Wocheninfo vom 30.03.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- Märkte zwischen Hoffnung und Enttäuschung
- EZB vor schwieriger Entscheidung
- Aktien: Märkte bleiben volatil
- Anleihen: Renditen steigen weiter
- Devisen: US-Dollar wertet auf
- Rohstoffe: Ölpreise steigen weiter
- Irankrieg trübt das Geschäftsklima …
- … und die Verbraucherstimmung
- Euroraum-Verbrauchervertrauen deutlich zurückgegangen
- Rückschlag beim Bau-Auftragseingang
Märkte zwischen Hoffnung und Enttäuschung
Der Irankrieg geht in seine fünfte Woche. Die Finanzmärkte reagieren nach wie vor relativ zurückhaltend. Die Dynamik hängt dabei fast vollständig am Ölpreis: Ein steigender Ölpreis drückt die Aktienmärkte, stärkt den US-Dollar und erhöht die Renditen. Fällt der Ölpreis, dreht sich die Dynamik.
Die Märkte scheinen dabei verzweifelt an eine positive Entwicklung glauben zu wollen. So hat die Ankündigung von Gesprächen für eine positive Marktreaktion gesorgt, während das Bestreiten des Irans von stattfindenden Verhandlungen eher ignoriert wurde. Erst die Ablehnung des 15-Punkte-Plans hat für eine spürbare Enttäuschung gesorgt. Die Hoffnung im Markt dürfte vor allem auf dem innenpolitischen Druck in den USA liegen. Die Zustimmungswerte des US-Präsidenten sind auf einem Rekordtief. Die Demokraten haben in Florida einen Wahlkreis mit dem Thema "Afforda-bility Crisis" gewonnen, der Ende 2024 noch zur Wahl von Donald Trump beigetragen hat.
EZB vor schwieriger Entscheidung
Die EZB denkt offen über die nächste Zinsentscheidung nach. Auf verschiedenen Konferenzen äußerten Vertreter, dass die Notenbank besonders wachsam sei. Das Dilemma der EZB: Zinserhöhungen helfen nicht gegen steigende Energiepreise. Sie sind ein sehr grobes Instrument, das über höhere Finanzierungskosten die konjunkturelle Entwicklung verlangsamt und dabei die Preisdynamik bremsen soll. Es ist ein bisschen so, als würde man ein Bild mit einem Vorschlaghammer an der Wand befestigen. Der Nagel ist zwar in der Wand, aber die ganze Wand wird schnell in Mitleidenschaft gezogen. Der EZB geht es bei einer Zinserhöhung vor allem um die Signalwirkung. Während der letzten Inflationswelle reagierte sie zu langsam; dieser Eindruck soll sich nicht wiederholen. Zudem möchte sie damit Zweitrundeneffekten wie schnellen Preis- und Lohnerhöhungen vorbeugen, die temporäre Preissteigerungen verlängern können. Inflationserwartungen sollen so verankert bleiben. Bereits im April könnte eine Zinserhöhung erfolgen.
Aktien: Märkte bleiben volatil
Die Volatilität bleibt hoch an den Finanzmärkten. In der vergangenen Woche ging es zunächst deutlich nach unten. Das Ultimatum der US-Regierung gegenüber dem Iran und die Drohung, die Energieinfrastruktur anzugreifen, sorgten für Pessimismus. Dieser wich jedoch rasch, nachdem der US-Präsident Verhandlungen mit dem Iran andeutete. Die Ablehnung eines 15-Punkte-Plans durch den Iran führte erneut zu Verkäufen. Auf Wochensicht bleibt damit ein kleines Minus beim DAX auf 22.301 Punkten. Die europäischen Indizes sind leicht im Plus, während in den USA ein deutlicheres Minus von 2,1 % beim S&P 500 und 3,2 % beim Nasdaq verzeichnet wird.
Anleihen: Renditen steigen weiter
Weiter aufwärts geht es bei den Anleiherenditen: Die zehnjährigen Bundrenditen stehen bei 3,10 % und damit erneut 6 Basispunkte höher. In den USA liegen die zehnjährigen bei 4,44 %, rund 5 Basispunkte höher. Die Anstiege bei den kürzeren Laufzeiten sind seit Kriegsbeginn deutlich ausgeprägter. Die zweijährigen Bundesschatzanweisungen notieren bei 2,70 %. Der Renditeaufschlag ist damit auf etwa 40 Basispunkte abgeschmolzen, von rund 80 Basispunkten noch Anfang Februar. Die kürzer laufenden Papiere reagieren schneller auf höhere Inflationserwartungen und damit auf die gestiegenen Wahrscheinlichkeiten von Zinserhöhungen.
Devisen: US-Dollar wertet auf
Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar leicht auf 1,1521 abgewertet. Der US-Dollar konnte erneut insgesamt vom steigenden Ölpreis profitieren. Der US-Dollar-Index notiert auf Wochensicht etwa 0,5 % höher.
Rohstoffe: Ölpreise steigen weiter
Die Ölpreise sind insgesamt weiter gestiegen. Der Ölpreis liegt auf Wochensicht rund 1 % höher bei 113 US-Dollar. Es zeichnet sich zunehmend ab, dass selbst bei einer Einstellung der Kampfhandlungen die Ölpreise nicht sofort auf ihr Vorkriegsniveau zurückkehren werden. Die entstandenen Schäden an den Produktionsanlagen sind zu groß. Zusätzlich droht der Iran, neben der Straße von Hormus auch die Meerenge Bab al-Mandeb zu blockieren, die zum Suezkanal führt. Zum Start in die neue Woche gibt es erneut Preisanstiege.
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Irankrieg trübt das Geschäftsklima …
Im März hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft merklich eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex sank von 88,4 Punkten im Februar auf 86,4 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Februar 2025.
Maßgeblich für den Rückgang dieses wichtigen Konjunkturindikators waren die Geschäftserwartungen. Die vom ifo Institut befragten Unternehmen bewerteten diese wegen der Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs merklich schlechter als zuvor. Insbesondere in den energieintensiven Industriebranchen hat sich der Ausblick angesichts der jüngsten Öl- und Gaspreisschocks verschlechtert. Auch wegen kriegsbedingten Lieferkettenstörungen planen die Unternehmen künftig verstärkt Preisanhebungen vorzunehmen. An den Einschätzungen zur Geschäftslage hat sich hingegen zuletzt wenig geändert. Die aktuelle Lage wurde im März insgesamt genauso verhalten bewertet wie im Vormonat.
… und die Verbraucherstimmung
Nicht nur in den Unternehmen, auch unter den Verbrauchern in Deutschland hat sich die wirtschaftliche Stimmung zuletzt spürbar verschlechtert. So ist das GfK Konsumklima von -24,2 Punkten im Februar auf -24,8 Punkte im März gesunken. Zudem prognostizieren die Fachleute der Marktforschungsinstitute GfK/NIM für April einen weiteren Rückgang des Indikators auf dann -28,0 Punkte.
Zwar hat sich durch den Irankrieg bei der Anschaffungs- und Sparneigung der befragten Verbraucher bislang kaum etwas verändert. Ihre Einkommenserwartungen haben sich aber infolge verschlechterter Konjunkturaussichten und gestiegener Inflationsängste deutlich eingetrübt. Der entsprechende Teilindikator der Einkommenserwartungen brach jüngst um 12,6 Punkte ein und befindet sich dadurch mit -6,3 Punkten wieder im negativen Bereich.
Mit der jüngsten Eintrübung des Konsum- und Geschäftsklimas verringern sich die Chancen auf einen Aufschwung im Frühjahr spürbar.
Euroraum-Verbrauchervertrauen deutlich zurückgegangen
Im Euroraum als Ganzes hat sich die Stimmung unter den Verbrauchern ebenfalls verschlechtert. Laut vorläufigen Angaben der EU-Kommission sank der Indikator des Verbrauchervertrauens im März gegenüber dem Vormonat um 4,0 Punkte auf -16,3 Punkte. Damit befindet sich der Indikator auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2023 und zudem deutlich unter seinem langjährigen Mittelwert von -10,5 Punkten.
Angesichts des sichtlichen Rückgangs des Stimmungsindikators zeichnet sich für das 1. Quartal eine Abschwächung beim Privat-konsum im Euroraum ab. Im 4. Quartal waren die Konsumausgaben der privaten Haushalte gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt noch um merkliche 0,4 % gestiegen. Sie trugen damit maßgeblich zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum von 0,2 % bei.
Rückschlag beim Bau-Auftragseingang
Zu Jahresbeginn musste das deutsche Bauhauptgewerbe beim Auftragseingang einen Rückschlag hinnehmen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, gingen die Neuaufträge im Januar gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 5,1 % zurück. Im weniger von kurzfristigen Schwankungen betroffenen Dreimonatsvergleich sanken die Aufträge um 2,8 %, wobei die Hochbaubestellungen um 5,8 % nachgaben, während die Tiefbaubestellungen stagnierten.
Ein Grund für die rückläufigen Neuaufträge war das ungewöhnlich strenge Winterwetter. So berichteten zum Jahresanfang bis zu 60 % der vom ifo Institut befragten Bauunternehmen über geschäftstätigkeitsbehindernde Witterungsverhältnisse und damit deutlich mehr als im Durchschnitt der Vorjahre. Wegen der Witterung ging im Januar auch die Produktion des Bauhauptgewerbes zurück, um deutliche 8,5 %. Dem stand jedoch eine lebhafte Entwicklung im Ausbaugewerbe (+8,4 %) gegenüber, sodass die Bauproduktion als Ganzes im Januar um 2,9 % stieg.
Insgesamt verdeutlichen die jüngsten Daten, dass die Belebung der Baukonjunktur in Deutschland holprig verläuft.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR