Die USA sind für viele deutsche Unternehmen seit Jahrzehnten der wichtigste und verlässlichste internationale Markt. Und auch heute gilt: Wer wachsen will, kommt an Amerika kaum vorbei. Doch das Vertrauen in die Planbarkeit transatlantischer Wirtschaftsbeziehungen ist angeschlagen. Handelskonflikte, extraterritoriale Sanktionen, ein zunehmend protektionistischer Kurs in Washington werfen Fragen auf. Ist es also an der Zeit, neue Märkte und Allianzen zu erschließen?
In Berlin und Brandenburg spüren international aufgestellte Firmen die Spannungen unmittelbar. Gründerinnen und Gründer mit Wurzeln in Tel Aviv, Lagos, Toronto oder Mumbai bauen exzellente Tech-Start-ups auf – und expandieren von hier aus wieder in ihre Herkunftsregionen. Mittelständische Unternehmen aus der Lausitz oder dem Berliner Speckgürtel eröffnen neue Standorte in Südostasien oder Afrika, wo politische Allianzen und wirtschaftliche Dynamik neue Spielräume eröffnen. Gleichzeitig bleibt der US-Markt ein bedeutendes Sprungbrett: Investitionen in Kalifornien, Massachusetts oder Texas bringen Zugang zu Kapital, Technologie und Innovationsnetzwerken.
Doch die Spielregeln ändern sich. Wer heute expandiert, muss politische Risiken mitdenken, stärker diversifizieren und strategische Resilienz aufbauen – sei es durch flexible Lieferketten, neue Partnerschaften oder digitale Geschäftsmodelle, die unabhängig von einzelnen Märkten funktionieren. Die globalisierte Wirtschaft mag nicht einfacher werden – aber vielfältiger. Für viele Berliner und Brandenburger Unternehmer ist Internationalisierung heute weniger ein transatlantisches als vielmehr ein globales Projekt. Ihre Erfolgsrezepte entstehen in der Verbindung unterschiedlicher kultureller und wirtschaftlicher Prägungen. Die nächste Generation von »Hidden Champions« wird dort erfolgreich sein, wo strategische Weitsicht, technologische Exzellenz und kulturelle Agilität zusammenfinden.
In einer Zeit, in der alte Bündnisse bröckeln und neue entstehen, ist Internationalisierung kein Automatismus mehr – sondern eine unternehmerische Meisterleistung. Die Unsicherheiten im transatlantischen Verhältnis sind kein Grund, sich zurückzuziehen, aber sie mahnen zur klugen Kursbestimmung. Denn: die politische Lage in den USA wird sich wieder ändern, aber wer die Welt heute verstehen will, muss nicht nur auf Washington oder Brüssel blicken, sondern auf Nairobi, Bangalore oder São Paulo. Internationale Zukunft wird in Netzwerken gedacht, nicht in Blöcken. Und genau hier liegt die große Chance für Unternehmen, die in Berlin und Brandenburg ihre Wurzeln schlagen – und die Welt als ihren Markt begreifen.