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Person mit Handschuhen hält ein junges Reh im hohen Gras.
Ein 4 Tage altes Rehkitz wird vorsichtig in Sicherheit gebracht, bevor das Feld gemäht wird.

11.06.2026 | Lesezeit: 4 Minuten

Wenn Drohnen Leben retten: Einsatz für die Rehkitze in Brandenburg

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 90.000 Rehkitze während der Mahd. In Brandenburg rettet der Rehkitzfinder e.V. die hilflosen Jungtiere. Wir waren dabei und zeigen, warum Spenden für Ausstattung eine wichtige Hilfe sind. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Jedes Jahr sterben in Deutschland tausende Rehkitze bei der Mahd – auch in Brandenburg sind viele Tiere gefährdet.
  • Der Rehkitzfinder e.V. rettet Jungtiere mit Wärmebilddrohnen und ehrenamtlichen Einsätzen.
  • Dank Crowdfunding über „Viele schaffen mehr“ konnte der Verein wichtige technische Ausstattung für die Rehkitzrettung anschaffen.

Regelmäßiges Mähen erhält die Wiese als Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Die beste Zeit dafür sind Mai und Juni. Auch in Brandenburg machen sich die Bauern zu dieser Zeit ans Werk. Die Kehrseite: Das hohe Gras bietet neugeborenen Rehkitzen einen guten Schutz vor Feinden. Deshalb verstecken die Rehmütter sie dort. Die Kitze haben in dem Alter noch keinen Fluchtreflex, sondern „ducken sich weg“. 

Allerdings können so auch die Bauern nicht sehen, ob sich auf der Wiese, die sie mähen wollen, ein junges Reh versteckt. Daher werden jedes Jahr tausende von ihnen durch Mähmaschinen getötet oder verstümmelt.

Rehkitzrettung in Brandenburg: Wie der Rehkitzfinder e.V. hilft

Der Rehkitzfinder e.V. aus dem brandenburgischen Kraatz, Gransee hat sich die Rettung der Kitze zur Aufgabe gemacht. Pascal Hanke hat den Verein im Mai 2023 gegründet. Ein Kindheitserlebnis hat ihn über die Jahre nicht losgelassen: Seine Eltern haben einen landwirtschaftlichen Nebenbetrieb. Schon als kleiner Junge hat er ihnen bei der Mahd geholfen. „Damals habe ich ein Rehkitz gefunden - etwa 20 Zentimeter vor den Messern meines Mähwerks,“ erzählt er. „Ich habe es einfach mit in meinen Traktor genommen, um es zu retten – damals noch unerfahren ohne Handschuhe, sodass die Rehmutter es nicht mehr angenommen hätte.“  Seine Mutter war erst wenig begeistert, als er das Kitz mit nach Hause brachte.  Gemeinsam haben sie dann aber versucht, es aufzupäppeln. „In diesem Fall leider vergebens,“ ergänzt Pascal. Jedoch ist daraus die Liebe zu den Tieren entstanden. Er hat sich intensiver mit der Problematik der Grünlandmahd befasst und gemeinsam mit seiner Mutter den Rehkitzfinder e.V. ins Leben gerufen.

Zusammengerolltes Rehkitz liegt im Gras versteckt.

Enge Zusammenarbeit mit Landwirten als Schlüssel

„Das Problem ist: Die Kitze kommen immer in den Monaten Mai und Juni zur Welt. Genau dann, wenn gemäht wird,“ so Pascal. Sein Team arbeitet sehr eng mit den Landwirten der Region zusammen. „Sämtliche Landwirte im Umkreis haben meine Handynummer. Sie geben mir Bescheid, wann sie welches Feld mähen.“ Das Team kann sich also rechtzeitig aufmachen, um die Felder systematisch abzusuchen. Dabei sind Planung und Flexibilität gleichermaßen gefragt.

So läuft eine Rehkitzrettung ab

Die Einsätze starten meist in den frühen Morgenstunden. So auch heute. Dominik von der Berliner Volksbank ist vor Ort dabei. Er begleitet die Rettungsaktion.

Zwischen 4 und 5 Uhr morgens, kurz nach Sonnenaufgang, lässt Pascal eine spezielle Drohne aufsteigen und in 70 Meter Höhe über das Feld kreisen. Die Aufnahmen werden direkt auf einen Bildschirm übertragen. Nach wenigen Minuten erscheint dort ein winzig kleiner weißer Punkt. Das Team marschiert los. Trotz Lokalisation über die Drohne ist es nicht leicht, das Tier zu finden. „Ich war erstaunt, wie klein die sind. Ich hätte das Kitz glatt übersehen,“ meint Dominik überrascht – als sie vor einem etwa 4 Tage alten Rehkitz stehen. 

Der Rehkitzfinder e.V. 

Der Verein besteht aktuell aus sieben festen Mitgliedern. Bei den Rettungseinsätzen unterstützen ihn zahlreiche Helfer*innen aus dem Umkreis. Pro Einsatz sucht der Verein – je nach Wetterlage und Entfernung – circa 50-70 Hektar ab. Hauptsächlich in Gransee und einem Umkreis von etwa 30 Kilometern. 

Künftig will der Verein sein Engagement noch stärker ausbauen und arbeitet an weiteren Kooperationen mit noch mehr landwirtschaftlichen Betrieben. 

Wer landwirtschaftliche Betriebe in der Region kennt oder selbst einen führt, kann sich hier an den Verein werden: anfragen@rehkitzfinder.com

Wenn Drohnen Leben retten: Einsatz für die Rehkitze in Brandenburg • Länge: 01:49 • Veröffentlicht: 11.06.2026

Mit Wärmebilddrohnen gegen den Mähtod

Moderne Technik ist eine riesige Hilfe bei der Tierrettung. Drohnen mit Wärmebildkamera machen die Temperaturunterschiede zwischen den Tieren und ihrer Umgebung sichtbar. „Laut Studien lassen sich mit Wärmebilddrohnen bis zu 90 Prozent der gefährdeten Rehkitze rechtzeitig entdecken und in Sicherheit bringen,“ so Pascal.

Finden die Helfer*innen ein Tier, bringen sie es aus dem Gefahrenbereich. Sie heben es vorsichtig in eine Transportbox und stellen diese am Rand des Feldes ab, bis das Feld vollständig gemäht ist. „Wichtig ist, dass die Box gut geschlossen und von oben abgedeckt ist,“ erklärt Pascal. „Damit in der Zwischenzeit keine Greifvögel das Kleine entdecken.“ 

Das Rehkitz selbst lässt alles ganz ruhig über sich ergehen. „Es hat uns nur mit großen Rehaugen angeschaut. Aber keinen Mucks von sich gegeben – weder beim Reinheben in die Box noch als wir es später wieder auf die Wiese gelegt haben,“ erzählt Dominik.

Erst als das Rehbaby wieder im Gras liegt, fängt es an zu Fiepsen. Damit seine Mutter es findet. 

Ehrenamt und Spenden machen die Rehkitzrettung möglich

Das Team des Rehkitzfinder e.V. besteht ausschließlich aus Ehrenamtlichen. Um ihre Einsätze durchführen zu können, brauchen sie die richtige Ausstattung und technische Hilfsmittel. Diese kann der Verein nur durch Spenden finanzieren. 

Der Rehkitzfinder e.V. hat dafür bereits zweimal erfolgreich die Crowdfunding Plattform „Viele schaffen mehr“ genutzt.

Crowdfunding mit „Viele schaffen mehr“

Auf der Crowdfunding Plattform „Viele schaffen mehr“ bringt die Berliner Volksbank in Berlin und Brandenburg gemeinnützige Vereine und Spender*innen zusammen:

  • Die Vereine können Herzensprojekte einstellen, für die sie Geld benötigen.
  • Menschen, die in ihrer Region Gutes tun möchten, können auswählen, wofür und wie viel sie spenden wollen.

Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele. Nach diesem genossenschaftlichen Erfolgsrezept funktioniert auch „Viele schaffen mehr“. Die Berliner Volksbank betreibt die Plattformen für Berlin und Brandenburg und fördert die eingestellten Projekte durch ihren Co-Funding-Anteil. 

Sie können die Zukunft unserer Region aktiv fördern und mitgestalten: Indem Sie ihr Herzensprojekt einstellen. Oder indem Sie Projekte durch Ihre Spende unterstützen. Jeder Beitrag zählt. 

Gemeinsam für den Tierschutz – mit Crowdfunding

Beim Crowdfunding können viele kleinere Einzelbeträge Großes bewirken. Für den Rehkitzfinder e.V. kamen insgesamt 12.869 Euro zusammen. Durch ihr Co-Funding hat die Berliner Volksbank 5.640 Euro dazu beigetragen.  

Der Verein konnte so nicht nur die Wärmebilddrohne anschaffen, sondern auch Funkgeräte, Transportkoffer und einen autarken Bildschirm. Dadurch sind die Rettungseinsätze noch effizienter und sicherer geworden. „Das Team kann beim Einsatz schneller und besser kommunizieren,“ hat Dominik beobachtet. „Mit dem Bildschirm können wir die Drohnendaten präzise auswerten,“ ergänzt Pascal. Und das Rehkitz ist sicher untergebracht, während die Stelle seines Verstecks gemäht wird.

Warum sich der Einsatz lohnt

Im Schnitt rettet der Rehkitzfinder e.V. acht Kitze pro Tag. Für heute sind die Jungtiere sicher. Die Landwirte können beruhigt ihrer Arbeit nachgehen. Manchmal entscheidet ein kurzer Drohnenflug darüber, ob ein Rehkitz eine Chance hat. Gerettet wird es von Menschen, die ihre Freizeit dafür einsetzen. Für Pascal und sein Team ist jedes einzelne Tier Grund genug, auch morgen wieder bei Sonnenaufgang auf dem Feld zu stehen.

Faktenbox

Wie erhält Mähen die Artenvielfalt? 

Die Wiesen würden sonst zu Buschland oder Wald werden. Den Pflanzen fehlen dann Licht und Nährstoffe. 

Warum lassen die Rehmütter (Ricken) ihre Kitze allein? 

Um sie zu schützen. Allein können die Kitze sich besser „unsichtbar“ für Feinde machen. Die Mütter schauen mehrmals am Tag nach ihnen und säugen sie. 

Vor welchen Feinden verstecken sich die Rehkitze?

Vor Wölfen, Wildschweinen, Luchsen und Füchsen

Wo „wohnen“ Rehe? 

Ursprünglich in Randzonen von Wäldern und Gebüschen. Heute kommen sie in allen Wäldern und sogar in der offenen Feldflur vor.

Schon gewusst? 

Rehe sind die kleinste Hirschart in Europa. Sie sind aber näher mit dem Elch verwandt als mit den in Deutschland heimischen Rot- oder Dammhirschen. 

Profilbild Nadine Engelking

Ihre Autorin

Nadine Engelking | Redakteurin

Nadine Engelking ist Redakteurin, Texterin und Content Creatorin bei der Berliner Volksbank. Sie verantwortete als PR-Beraterin und Autorin diverse Print- und Online-Publikationen mit Schwerpunkt im Corporate Publishing.

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