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem USA-Iran-Konflikt beigetragen haben. Gegenüber dem Euro gewinnt der USD und schließt bei 1,1787.

Rohstoffe: Sorgen treiben Rohstoffpreise

Die Hoffnung über eine Einigung im USA-Iran –Konflikt schwand im Wochenverlauf. Zunehmend drehte sich das Sentiment, da die USA eine massive Luftstreitmacht in den Nahen Osten verlegten. Medienberichten zufolge konzentriert sich in der Region die schlagkräftigste Truppe seit der Invasion des Irak 2003. Bedenken über Blockaden der Straße von Hormus führen zu Risikoaufschlägen. Der Ölpreis notiert bei 71,81 USD, Erdgaspreise in Europa sind ebenfalls betroffen und zogen zeitweise deutlich an. Edelmetalle waren wieder als sicherer Hafen gefragt.

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ZEW-Konjunkturerwartungen bleiben auf hohem Niveau

Finanzmarktexperten blicken den wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland weiterhin mit viel Optimismus entgegen. Die auf einer Umfrage unter diesen Experten beruhenden ZEW-Konjunkturerwartungen liegen im Februar bei 58,3 Punkten. Sie bleiben damit im Vormonatsvergleich nahezu unverändert und übertreffen ihren langjährigen Mittelwert von rund 23 Punkten weiterhin deutlich.

Die Gründe für den anhaltenden Zukunftsoptimismus sind vor allem in den langsam greifenden staatlichen Mehrausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz zu sehen. Hinzu kommen die gesunkenen Zinsen und die steuerlichen Entlastungen, die das Klima für privatwirtschaftliche Investitionen etwas verbessern. Stimmungsaufhellend dürften auch die jüngsten Daten zu den hiesigen Warenausfuhren gewirkt haben, die auf eine allmähliche Festigung des Außenhandelsgeschäfts deuten.

Erfreulich ist zudem, dass die aktuelle Lage erneut besser bewertet wurde. Der ZEWLageindikator steigt im Februar um 6,8 Punkte. Er befindet sich mit nunmehr -65,9 Punkten jedoch noch immer tief im negativen Bereich. Insgesamt stehen die jüngsten Umfrageergebnisse im Einklang mit der allgemeinen Einschätzung einer allmählich Tritt fassenden Konjunktur.

Anstieg der Inflationsrate bestätigt

Befördert durch eine wieder anziehende Teuerung bei Nahrungsmitteln hat der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland zu Jahresbeginn leicht an Fahrt aufgenommen. Gemäß den inzwischen bestätigten amtlichen Angaben erhöhte sich die auf dem Verbraucherpreisindex (VPI) basierende Inflationsrate von 1,8 % im Dezember auf 2,1 % im Januar.

Während die Preisanstiege bei Nahrungsmitteln von September bis Dezember noch unterhalb der Inflationsrate gelegen hatten, stiegen sie im Januar mit 2,1 % im Gleichschritt zur Gesamtentwicklung. Vor allem für Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren (+10,9 %), Obst (+6,1 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+4,9 %) mussten die Verbraucher und Verbraucherinnen spürbar mehr bezahlen als im entsprechenden Vorjahresmonat. Auch bei den Dienstleistungen (+3,2) war die Teuerung überdurchschnittlich. Die Energiepreise (-1,7 %) wirkten aber weiterhin dämpfend auf die Gesamtteuerung.

Neuerlich zunehmender Auftragsbestand

Zum Jahresende konnten die Unternehmen des hiesigen Verarbeitenden Gewerbes ihren Auftragsbestand abermals erhöhen. Wie das Statistischen Bundesamt mitteilte, legte der Bestand an offenen Aufträgen im Dezember gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,2 % zu.

Die Bestandsdaten folgen damit der Entwicklung der Neuaufträge. Diese expandierten im Dezember um kräftige 7,8 %, nachdem sie bereits zuvor sichtlich zugenommen hatten. Haupttreiber des jüngsten Auftragsanstiegs war die Nachfrage aus dem Inland (+10,7%), die bereits seit einigen Monaten durch verteidigungswirtschaftliche Beschaffungen und Aufträge im Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität Impulse erhält. Allerdings kam es auch bei den Auslandsbestellungen (+5,6 %) zu einem spürbaren Anstieg, trotz der handels- und geopolitischen Unwägbarkeiten.

Mit den jüngsten Auftragsbestands-Daten verdichten sich die Hinweise weiter, die auf eine Trendwende in der deutschen Industriekonjunktur deuten.

Euroraum-Industrieproduktion gesunken

Im Dezember mussten die Industriebetriebe des Euroraums bei der Produktion einen Rückschlag hinnehmen. Gemäß ersten Angaben von Eurostat sank die Industrieproduktion gegenüber November preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,4 %, nachdem sie zuvor drei Monaten in Folge gestiegen war.

Der Orderindikator der EU-Kommission lässt für die nahe Zukunft aber wieder eine Rückkehr auf den Wachstumskurs erwarten. Der Indikator ist jüngst von -23,3 Punkten im Dezember auf -21,2 Punkte im Januar gestiegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR