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Wocheninfo vom 27.04.2026

Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Fed bald mit neuem Inflationsmaß?
  • Aktien: Zurückhaltung und Verluste
  • Anleihen: Erneute Renditeanstiege
  • Devisen: US-Dollar wieder stärker
  • Rohstoffe: Ölpreise wieder über 100 USD
  • Weitere Eintrübung wichtiger Stimmungsindikatoren
  • Höherer Auftragsbestand in der Industrie
  • Erzeugerpreise nochmals gesunken
  • Schwächeres Euroraum-Verbrauchervertrauen

Fed bald mit neuem Inflationsmaß?

In der vergangenen Woche fand die Senatsanhörung von Kevin Warsh zur Ernennung als neuen Fed-Präsidenten statt. Er äußerte dort Zweifel an der Ursache von US-Zöllen an höherer Inflation, entgegen dem wissenschaftlichen Konsens. Besonders spannend waren jedoch seine Ausführungen zur Kerninflation (Core PCE) als Messgröße für die Inflationsdynamik. Tatsächlich lässt sich zeigen, dass diese nicht besonders gut darin ist, den Trendverlauf der Inflation beziehungsweise die tatsächliche Inflationsrate mittelfristig vorherzusagen. Warsh plädierte deshalb dafür, sogenannte „Trimmed Averages“ beziehungsweise „Weighted Medians“ einzusetzen, also Inflationsraten, bei denen Extremwerte und Einmaleffekte herausgenommen werden bzw. die mittlere Preisveränderung von vielen einzelnen Items betrachtet wird. Warsh erklärte in der Anhörung, dass er sich als Präsident vorstellen könne, einen solchen Index für die Fed einzuführen, um damit die zugrunde liegende Inflationsdynamik zu bestimmen. Berechnet werden solche Indizes bereits seit vielen Jahren, spannender ist die Frage, ob sich die Inflationsdynamik in den USA damit anders darstellen würde. Tatsächlich würden aus zuletzt 3,0 % Kerninflation im Februar schnell 2,8 % mit dem gewichteten Median und sogar 2,3 % mit dem Trimmed-Mean-Ansatz. So kann über die Wahl der Messgröße aus „die Kerninflation bewegt sich seitwärts und ist deutlich erhöht“ ein „die Kerninflation fällt deutlich und bewegt sich auf das Zielniveau“ werden. Die Diskussion über die Kerninflation angesichts bestimmter Schwachstellen in ihrer Aussagekraft mag angebracht sein; besser als eine spezifische Alternative wäre jedoch ein Durchschnitt aus verschiedenen Indikatoren, gewichtet über ein statistisches Modell. Damit ließe sich die Vorhersagekraft maximieren und die Politisierung der Geldpolitik minimieren. Sonst könnte der Eindruck entstehen, dass bereits nach Rechtfertigungen für Zinssenkungen trotz erhöhter Inflation gesucht wird. Nach Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen gegen Powell dürfte der Ernennung von Warsh dennoch nun nichts mehr im Wege stehen.

Aktien: Zurückhaltung und Verluste

Durch die erneute Sperrung der Straße von Hormus gingen die Märkte zunächst in einen Wartemodus, gefolgt von Verlusten vor dem Ablauf der Waffenruhe am Mittwoch. Die Ankündigung der unbegrenzten Verlängerung der Waffenruhe sorgte nur an den US-Märkten für Kauflaune, in Europa hielten sich die Käufer zurück. Hier wirken die gestiegenen Energiepreise stärker. Die Andeutungen weiterer Eskalationen seitens Israels sorgten dann im weiteren Wochenverlauf überall für Zurückhaltung. Insgesamt schließen die Aktienmärkte die Handelswoche mit Verlusten ab. Beim DAX bleibt ein Minus von 2,3 % auf 24.129 Punkte. In Europa bleiben rund 2,5 % Verluste. Die USMärkte halten sich mit am besten und gehen sogar mit Gewinnen aus der Woche.

Anleihen: Erneute Renditeanstiege

An den Anleihemärkten steigen die Renditen wieder. Nachdem die zehnjährigen Bundrenditen in der vergangenen Woche noch unter der 3-Prozent-Marke geschlossen hatten, legten sie in der aktuellen Handelswoche um 4 Basispunkte auf 3,01 % zu. Ähnliches Bild in den USA, dort stiegen die Renditen auf 4,30 % an.

Devisen: US-Dollar wieder stärker

Der US-Dollar konnte mit den erneut steigenden Ölpreisen wieder zulegen. Zum Wochenschluss notiert der Greenback gegenüber dem Euro bei 1,1706. Übergeordnet hat der USDollarIndex seine Gewinne seit dem Irankrieg zuletzt deutlich abgebaut.

Rohstoffe: Ölpreise wieder über 100 USD

An den Energiemärkten ging es mit der vollständigen Blockade der Straße von Hormus wieder nach oben. Der Ölpreis liegt wieder deutlich über der 100-US-Dollar-Marke und notiert bei 105 US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 16 % innerhalb einer Woche. Bei dauerhaftem Überschreiten der 100-USDMarke besteht eine besonders hohe Belastung für die globale Wirtschaft und die Gefahr eines weiteren Anheizens der Inflation. Auch bei Erdgas stiegen die Preise um 15 % auf 45 Euro. Nicht profitieren von dem Anstieg der Unsicherheit konnten erneut Edelmetalle: Gold verlor 3 %, Silber sogar 5,7 %. Die Theorie, dass sich Edelmetalle aktuell weniger wie sichere Häfen, sondern eher wie andere Risikoklassen, etwa Aktien, verhalten, scheint sich weiter zu bestätigen.

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Weitere Eintrübung wichtiger Stimmungsindikatoren

Im Zuge der andauernden Spannungen im Nahen Osten hat sich die Stimmung in den Unternehmen der deutschen Wirtschaft erneut verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex sank im April gegenüber dem Vormonat um 1,9 auf 84,4 Punkte und befindet sich damit auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020.

Hauptgrund für die weitere Stimmungseintrübung waren die Geschäftserwartungen, die von den befragten Unternehmen nochmals schlechter bewertet wurden als zuvor. Angesichts der noch immer erhöhten Rohölund Gaspreise rechnen die Umfrageteilnehmer offensichtlich mit einer länger andauernden und stärkeren Dämpfungswirkung durch den Irankrieg. Darüber hinaus bewerteten sie auch die aktuelle Lage verhaltener.

Von Finanzmarktfachleuten wurden die wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands im April ebenfalls skeptischer bewertet als zuvor. Die auf einer Umfrage unter diesen Fachleuten beruhenden ZEW-Konjunkturerwartungen sind um 16,7 Punkte auf -17,2 Punkte gesunken, nachdem sie bereits im März um 58,8 Punkte eingebrochen waren.

Die weitere Eintrübung der wichtigen Stimmungsindikatoren verstärkt das Fragezeichen hinter der durch die Fiskalimpulse angestoßenen Konjunkturbelebung. Die gestiegenen Preis- und Lieferkettensorgen, die durch die anhaltende Blockade der Seestraße von Hormus verursacht werden, sowie die - trotz des eingetretenen Waffenstillstands - hohen Unsicherheiten belasten die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zunehmend.

Höherer Auftragsbestand in der Industrie

Nach einem leichten Rückgang im Januar ist der Auftragsbestand im hiesigen Verarbeitenden Gewerbe im Februar wieder gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, legten die offenen Bestellungen gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 1,0 % zu. Die Auftragsbestände tendierten bereits seit ihrem im August 2024 markierten lokalen Tiefpunkt nach oben. Haupttreiber des jüngsten Anstiegs waren die offenen Aufträge aus dem Ausland (+1,1 %), die stärker expandierten als die Inlandsbestände (+0,7 %). Die Bestandsentwicklung folgt damit dem Verlauf der Neuaufträge. Diese waren im Februar um 0,9 % gestiegen, angetrieben von einer höheren Nachfrage aus dem Ausland (+4,7 %).

Insgesamt verdeutlichen die Bestandsdaten, dass die Industriekonjunktur vor dem Ausbruch des Irankriegs aufwärtsgerichtet war.

Erzeugerpreise nochmals gesunken

In Deutschland sind die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im März gegenüber dem Vorjahresmonat nochmals leicht gesunken. Sie verbilligten sich mit einer Rate von -0,2 % aber merklich schwächer als zuvor (Januar: -3,0 %, Februar: -3,3 %).

Zwar legten die Energiepreise im Zuge der kriegsbedingt deutlichen Preisanstiege bei Mineralölerzeugnissen im März gegenüber Februar um kräftige 7,5 % zu. Im Vorjahresvergleich ergab sich jedoch, durch Preisrückgänge bei Erdgas und Strom, insgesamt ein Rückgang der Energiepreise um 3,2 %. Stabilisierend wirkte hier, dass die Märkte für Erdgas und elektrischen Strom stärker durch längerfristige Verträge und Preisbildungsmechanismen geprägt sind.

Die nach wie vor erhöhten Importpreise für Rohöl- und Gas dürften sich in den kommenden Monaten mehr und mehr in den Erzeugerpreisen niederschlagen. Daher dürfte auch der Preisdruck auf der Verbraucherstufe zunächst hoch bleiben. Die Inflationsrate, gemessen an der jährlichen Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI), war zuletzt sprunghaft von 1,9 % im Februar auf 2,7 % im März gestiegen.

Schwächeres Euroraum-Verbrauchervertrauen

Im Euroraum hat sich der mit Beginn des Irankriegs einsetzende Rückgang des Verbrauchervertrauens beschleunigt fortgesetzt. Nach vorläufigen Angaben der EU-Kommission sank der Indikator des Verbrauchervertrauens von März auf April um 4,3 auf -20,6 Punkte. Der Indikator befindet sich damit auf den niedrigsten Stand seit dem Jahreswechsel 2022/23.

Der weitere Rückgang des Verbrauchervertrauens lassen für das 2. Quartal eine schwächere Konjunkturdynamik erwarten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR