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Dr. Jan Holthusen bei der Wirtschaftsprognose-Veranstaltung der Berliner Volksbank
Dr. Jan Holthusen, Leiter Research und Volkswirtschaft der DZ Bank, bei der Wirtschaftsprognose-Veranstaltung der Berliner Volksbank. (Copyright: Marcel Schwickerath)

29.01.2026 | Lesezeit: 7 Minuten

Wirtschaftsprognose 2026: Orientierung in unruhigen Zeiten 

Was kommt wirtschaftlich auf Unternehmen zu, wenn vertraute Gewissheiten brüchig werden?

Dieser Frage widmete sich die exklusive Wirtschaftsprognose 2026 der Berliner Volksbank in der AXICA am Brandenburger Tor. Vor Firmenkundinnen und Firmenkunden ordnete Dr. Jan Holthusen, Research-Leiter der DZ-Bank die wirtschaftliche Lage ein, jenseits der täglichen Zuspitzungen.

Firmenkunden - Wirtschaftliche Entwicklungen - Artikel

Das Wichtigste in Kürze

  • Verlässlichkeit nimmt ab: Vor allem im Verhältnis zu den USA.
  • Konjunktur stabilisiert sich: Ohne bereits von Aufschwung zu sprechen.
  • Unternehmen  müssen gewichten: Nicht alles ist steuerbar, aber vieles vorbereitbar.

2026 beginnt in einem Umfeld, das sich leise, aber grundlegend verändert hat: Handelspolitische Konflikte verlaufen zunehmend innerhalb des westlichen Wirtschaftsraums, politische Entscheidungen haben kürzere Halbwertszeiten, und wirtschaftliche Partner sind nicht mehr automatisch verlässlich. Für exportorientierte Unternehmen ist das weniger eine Frage einzelner Zölle – sondern der Planbarkeit insgesamt.

Gleichzeitig zeigen zentrale Indikatoren, dass die deutsche Wirtschaft den tiefsten Punkt hinter sich gelassen haben könnte. Erste Signale sprechen für eine vorsichtige Stabilisierung. Genau in dieser Gleichzeitigkeit aus Entlastung und neuer Unsicherheit setzt die Wirtschaftsprognose 2026 an.

USA: wirtschaftlich wichtig, politisch immer schwerer berechenbar

Die USA bleiben für deutsche Unternehmen ein zentraler Markt. Daran wird sich auch 2026 nichts ändern. Was sich jedoch verändert hat, ist die Verlässlichkeit der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Handelspolitische Entscheidungen werden kurzfristig getroffen, revidiert oder neu begründet. Aussagen gelten nicht mehr über Monate, sondern oft nur noch über Stunden oder Tage.

Jan Holthusen beschreibt das als strukturelles Risiko für Planung und Investitionen. Nicht die konkrete Ausgestaltung einzelner Zölle sei das Hauptproblem, sondern die fehlende Berechenbarkeit. Unternehmen können sich auf Regeln einstellen – aber nicht auf deren ständige Infragestellung.

Hinzu kommen industriepolitische Eingriffe, staatlicher Einfluss auf Unternehmensentscheidungen und eine politisierte Diskussion um die Geldpolitik. Die US-Wirtschaft wächst weiter, getragen von hohen Investitionen und konsumstarken oberen Einkommensgruppen. Gleichzeitig wirkt dieses Wachstum fragiler als in früheren Zyklen. Für deutsche Unternehmen heißt das: Der US-Markt bleibt relevant, aber er taugt immer weniger als verlässlicher Fixpunkt.

Europa: unter Druck von mehreren Seiten

Während die USA an Berechenbarkeit verlieren, steht Europa wirtschaftlich gleich von mehreren Seiten unter Druck. Wettbewerbsintensive Produkte aus China drängen stärker auf den europäischen Markt. Gleichzeitig wirken handelspolitische Unsicherheiten aus den USA direkt auf exportorientierte Branchen. Dazu kommen hohe eigene Standortkosten, insbesondere bei Energie, Regulierung und Bürokratie.

Europa wird damit nicht abgehängt, aber es wird stärker gefordert als in der Vergangenheit. Holthusens Analyse ist nüchtern: Diese Lage ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern Ausdruck einer neuen Normalität. Entscheidend wird sein, ob Europa in der Lage ist, seine Wettbewerbsfähigkeit aktiv zu stärken – statt sich allein auf Absicherung zu konzentrieren.

Investitionen, Energie, Kosten: Wo 2026 entschieden wird

Ein wichtiger Hebel für 2026 ist das große Infrastrukturprogramm der Bundesregierung. Dass Geld zur Verfügung steht, ist zunächst positiv. Entscheidend ist jedoch, wofür es eingesetzt wird. Ausgaben, die lediglich den Status quo verwalten oder verschönern, helfen der Wirtschaft wenig. Wirkung entfalten Investitionen dort, wo sie private Investitionen erleichtern: bei Verkehr, Netzen, Digitalisierung und Bildung.

Beim Thema Energie zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Abhängigkeit von russischem Gas wurde zügig reduziert, neue Abhängigkeiten sind entstanden. LNG aus den USA ist ein Baustein, aber keine langfristige Lösung. Holthusen plädiert für Pragmatismus: möglichst viele Lieferanten, möglichst wenig Klumpenrisiken.

Auf der Kostenseite gibt es leichte Entspannung. Preise steigen langsamer, Löhne moderater. Für Unternehmen bedeutet das mehr Luft – aber keine Rückkehr zur alten Normalität. Der Wettbewerbsdruck bleibt hoch, insbesondere in Industriebranchen.

Möchten Sie noch mehr Details erfahren? 

Am 5. Februar 2026 findet die Online-Veranstaltung "Wirtschaftsprognose 2026" der DZ Bank statt. Nehmen Sie teil und nutzen die Gelegenheit, Ihre Fragen zu stellen. 

Lokale Wirtschaftskreisläufe und Resilienz gewinnen an Bedeutung

Vor dem Hintergrund globaler Unsicherheiten rücken lokale und regionale Wirtschaftskreisläufe wieder stärker in den Fokus. In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen erlebt, wie fragil internationale Lieferketten sein können. Die Folge ist kein Rückzug aus dem Welthandel, sondern ein Umdenken.

Holthusen sieht darin eine nüchterne Anpassung: Zulieferer werden breiter aufgestellt, Abhängigkeiten hinterfragt, Lagerhaltung neu bewertet. Auch regionale Netzwerke gewinnen an Bedeutung – nicht aus Nostalgie, sondern aus betriebswirtschaftlicher Vernunft. Resilienz kostet Geld, kann aber im Ernstfall handlungsfähig halten.

Womit sich Unternehmerinnen und Unternehmer jetzt beschäftigen sollten

Aus Holthusens Sicht geht es weniger um hektische Kurswechsel als um Überprüfung. Unternehmen sollten genauer hinschauen: Wie stabil sind Kundenbeziehungen? Wie abhängig ist das eigene Geschäftsmodell von einzelnen Märkten, Lieferanten oder politischen Entscheidungen? Passen Verträge, Laufzeiten und Preislogiken noch zu einem volatileren Umfeld?

Zugleich rät er dazu, offen für technologische Entwicklungen zu bleiben – insbesondere bei künstlicher Intelligenz. Nicht als Heilsversprechen, sondern als Werkzeug, um Prozesse effizienter zu gestalten und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Woran sich Entscheidungen 2026 sinnvoll ausrichten lassen

2026 wird kein Jahr klarer Linien. Aber es kann ein Jahr sein, in dem sich Entscheidungen wieder stärker an Substanz orientieren – statt an Schlagzeilen. Wer bereit ist, Gewohnheiten zu hinterfragen, Abhängigkeiten zu prüfen und Entwicklungen realistisch zu bewerten, schafft sich in einem unruhigen Umfeld zumindest eines: Handlungsspielraum.

Profilbild Maximilian Klein

Ihr Autor

Maximilian Klein

Seine berufliche Reise startete Maximilian Klein mit einer Ausbildung in Marketing und Kommunikation, gefolgt von einem Journalismusstudium. Sein Weg führte ihn zu Tätigkeiten bei renommierten Radiosendern wie Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk sowie zu Stationen im Ausland, darunter Südafrika, USA, Israel und die Schweiz. Jetzt engagiert er sich bei der Berliner Volksbank im Corporate Publishing und erforscht dabei u. a. das Potenzial generativer KI für innovative Kommunikationsstrategien.

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