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Ein Kind übt an einer Übungspuppe die Herzdruckmassage
Eine Schülerin übt an einer Übungspuppe die Herzdruckmassage

03.09.2026 | Lesezeit: 4 Minuten

Bürgerstiftung Schöneiche macht Kinder im Kiez fit in Erster Hilfe

Was tun, wenn plötzlich jemand zusammenbricht? Beim Projekt „Helfen macht Schule“ lernen Kinder, in Notfällen richtig zu reagieren und Verantwortung zu übernehmen. Unterstützt wird das Projekt vom w!r-Stiftungsfonds der Berliner Volksbank.

Das Wichtigste in Kürze

  • Früh üben: Kinder können bereits im Grundschulalter lernen, in Notfällen richtig zu handeln. 
  • Selbstvertrauen stärken: Praxisnahe Übungen helfen, Unsicherheit und Berührungsängste abzubauen. 
  • Engagement ermöglichen: Der w!r-Stiftungsfonds der Berliner Volksbank unterstützt „Helfen macht Schule“ als eines von neun geförderten Projekten 2026.

Hannah Marie, Schülerin der Grundschule „Bruno Hans Bürgel“, wartet aufgeregt, bis jemand abnimmt. Gerade ruft sie erstmals die Leitstelle an, um einen Notfall zu schildern: Vor der Schule ist ein Mann zusammengebrochen und braucht schnell Hilfe. Aber was genau soll sie sagen? Was, wenn sie eine wichtige Information vergisst? Am anderen Ende meldet sich eine ruhige Stimme.  Ganz gezielt stellt sie Fragen und leitet Hannah Marie Schritt für Schritt an. Das Mädchen startet mit der Herzdruckmassage  – bis in hoffentlich wenigen Minuten der Rettungsdienst da ist.

Der kommt in diesem Fall allerdings nicht, denn: Heute war die Situation gestellt. Zwei 6. Klassen der Schule haben im Rahmen des Projekts „Helfen macht Schule“ einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Das Projekt ist eine Initiative der Bürgerstiftung Schöneiche, die das wichtige Thema „Erste Hilfe und Gesundheitskompetenz“ in ihrem Kiez bereits von klein auf vermitteln will.

Wenn jede Minute zählt: Was Erste Hilfe bewirken kann.

Erste Hilfe kann Leben retten. In Deutschland wird der Rettungsdienst jährlich zu rund 136.000 Menschen mit Herz-Kreislauf-Stillstand gerufen. Bis er vor Ort ist, kann schnelles Handeln durch Laien-Ersthelfende entscheidend sein. Eine sofort begonnene Herzdruckmassage kann die Überlebenschancen verdoppeln bis verdreifachen.*

Doch vielen Menschen fehlt die Sicherheit, im Ernstfall zu handeln. Bei vielen liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs mehr als zehn Jahre oder sogar 20 Jahre zurück.***

Die Ersthelfendenquote in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren gestiegen: von rund 37 Prozent im Jahr 2016 auf 53,5 Prozent im Jahr 2025**. 

Erste Hilfe kann man lernen – nicht erst zum Führerschein

Ein Blick nach Skandinavien, wo die Ersthelfendenquote teils über 70 Prozent liegt, zeigt: Erste Hilfe und Wiederbelebung lassen sich früh und systematisch vermitteln. In Norwegen und Dänemark gehört Wiederbelebungsunterricht an Schulen zu den etablierten Maßnahmen.

Und hierzulande? Bereits 2014 empfahl die Kultusministerkonferenz, Wiederbelebungsunterricht ab der 7. Klasse. Flächendeckend umgesetzt ist diese Empfehlung bis heute nicht. 

Dass sich Erste Hilfe schon im Grundschulalter vermitteln lässt, zeigt eine Studie an Brandenburger Grundschulen mit 1.268 Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren****. Nach einem gezielten Training verbesserten sich ihre Kenntnisse und ihre Bereitschaft zu helfen deutlich.

Bürgerstiftung bringt Erste Hilfe in die Schule: Kindgerecht und praxisnah

Mit ihrem Projekt „Helfen macht Schule“ bringt die Bürgerstiftung Schöneiche Erste Hilfe in die Grundschule. Das Projekt soll Kinder frühzeitig für das Thema sensibilisieren, ihnen die Scheu vor Notfallsituationen nehmen und sie darin bestärken, Verantwortung zu übernehmen. Dafür setzt die Bürgerstiftung auf ein Team aus Notfallärztinnen und -ärzten,  Krankenschwestern und Mitgliedern der Feuerwehr. Es führt die Kinder spielerisch an die Situationen heran und vermittelt altersgerecht das nötige Wissen und Selbstvertrauen, um im Ernstfall zu helfen.

Projektvorstellung W!R Bürgerstiftung: "Helfen macht Schule" • Länge: 01:39 • Veröffentlicht: 03.09.2026

Druckverband, stabile Seitenlagen und Reanimation zur Musik: Projekttag mit viel Praxis

Heute ist das Team rund um Heike Zeddies, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Schöneiche, an der Grundschule „Bruno Hans Bürgel“ im Einsatz. Im Klassenzimmer warten die Sechstklässler schon gespannt. 

Nach einem gemeinsamen Einstieg teilen sich die Schülerinnen und Schüler in Gruppen auf. An drei Stationen geht es um Situationen, die jederzeit passieren können: eine stark blutende Wunde, eine bewusstlose Person und ein Herz-Kreislauf-Stillstand. 

An der ersten Station üben die Kinder, einen Druckverband anzulegen. Sie rollen Verbände ab, verstärken den Druck und probieren das Gelernte direkt aneinander aus. 

Nebenan geht es um die stabile Seitenlage. Erst zeigt eine Helferin den richtigen Ablauf, dann üben die Kinder zu zweit. 

An der dritten Station trainieren sie an Reanimationspuppen die Herzdruckmassage. Wo muss man drücken? Wie schnell? Und vor allem: Wie kräftig? Als Rhythmusgeber läuft das Lied „Stayin’ Alive“.

Zum Schluss kommt der Einsatz von Hannah Marie: Anruf bei der Leitstelle. Vorab beschreibt Heike Zeddies allen Kindern die Situation, um die es gehen soll. Obwohl der Anruf simuliert ist, spielt er sich eins zu eins so ab wie in echt. Dabei erleben die Kinder: Im Notfall bin ich nicht auf mich allein gestellt. Wichtig ist es, den ersten Schritt zu machen. 

w!r-Stiftungsfonds: Der Weg von der Idee zur Umsetzung braucht Förderung

Hinter „Helfen macht Schule“ stehen Menschen aus Schöneiche, die ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen. Heike Zeddies von der Bürgerstiftung Schöneiche berichtet: „Wir haben bei uns Notärzte, Feuerwehrfrauen und Krankenschwestern mit an Bord.“ Gemeinsam entstand die Idee, Erste Hilfe an die Schulen zu bringen.

Um gute Ideen auch umsetzen zu können, sind Bürgerstiftungen auf finanzielle Hilfe angewiesen. Denn meist reicht ehrenamtliche Arbeitskraft allein nicht aus. Der w!r-Stiftungsfonds der Berliner Volksbank unterstützt Projekte von Bürgerstiftungen, die nachhaltig Wirkung für die Region entfalten  und den Zusammenhalt stärken. Inzwischen profitieren Projekte aller neun Bürgerstiftungen von Mitteln aus dem w!r-Stiftungsfonds.

Starke Kieze brauchen Menschen, die loslegen.

„Helfen macht Schule“ ist eines von vielen Projekten in Berlin und Brandenburg, die direkt vor Ort Wirkung entfalten. Bürgerstiftungen wissen, was ihren Kiez bewegt. Und sie engagieren sich tatkräftig in ihrer Nachbarschaft.
Der w!r-Stiftungsfonds hilft ihnen, gute Ideen auf den Weg zu bringen.  So stärken wir gemeinsam den Zusammenhalt und eröffnen Chancen in Berlin und Brandenburg.
Erfahren Sie mehr über den w!r-Stiftungsfonds und die Projekte, die wir in unserer Region fördern.

Wirkung im Kiez, Blaupause für die Region

„Helfen macht Schule“ läuft jetzt im zweiten Jahr. Die Bürgerstiftung möchte das Format gerne langfristig fördern und mit weiteren Kooperationspartnern ausbauen. Nachhaltigkeit und die Übertragbarkeit auf andere Regionen sind dabei wichtige Ziele. Denn Heike Zeddies möchte, dass möglichst viele ihre Botschaft beherzigen: „Im Notfall immer helfen. Man kann nichts falsch machen. Es ist wichtig, in Aktion zu treten und sofort zu reagieren.“

Faktenbox

Erste Hilfe in Zahlen

  • 136.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand. 
  • 8 Minuten dauert es im Durchschnitt, bis der Rettungsdienst eintrifft.*****
  • 53,5 % der Wiederbelebungsmaßnahmen wurden 2025 bereits von Ersthelfenden begonnen. 
  • 10.000 Menschenleben könnten laut Bundesgesundheitsministerium jedes Jahr zusätzlich gerettet werden, wenn sich mehr Menschen eine sofortige Herzdruckmassage zutrauen.* 
Profilbild Nadine Engelking

Ihre Autorin

Nadine Engelking | Redakteurin

Nadine Engelking ist Redakteurin, Texterin und Content Creatorin bei der Berliner Volksbank. Sie verantwortete als PR-Beraterin und Autorin diverse Print- und Online-Publikationen mit Schwerpunkt im Corporate Publishing.

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