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19.02.2026 | Lesezeit: 8 Minuten

Hinaus in die Welt: Internationalisierung in 4 Schritten

„Made in Berlin and Brandenburg“ steht international hoch im Kurs. Innovative Mittelständler sind erfolgreich in Zukunftsfeldern wie DeepTech, BioTech oder erneuerbare Energien unterwegs. Für ihre Produkte ist der deutsche Markt häufig zu eng. Also hinaus in die Welt! Doch wie gelingt die Internationalisierung? Drei Experten geben handfeste Tipps.

Firmenkunden - Internationalisierung - Artikel

Das Wichtigste in Kürze

  • Nichts überstürzen: Vor der Internationalisierung steht die Analyse: Was wollen wir und was können wir erreichen? 
  • Markt auswählen: Die Europäische Union ist meist die erste Wahl. Doch auch weiter entfernte Wachstumsmärkte bieten Chancen. 
  • Partner vor Ort: Für eine erfolgreiche Expansion können Berliner und Brandenburger Unternehmen bestehende Netzwerke nutzen.

Um neue Märkte jenseits der Landesgrenzen zu erschließen, gibt es verschiedene Ansätze. Wer die folgenden Schritte beherzigt, ist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg! Und wer individuelle Unterstützung für den Weg ins Ausland sucht, findet im Service‑Kasten am Artikelende ausgewählte Adressen für Beratung und Förderung.

1. - Das eigene Unternehmen analysieren

„Soul searching“ klingt nach Psychotalk. Doch für Unternehmen, die den Weg ins Ausland wagen, gilt: Nur mit tiefgehender Selbstbetrachtung lassen sich fundierte Entscheidungen treffen. „Unternehmen sollten genau analysieren, mit welcher Zielsetzung sie in den internationalen Markt gehen möchten“, sagt Nadine Jüdes, zuständige Abteilungsleiterin bei Berlin Partner. „Dazu gehören eine Marktanalyse und eine Auseinandersetzung mit strategischen Fragen wie: Ist mein Produkt reif genug? Oder: Welche Ressourcen stehen mir für ein internationales Roll-out zur Verfügung?“ Was simpel erscheint, werde gerade von kleineren Unternehmen oft auf die leichte Schulter genommen. Das macht jede weitere Beratung schwieriger.

Profilbild Nadine Jüdes
Nadine Jüdes - Abteilungsleiterin bei Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie zuständig für den Bereich International.

„Eine der größten Sorgen vieler Unternehmen ist, bei der Internationalisierung investiertes Kapital zu verlieren. Ich empfehle, gut vorbereitet und fokussiert einen Schritt nach dem anderen zu machen und nicht zu schnell mehrere Märkte gleichzeitig anzugehen. Das passende Partnering ist dabei ein Schlüsselthema."

Kompetenz für Ihr internationales Wachstum

Mit unseren Expert*innen stehen Ihnen starke Partner zur Seite. Mit ihrem Know-how unterstützen sie Sie im globalen Zahlungsverkehr, entwickeln strukturierte Finanzierungen und passgenaue Lösungen für Ihr Auslandsgeschäft. Profitieren Sie von dieser Expertise – wir beraten Sie gern.

2. - Kontakte im Ausland aufbauen

Guter Rat ist im Falle einer internationalen Expansion nicht teuer. Sowohl Berlin Partner als auch die Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) beraten kostenlos zu Fördermöglichkeiten, unterstützen bei der Entwicklung der Markteintrittsstrategie und empfehlen potenzielle Ansprechpartner vor Ort. Unternehmen können außerdem an Delegationsreisen sowie an Berlin-Brandenburger Gemeinschaftsständen auf internationalen Leitmessen teilnehmen; darauf werden sie von den Wirtschaftsförderungen intensiv vorbereitet. Berlin Partner bietet dies im Rahmen des „Programms für Internationalisierung“ an. Auch die WFBB hat mit GRW-Markt International eine eigene Förderung.

Gut zu wissen: Das Land Berlin betreibt zwei Außenbüros in New York City und Peking, über die sich Kooperationspartner vor Ort finden lassen. Ein drittes Büro soll demnächst in Bangalore eröffnet werden, dem „indischen Silicon Valley“. Auch die IHK unterstützt gemeinsam mit den Auslandshandelskammern bei der Markterschließung.

„Wer ins Ausland expandieren will, sollte unbedingt einen vertrauenswürdigen Kontakt vor Ort haben oder häufig selbst im Land sein. Die Gefahr des Scheiterns ist sonst einfach zu groß."

Profilbild Burkhard Volbracht
Burkhard Volbracht - Geschäftsführer des Berliner Startups Terratalent. Es unterstützt Unternehmen dabei, Fachkräfte im Ausland zu rekrutieren und auszubilden.

3. - Länder zur Expansion auswählen

Außerhalb der Europäischen Union bleiben die USA attraktiv, trotz Zöllen und politischer Lage. „Viele Unternehmen sind in Warteposition und beobachten die Entwicklungen sehr genau“, sagt Nadine Jüdes. Sie plädiert allerdings dafür, die Blickrichtung zu ändern, denn „wir brauchen diversere Wirtschaftsbeziehungen“. Indien beispielsweise ist in den Bereichen FinTech, Künstliche Intelligenz, HealthTech und ClimateTech spannend, Japan für die BioTech/Pharma- und Gaming-Branche. Die wichtigste Wirtschaftsregion bleibt Europa, insbesondere das nah gelegene Polen sowie Frankreich mit dem Fokus FinTech. „Innerhalb des EU-Binnenmarkts ist es vergleichsweise einfach, passende Geschäftspartner zu finden und zu pflegen“, sagt WFBB-Expertin Kirstin Wenk. „In den großen Wachstumsmärkten wie Asien, Afrika oder Südamerika sind die Hürden höher – der Aufwand kann sich trotzdem lohnen.“

Profilbild Kirstin Wenk
Kirstin Wenk - Leiterin des Teams Außenwirtschaft und Europa-Service bei der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB).

„Im internationalen Geschäft muss man einen langen Atem haben, genügend Ressourcen einplanen und bei jedem Schritt überlegen: Kann ich das auch nachhalten? Gerade bei der Expansion in außereuropäische Länder ist der Weg oft verbunden mit Umwegen und Rückschlägen.“ 

4. - Länder zur Expansion auswählen

Wer im Ausland präsent sein will, braucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die müssen, wenn sie nicht aus Deutschland umziehen sollen, vor Ort rekrutiert werden. „Im ersten Schritt sollte man sich stets Gedanken machen, wo es einen zum Produkt passenden Talentpool gibt“, rät Terratalent-Geschäftsführer Burkhard Volbracht. Ruanda beispielsweise sei stark im IT-Bereich aufgestellt und spezialisiere sich zunehmend auf das Zukunftsfeld BioTech – mit gut ausgebildeten jungen Menschen. „Die Politik hat sich in vielen Ländern Afrikas entscheidend geändert“, sagt Volbracht. „Früher verkaufte man nur Rohstoffe, inzwischen geht es um eine langfristige Wertschöpfung vor Ort.“ Ein Beispiel dafür ist das Weiterqualifizierungsprogramm BioMex: In Kooperation mit deutschen Hochschulen, der University of Rwanda und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) werden Biotechnologie-Fachkräfte ausgebildet, zum Teil spezifisch für die dort bald startende Impfstoffproduktion von Biontech. Eine Win-Win-Situation für das Unternehmen und die Region – und auch für den deutschen Markt.

„Wer potenziellen Geschäftspartnern im Ausland nicht auf Augenhöhe begegnet, dem verschließen sich schnell sämtliche Türen. In Ghana mit kurzen Hosen in eine Konferenz reinzugehen, ist beispielsweise ein No-Go. Also besser sich vorher schlaumachen.“ 

Burkhard Volbracht

Beratung und Förderung: Nützliche Adressen

Beratung:

Förderung:

Förderoptionen für Mittelständler, die im Ausland neue Märkte erschließen möchten, gibt es auf regionaler, Bundes- und EU-Ebene. Umfassende Übersicht liefern die Investitionsbank Berlin (IBB), die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) und auch die Webseite von Germany Trade & Invest (GTAI). 

  • Programm für Internationalisierung: Fördert Projekte, die die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Berliner und ausländischen Unternehmen, Netzwerken und Branchen nachhaltig stärken. Anträge stellen Kammern, Verbände und Branchennetzwerke.
  • GRW-Markt International: Das Land Brandenburg unterstützt Unternehmen bei Messeauftritten und durch Beratungen und Coachings zur Markterschließung.
  • Markterschließungsprogramm für KMU: Zielgruppe des Bundesprogramms sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus dem produzierenden Gewerbe, aus traditionellen Industriezweigen sowie fachbezogene Freiberufler und wirtschaftsnahe Dienstleister.
  • House of Finance & Tech: Ein Fokus der ScaleUp Academy liegt darauf, Startups aus dem FinTech-Bereich international zum Durchbruch zu verhelfen und Berlin als führenden europäischen FinTech-Hub zu stärken. Die Berliner Volksbank ist Premiumpartner.
  • Wirtschaftsnetzwerk Afrika/Beratungsgutscheine Afrika: Mit diesem Programm fördert das Bundeswirtschaftsministerium externe Beratungsleistungen mit Afrika-Bezug, insbesondere für KMU der gewerblichen Wirtschaft.
Profilbild Ernestine von der Osten-Sacken

Ihre Autorin

Ernestine von der Osten-Sacken | Journalistin

Ernestine von der Osten-Sacken arbeitet als Journalistin und Werbetexterin in Berlin. Ihre Schwerpunkte: Wissenschaft, Smart City – und Berlin.

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