Wocheninfo vom 23.03.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- Geldpolitisches Septett ohne Überraschung
- Aktien: Irankrieg eskaliert weiter
- Anleihen: 15-Jahres-Hoch bei Bundesrenditen
- Devisen: Wenig Bewegung
- Rohstoffe: Erneute Preisanstiege
- Irankrieg lässt ZEW-Konjunkturerwartungen einbrechen
- Industrie-Auftragsbestand gesunken
- Mehr Baugenehmigungen für Wohnungen
- Weiterhin rückläufige Erzeugerpreise
Geldpolitisches Septett ohne Überraschung
Gleich sieben große Zentralbanken standen in der vergangenen Woche vor der Aufgabe, im Umfeld des Irankriegs und der gestiegenen Energiepreise eine Zinsentscheidung zu treffen. Die Entscheidung fiel rund um den Globus wenig überraschend und ziemlich einheitlich aus: Die EZB (Euroraum), die BoE (Vereinigtes Königreich), die BoC (Kanada), die Fed (USA), die BoJ (Japan) und die SNB (Schweiz) entschieden jeweils, ihre Leitzinsen unverändert zu belassen. Einzig die RBA (Australien) erhöhte angesichts weiterhin hoher Inflationsraten, aber mit explizitem Verweis auf die gestiegenen Tankkosten, ihre Zinsen.
Übereinstimmend haben die Zentralbanker auf die weltweit gestiegene Unsicherheit durch den Irankrieg hingewiesen. Dieser sorgt für deutlich erhöhte Inflationsrisiken und trübt zugleich den wirtschaftlichen Ausblick spürbar ein. Die Zinserwartungen sind in vielen Regionen deutlich gestiegen. Die SNB signalisierte zudem mögliche Devisenmarktinterventionen.
Zusammen mit der Zinsentscheidung wurden im Euroraum die neuesten EZB-Projektionen veröffentlicht. Im Basisszenario geht die EZB davon aus, dass die Inflation im Euroraum im Jahr 2026 bei 2,6 % liegen wird. Dies entspricht einem Anstieg um 0,7 Prozentpunkte (PP) im Vergleich zum Dezember, der ausschließlich auf den Irankrieg zurückzuführen ist. 2027 dürfte die Inflation dann bei 2,0 % liegen, 2028 bei 2,1 %. Die Revisionen im Vergleich zu Dezember liegen hier bei 0,2 bzw. 0,1 PP. Das Wirtschaftswachstum wurde um 0,3 PP nach unten korrigiert und beträgt 0,9 % im Jahr 2026. Für die folgenden Jahre bleibt der Ausblick nahezu unverändert.
Szenariorechnungen für länger erhöhte Energiepreise bis zum Jahresende deuten auf einen zusätzlichen Anstieg der Inflation um 0,9 bis 1,8 PP für 2026 und bis zu 2,8 PP für 2027 hin. Das Wachstum könnte 2026 etwa 0,3 bis 0,5 PP niedriger ausfallen, im kommenden Jahr um bis zu 0,4 PP. Die Szenarien beinhalten keine geldpolitischen oder fiskalischen Maßnahmen und dürften die Effekte eher überzeichnen.
Aktien: Irankrieg eskaliert weiter
Das US-Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus sowie die Drohungen sonst iranische Energieinfrastruktur anzugreifen, belasten die Märkte. Zum Wochenstart wird der DAX knapp 2 % leichter erwartet. In der vergangenen Woche standen die israelischen Angriffe auf das wichtigste persische Gasfeld South Pars sowie die Angriffe Irans auf die weltgrößte LNG-Anlage Ras Laffan in Katar im Fokus. Diese führten zu zwischenzeitlichen Ölpreisanstiegen auf 120 USD und einem Anstieg des europäischen Gaspreises um 20 %. Die Schließung der Straße von Hormus stellt kurzfristig die größte Einschränkung im Lieferverkehr dar, doch die Infrastrukturschäden dürften längerfristig das Ölangebot beeinflussen. Die Freigabe weiterer Ölreserven, Lockerungen von US-Öl-Sanktionen und die Ankündigung Israels, von Angriffen auf iranische Gasanlagen abzusehen, wirkten beruhigend auf die Märkte. Der DAX schließt die Woche dennoch mit gut 4,5 % deutlich tiefer bei 22.380 Punkten. In Europa verlieren die Indizes knapp 3,8 %. Lediglich der Energiesektor konnte zulegen. Etwas besser halten sich die US-Börsen, die rund 2 % leichter aus der Woche gehen.
Anleihen: 15-Jahres-Hoch bei Bundesrenditen
Erneut steigen die Anleiherenditen nahezu weltweit. Die zehnjährigen Bundesanleihen überschreiten am Freitag die 3-Prozent-Marke und schließen bei 3,04 %. Damit übertreffen die Renditen knapp ihre kurzfristige Spitze aus dem Oktober 2023 und erreichen den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2011. Auch die Renditen von US-Anleihen legen erneut zu und schließen bei 4,39 %.
Devisen: Wenig Bewegung
Die Devisenmärkte blieben relativ ruhig. Der Euro schließt bei 1,1545 USD leicht stärker.
Rohstoffe: Erneute Preisanstiege
Brent-Öl legt auf Wochensicht um knapp 10 % zu und schließt bei 112,42 USD. Am Ölpreis hängen die Auswirkungen des Krieges auf die Weltwirtschaft. Der Erdgaspreis steigt um 16,4 % auf 59 Euro. Bei den Edelmetallen geht es abwärts: Gold verliert 8,8 % und notiert bei 4.588 USD, Silber gibt 13 % ab. Die unverzinsten Edelmetalle werden durch einen stärkeren Dollar und steigende Marktzinsen relativ gesehen unattraktiver.
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Irankrieg lässt ZEW-Konjunkturerwartungen
einbrechen
Vor dem Hintergrund des Irankriegs haben sich die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland deutlich verschlechtert. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten beruhende Indikator ist von 58,3 Punkten im Februar auf -0,5 Punkte im März eingebrochen. Offensichtlich hat der kriegsbedingte Anstieg der Energiepreise bei den Umfrageteilnehmern zu neuen Unsicherheiten hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und der Inflation geführt.
Trotz des Einbruchs des Stimmungsindikators sollte das allgemein erwartete Szenario einer moderaten Konjunkturbelebung aber nicht gänzlich aufgegeben werden. Die Fiskalimpulse werden der deutschen Konjunktur zunehmend Impulse verleihen. Sollten die Kriegshandlungen in den nächsten Wochen nachlassen und sich die Öl- und Gaspreise normalisieren, wäre hierzulande auf Jahressicht 2026 noch immer ein preisbereinigtes Wirtschaftswachstum von bis zu 1 % denkbar. Die jüngsten Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass die Risiken für den Wachstumsausblick klar abwärtsgerichtet sind. Demgegenüber sind die Risiken für den Inflationsausblick deutlich aufwärtsgerichtet, was auch in den Ergebnissen zum Ausdruck kommt: Rund 80 % der befragten Finanzmarktexperten rechnen mit einem zunehmenden Inflationsdruck in Deutschland.
Industrie-Auftragsbestand gesunken
Zu Jahresbeginn ist der Auftragsbestand des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland zunächst nicht weiter gestiegen. Nach amtlichen Angaben lag der preis-, kalender- und saisonbereinigte Bestand im Januar um 0,4 % unter dem im Dezember erreichten Wert. Der Auftragsbestand folgt damit dem Verlauf der Neuaufträge. Diese waren im Januar um 11,1 % gesunken, wobei der Rückgang der Inlandsnachfrage stärker ausgeprägt war als der Rückgang der Auslandsorders.
Innerhalb der Industrie waren für den Bestandsrückgang vor allem die Entwicklungen in der Automobilindustrie (-4,5 %) und bei der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (-3,2 %) verantwortlich. Im sonstigen Fahrzeugbau, der Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge umfasst, kam es entgegen der allgemeinen Entwicklung aber zu einer Bestandserhöhung um 2,7 %.
Die im Februar aufgehellten Unternehmenseinschätzungen zur Geschäftslage lassen für die nahe Zukunft insgesamt wieder steigende Auftragsbestände erwarten. Aufgrund des Irankriegs ist das Risiko eines Rückschlags bei der sich festigenden Industriekonjunktur jedoch gestiegen.
Mehr Baugenehmigungen für Wohnungen
Im Januar haben die Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland weiter zugelegt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurde der Bau von 19.500 Wohnungen genehmigt. Dies waren 8,4 % mehr als im entsprechenden Vorjahresmonat. Die Genehmigungszahlen tendieren bereits seit ihrem im Sommer 2024 markierten Tiefpunkt nach oben.
Der erneute Anstieg der Baugenehmigungen verstärkt die Hinweise auf eine allmähliche Belebung der Baukonjunktur. So stieg die Bauproduktion im Januar preis-, kalender- und saisonbereinigt um 2,9 %, wobei eine lebhafte Entwicklung im Ausbaugewerbe (+8,4 %) einem witterungsbedingten Einbruch im Bauhauptgewerbe (-8,5 %) gegenüberstand.
Weiterhin rückläufige Erzeugerpreise
Vor dem Ausbruch des Irankriegs hat sich die Abwärtsbewegung der Erzeugerpreise in Deutschland beschleunigt fortgesetzt. Der amtliche Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte ist im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,3 % gesunken. Im Januar waren die Erzeugerpreise noch um 3,0 % zurückgegangen. Hauptgrund für den Rückgang im Februar waren die Energiepreise, die sich um deutliche 12,2 % verbilligten.
Angesichts der kräftig gestiegenen Rohöl- und Gaspreise zeichnet sich für März ein spürbares Anziehen der Erzeugerpreise ab. Auch auf der Verbraucherstufe dürften sich die Preise stärker verteuern. Der Verbraucherpreisindex (VPI) war im Februar noch um 1,9 % gestiegen.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR