Wie baut man eine digitale Community auf?
Der 34-Jährige sitzt an einem Tisch in seinem Büro in Berlin-Mitte zusammen mit Amelia Bryant, seiner Partnerin im Business und Leben. Vor ihnen ein Laptop, der die Startseite ihrer Plattform Co-Tasker zeigt. Beide reden Englisch miteinander, lachen viel, leuchten vor Begeisterung, wenn sie über ihre Projekte erzählen. Amelia Bryant ist 2018 aus Großbritannien nach Deutschland gekommen, im Kopf diese Vorstellung von Berlin als Schmelztiegel und Freiraum. Sie jobbt in einem Tech-Unternehmen, und sie trifft Abousamra, der seinen Traum mit ihr teilt: eine digitale Community aufbauen, in der jeder sowohl schnelle lokale Dienstleistungen als auch flexible Arbeitsmöglichkeiten finden kann.
Technische Kenntnisse haben sie beide nicht: Tarek Abousamra hatte BWL studiert, Amelia Bryant ihre Skills in Marketing und Branding. Trotzdem kündigen sie ihre Jobs und bleiben trotz Abfuhren von Banken zuversichtlich. Die Wende kommt, als sie einer großen Kanzlei ihre Idee vorstellen. Statt nur juristischen Rat zu geben, steigen die Anwälte als Partner ein und finanzieren den Start. „Diese erste Unterstützung war für uns die wichtigste“, sagt Abousamra: „Jemand hat an uns geglaubt.“
2020 geht Co-Tasker online. Die Community wächst schnell, heute ist sie in 23 deutschen Städten als lokale Plattform präsent, Tausende Menschen bieten darauf ihre Services an. Der professionelle Elektriker findet hier ebenso Aufträge wie die Hobby-Hundesitterin. „Oder der Typ, der für dich vor dem Berghain in der Schlange steht“, sagt Abousamra. Die Anfragen der Nutzer spiegeln das pralle Leben. Jemand braucht Unterstützung im Garten, ein anderer möchte eine Spinne im Haus nicht selbst entfernen. Das Prinzip ist einfach: Anfragen, Angebote unterschiedlicher Dienstleister erhalten und abgesichert über Co-Wallet bezahlen. „Unser USP ist Transparenz“, sagt Abousamra. „Alle Anbieter müssen sich bei uns mit Ausweis und Bild identifizieren.“