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Mitarbeiterin im Lager stapelt Kartons auf einer Palette zwischen Regalen.
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28.04.2026 | Lesezeit: 5 Minuten

Investieren in Lieferketten: Resilienz ist wichtiger als der Preis

Was tun, wenn die globalen Handelsströme ins Stocken geraten? Deutsche Unternehmen überprüfen jetzt ihre Lieferketten, setzen auf Nearshoring und Friendshoring und investieren in automatisierte Lager, in Cybersicherheit – und in die Weiterbildung ihrer Belegschaft. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Sicherheit geht vor: Deutsche Unternehmen hinterfragen derzeit ihre Lieferketten, um nicht von unerwarteten Ereignissen überrascht zu werden. 
  • Schwerpunkte ausbalancieren: Für Unternehmen gilt es aktuell, einen Kompromiss zu finden zwischen Kosteneffizienz, Agilität und Verlässlichkeit.
  • Investitionen priorisieren: Investitionen fließen vor allem in Lager, IT-Systeme und die Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Lieferketten sind immer nur so stabil wie ihr schwächstes Glied. Wo die Kette letztlich reißt, überrascht Unternehmen häufig, weil sie auf die Verlässlichkeit der globalen Handelsströme setzen. Doch daran hapert es mitunter, aus unterschiedlichen Gründen. Stürme halten Schiffe im Hafen, Konflikte gefährden den Nachschub an Rohstoffen, Zölle werden erhöht – oder es bricht eine weltweite Pandemie aus. Mit Corona war nun wirklich nicht zu rechnen, aber seitdem wissen Unternehmen – expect the unexpected –, dass sie auch das Unerwartete einplanen müssen. 

Um vorbereitet zu sein, fragen sich Unternehmen, mit welchen Lieferanten und anderen Geschäftspartnern sie künftig zusammenarbeiten wollen. Damit Konflikte, Zölle oder Wetterkapriolen ihnen möglichst wenig anhaben können. Das Ergebnis dieses Denkprozesses: Lieferketten werden derzeit neu miteinander verknüpft – einige Glieder werden aussortiert, andere neu aufgenommen. 

Abhängigkeiten abbauen, Resilienz steigern

„Ohne sichere Lieferketten verlieren wir Jobs und Spitzentechnik“, sagt etwa Andreas Kroll, Geschäftsführer des Berliner Rohstoffhändlers Noble Elements. Resilienz wird wichtiger als Kostenoptimierung, heißt es folgerichtig in der Studie „Procurement Imperative 2030“. Sie geht davon aus, dass Unternehmen ihre Lieferanten diversifizieren und in lokale Partnerschaften investieren, um geopolitische Risiken zu mindern. „Diese Änderung erfordert, dass Unternehmen Kosteneffizienz mit Sicherheit und Agilität in Einklang bringen“, heißt es in der Studie, „ein heikler, aber notwendiger Kompromiss.“ Der Aufbau enger Beziehungen zu Lieferanten, Partnern und sogar Wettbewerbern werde für die Resilienz unerlässlich sein, interpretiert Gordon Donovan, Vice President bei SAP, die Studienerkenntnisse. „Zusammenarbeit wird der Eckpfeiler für den zukünftigen Erfolg der Lieferkette sein.“

Investieren in Personal und Cybersicherheit

Dafür muss jetzt investiert werden – nicht nur in den Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen, sondern auch ins eigene Personal. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen die Möglichkeiten nutzen können, die ihnen beispielsweise KI-Tools bieten, um automatisierte und digitale Prozesse einzuführen. Unternehmen, die diese Qualifikationslücke nicht schließen, riskieren ineffiziente Abläufe und verpasste Innovationschancen.

Mit der zunehmenden Digitalisierung wächst allerdings zugleich eine andere Gefahr: die von Cyberattacken. Unternehmen tun daher gut daran, jetzt in Cybersicherheit zu investieren. Da Lieferketten zunehmend über Cloud-Plattformen und das Internet of Things vernetzt sind, sind sie besonders bedroht. Idealerweise nutzen Unternehmen eine KI-gestützte Bedrohungserkennung und Echtzeitüberwachung, um Cyberangriffe schnell zu erkennen – und abzuwehren. Die „Procurement Imperative 2030“-Studie positioniert sich in dieser Frage eindeutig: „Unternehmen, die jetzt in KI investieren, werden sich einen Wettbewerbsvorteil bei Agilität und Reaktionsfähigkeit verschaffen.“

Unser Beratungsangebot für Firmenkunden

Sprechen Sie mit ihrer Firmenkundenberaterin oder Ihrem Firmenkundenberater der Berliner Volksbank, wie sie Ihre Investitionen in resiliente Lieferketten priorisieren und anschließend umsetzen. Gemeinsam schnüren wir ein Finanzierungspaket, in das auch Fördermittel eingebunden werden können – so, wie es für Sie passt! 

Der Reiz von Friendshoring und Nearshoring

Diese Botschaften kommen an bei den Unternehmen. Ein Indiz dafür: Jedes fünfte Unternehmen will seine Lieferketten unabhängiger von den USA machen, besagt eine aktuelle Umfrage der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord. 28 Prozent der befragten Unternehmen sind dabei, ihre digitale Infrastruktur zu ändern: Sie setzen nicht mehr auf US-Software.

Schon seit Jahren beschäftigen sich auch Berliner und Brandenburger Unternehmen mit Friend-, Near- und Onshoring. Sie suchen verstärkt nach Lieferanten, die in befreundeten Demokratien (Friendshoring) oder in der Nachbarschaft (Nearshoring) produzieren. Manche holen gewisse Produktionsschritte zurück nach Deutschland (Onshoring). Alle drei Wege zielen darauf ab, Abhängigkeiten zu vermindern und die Lieferketten resilienter aufzustellen.

Vorratshaltung statt „Just in Time“

Zugleich ist klar, dass es weiterhin globale Warenströme geben wird – inklusive Störungen. Um davon nicht überrascht zu werden, verabschieden sich viele Unternehmen in Berlin und Brandenburg von der „Just in Time“-Logik und investieren in Lager. Vorratshaltung mag teuer sein – aber es ist besser, als keinen Zugriff auf wichtige Komponenten zu haben. Diese neuen Lager sind hochgradig automatisiert, deshalb entfallen auf die IT und ihren Schutz vor Cyberangriffen häufig ein Viertel der Investitionskosten. Auch wenn es kostet: Das ist gut und sinnvoll investiertes Geld.

 

Profilbild Vicky Thiemann

Ihre Autorin

Vicki ThiemannLeiterin Firmenkunden

Vicki Thiemann arbeitet seit 34 Jahren für die Berliner Volksbank. Heute leitet sie das Beratungscenter Firmenkundencenter in Adlershof und betreut die Fokusbranche Verkehr, Mobilität und Logistik. Sie engagiert sich leidenschaftlich  - auch ehrenamtlich - in zahlreichen Netzwerken und tauscht sich regelmäßig mit Unternehmerinnen und Unternehmern in Berlin und Brandenburg.

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