Wocheninfo vom 26.01.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- Unausgegorene Pläne
- Neuer EZB-Vizepräsident
- Aktien: Turbulente Handelswoche
- Anleihen: leichte Renditeanstiege
- Devisen: US-Dollar verliert
- Rohstoffe: Edelmetalle profitieren
- Aufhellung der Konjunkturerwartungen
- Auftragsbestand steigt weiter
- Abermaliger Rückgang der Erzeugerpreise
- Euroraum-Inflationsrate auf 1,9 % gesunken
Unausgegorene Pläne
Die Pläne der US-Regierung bezüglich Grönlands beschäftigen die Märkte. Eine heiß diskutierte Idee lautet, dass Europa gegenüber den USA einen Hebel besäße, da ein großer Teil der US-Staatsanleihen in europäischen Händen liegt. Ein Verkauf könne die US-Regierung in Schwierigkeiten bringen, da er die Finanzierung der Staatsdefizite erschwert und die Zinskosten steigen lässt. Ähnliche Diskussionen gab es bereits immer wieder mit China, das ebenfalls einen großen Bestand an US-Staatsanleihen hält. In beiden Fällen ist dieses Argument jedoch fehlgeleitet.
Abgesehen davon, dass ein großer Anteil der Anleihen im Besitz des Privatsektors ist und ein gezielter Verkauf aus politischen Gründen schwer durchsetzbar wäre, würde ein solcher Verkauf seine beabsichtigte Wirkung verfehlen. Ein massiver und plötzlicher Verkauf würde Verluste für die Verkäufer verursachen, zu einer Aufwertung der heimischen Währung führen und aufgrund der zentralen Bedeutung für das globale Finanzsystem wahrscheinlich eine weltweite Finanzkrise auslösen. Die USA allerdings sind nicht wehrlos. Die Fed würde umfassend intervenieren und die Wertpapiere aufkaufen. Eine graduelle Umschichtung hätte wohl keine größere Wirkung, zu groß ist nach wie vor die Nachfrage nach US-Titeln und die Rolle des US-Dollars im Finanzsystem. Anstatt unausgegorene Ideen zu diskutieren, sollte Europa lieber einen kühlen Kopf bewahren und ein verlässlicher Stabilitätsanker sein.
Neuer EZB-Vizepräsident
Dass diese Meldung fast unterging spricht für die Stabilität vieler Prozesse in Europa: Die EZB bekommt mit dem kroatischen Zentralbankpräsidenten Boris Vujcic ab Mai einen neuen Vizepräsidenten. Dieser gilt auf dem Ornithologie-Spektrum der Geldpolitik eher als Eule mit falkenhaften Zügen, also als neutrale Stimme. Zudem ist er das erste EZB-Ratsmitglied aus einem der sieben mittel- und osteuropäischen Ländern, die seit längerem auf eine stärkere Repräsentanz drängen.
Aktien: Turbulente Handelswoche
Das beherrschende Thema der vergangenen Woche waren die erneuten Zolldrohungen aus den USA und die Eskalationen im Grönland- Streit. Entsprechend schwach starteten die Märkte in die Woche. Die USA stiegen feiertagsbedingt erst am Dienstag in die Handelswoche ein, gaben jedoch ähnlich nach. Der Wendepunkt erfolgte am Mittwoch nach der Rede von US-Präsident Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, in der er die angedrohten Zölle zurücknahm und militärische Interventionen in Grönland ausschloss. Die Aktienmärkte beenden die Handelswoche insgesamt dennoch im Minus. Der DAX schließt etwa 1,5 % leichter bei 24.900 Punkten, die europäischen Märkte liegen gut 1,3 % im Minus. In den USA sind die Verluste geringer, der S&P 500 schließt etwa 0,3 % leichter, der Nasdaq Composite nahezu unverändert.
Anleihen: leichte Renditeanstiege
Die geopolitischen Unsicherheiten sorgten auch auf den Rentenmärkten für Abgaben. Die US-Renditen stiegen zu Wochenbeginn deutlich an, bevor zur Wochenmitte eine Erholung einsetzte. Auch die Rentenmärkte schließen die Woche schwächer ab. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen liegen etwa 6 Basispunkte höher bei 2,90 %, ihre amerikanischen Pendants schließen mit 4,23 % nur leicht höher.
Devisen: US-Dollar verliert
Der Euro schließt fester ab. Gegenüber dem US-Dollar legte die Gemeinschaftswährung um etwa 1,4 % zu und beendet die Handelswoche bei 1,1758 USD. Angesichts der Unsicherheiten in der US-Politik zogen sich Anleger aus US-Dollar-Anlagen zurück, wodurch der US-Dollar-Index deutlich nachgab.
Rohstoffe: Edelmetalle profitieren
Der Ölpreis bewegte sich nur wenig und schließen leicht höher bei 65,89 US-Dollar. Der schwächere US-Dollar dürfte weitere Rückgänge abgeschwächt haben. Große Profiteure der geopolitischen Unsicherheit waren erneut die Edelmetalle. Der Goldpreis nähert sich der 5.000-US-Dollar-Marke je Feinunze und schließt bei 4.971 US-Dollar, gut 8 % höher. Ähnlich zulegen konnte auch der Silberpreis. Platin und Palladium stiegen sogar noch stärker an.
Newsletter - Immer topaktuell informiert sein.
Sie möchten nichts verpassen? Dann abonnieren Sie doch einfach unsereren Newsletter.
Aufhellung der Konjunkturerwartungen
Zu Jahresbeginn wurden die wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands von Finanzmarktfachleuten optimistischer bewertet. Die auf einer Umfrage unter diesen Fachleuten basierenden ZEW-Konjunkturerwartungen legten im Januar gegenüber dem Vormonat um deutliche 13,8 Punkte auf 59,6 Punkte zu. Der Indikator war bereits im Dezember merklich gestiegen, nachdem er zuvor im Wesentlichen seitwärts tendiert hatte.
Ein Grund für den jüngsten Anstieg des Stimmungsindikators ist in den amtlichen Daten zur hiesigen Industrieproduktion im November zu sehen, die überraschend positiv ausfielen. Auch der Abschluss des Mercosur- Abkommens dürfte zur Verbesserung der Konjunkturerwartungen beigetragen haben, da sich dadurch die Perspektiven für die deutschen Exportwirtschaft verbessert haben. Die nunmehr zurückgenommene Ankündigung des US-Präsidenten, die US-Importzölle für Deutschland und einige weitere europäischen Staaten wegen der Grönland-Unterstützung zu erhöhen, dürften in der Umfrage noch keine Berücksichtigung erfahren haben.
Neben den Konjunkturerwartungen wurde auch die aktuelle Wirtschaftslage besser bewertet als zuvor. Der entsprechende ZEWLageindikator stieg um 8,3 Punkte. Er befindet sich mit nunmehr -72,7 Punkten aber weiterhin tief im negativen Bereich. Insgesamt stimmen die Umfrageergebnisse optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft konjunkturell allmählich Tritt fasst.
Auftragsbestand steigt weiter
Im November konnten die Industriebetriebe in Deutschland ihren Auftragsbestand abermals ausweiten. Nach amtlichen Angaben legte der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 1,8 % zu.
Ausschlaggebend für den neuerlichen Anstieg war die Entwicklung der offenen Aufträge aus dem Inland. Die Inlandsbestände stiegen, befördert durch ein hohes Volumen an neuen Großaufträgen aus dem Sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge), um 3,6 %. Demgegenüber legte der Bestand an offenen Aufträgen aus dem Ausland mit 0,9 % weniger deutlich zu.
Mit dem erneuten Anstieg der Auftragsbestände verdichten sich die Anzeichen, die für eine Trendwende in der Industriekonjunktur sprechen.
Abermaliger Rückgang der Erzeugerpreise
Die Preise auf der Erzeugerstufe sind in Deutschland weiterhin rückläufig. Der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte unterschritt im Dezember seinen Vorjahresmonatswert um 2,5 %. Im Jahresdurchschnitt 2025 lagen die Erzeugerpreise um 1,2 % niedriger als im Vorjahr.
Hauptursächlich für den weiteren Preisrückgang im Dezember waren die deutlich sinkenden Energiepreise (-9,7 %). Bei Verbrauchs- (+0,6 %), Gebrauchs- (+1,8) und Investitionsgüter (+2,0 %) kam es hingegen zu mehr oder weniger ausgeprägten Preissteigerungen.
Alles in allem geht von den Erzeugerpreisen noch immer eine entlastende Wirkung für die Preise auf der Verbraucherstufe aus. Die Verbraucherpreise, gemessen am nationalen Verbraucherpreisindex (VPI), waren im Dezember um 1,8 % gestiegen und dürften auch zu Jahresbeginn leicht unter der Marke von 2 % liegen.
Euroraum-Inflationsrate auf 1,9 % gesunken
Eurostat hat inzwischen detaillierte Angaben zur jüngsten Entwicklung des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für den Euroraum vorgelegt. Demnach ist die HVPI-Inflationsrate nicht wie Anfang Januar gemeldet von 2,1 % im November auf 2,0 % im Dezember gesunken, sondern auf 1,9 % zurückgegangen.
Im Jahresdurchschnitt 2025 lag die Inflationsrate gemäß den neuen Angaben bei 2,1 % und damit geringfügig über dem mittelfristig von der EZB angestrebten Zielwert von 2,0 %.
Für den leichten Rückgang der Teuerungsrate im Dezember waren in erster Linie die Energiepreise verantwortlich, die stärker sanken als zuvor (-1,9 % nach -0,5 % im November).
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR