Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Wenn sich diese Zielgruppe vor Ort nach den Möglichkeiten für Betreutes Wohnen umschaut, wird sie entweder mit langen Wartelisten konfrontiert – oder mit Angeboten, die ihren Ansprüchen nicht genügen. Die Angebote seien oft „nicht bedarfsgerecht gestaltet“, fasst Britta Klemm von der Beratungsgesellschaft SozialGestaltung eine Branchenumfrage zusammen. Viele Bestandsimmobilien sind sanierungsbedürftig, bei 40 Prozent lag die letzte Renovierung mindestens zehn Jahre zurück.
„Barrierefreie Grundrisse, funktionierende Quartiersanbindung, Serviceflächen und Gesundheitsangebote schaffen Mehrwert, erhöhen aber zugleich die Kostenstruktur“, sagt Thomas Lehmann, Director bei Wüest Partner, einem Dienstleister für die Immobilienwirtschaft. Lehmann plädiert dafür, „nicht nur mehr, sondern vor allem bezahlbare Wohnungen für ältere Menschen“ zu schaffen. Denn „die Schere zwischen Mieten und Kaufkraft geht immer weiter auf“, sagt Anja Sakwe Nakonji, Geschäftsführerin der Strategieberatung Terranus. Abhängig von Ausstattung und Service liegen die Mieten für Betreutes Wohnen zwischen 10 und 50 Prozent über den Vergleichsmieten, ergeben Marktstudien von Terranus und KDA/BfS. Wer nur seine gesetzliche Rente einzubringen hat, kann sich die Kosten für Service-Wohnen daher immer seltener leisten.