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Weltkugel neben kleinen Versandkartons auf Holztisch.
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23.06.2026 | Lesezeit: 6 Minuten

Investieren in neue Märkte: Chancen für deutsche Unternehmen

Das globale Handelsnetz bekommt Risse. Deutsche Unternehmen halten Ausschau nach neuen Partnern und neuen internationalen Märkten – mit Blick auf die Bedürfnisse von morgen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Krisenzeiten: Geopolitische und andere Verwerfungen geben Anlass, das eigene Geschäftsmodell und das Netzwerk von Partnern zu hinterfragen.
  • Auf gute Nachbarschaft: Die USA und China verlieren an Attraktivität, dafür steigen Investitionen bei den EU-Nachbarn, vor allem in Polen.
  • Freihandel: Indien gewinnt durch niedrige Zölle an Attraktivität, das gilt dank Mercosur auch für Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay.

Auch wenn die Handelsströme durch Zölle, Pandemien und kriegerische Konflikte gelegentlich ins Stocken geraten: Die Produkte und Dienstleistungen deutscher Unternehmen sind weiterhin gefragt. Gleichwohl kann es sich aufgrund geopolitischer und anderer Verwerfungen lohnen, international neue Partner zu finden oder neue Märkte zu erschließen. 

Den perfekten Standort dafür gibt es nicht. Allerdings kann es nie schaden, zu schauen, wo andere Firmen aus Deutschland investieren. Das erlaubt Rückschlüsse darauf, wo sich eine Ansiedlung lohnen könnte und wo beispielsweise Zulieferer benötigt werden. Kritisch geprüft werden muss in jedem Fall, wie schwierig oder einfach der Marktzugang ist. Ebenso wichtig: Wie verfügbar sind benötigte Vorprodukte und Rohstoffe? Denn Störungen in der Lieferkette wirken sich direkt auf die Margen aus. Berliner und Brandenburger Unternehmen können sich bereits im Vorfeld mit Expertinnen und Experten austauschen – etwa von Berlin Partner oder den Berliner und Brandenburger Investitionsbanken IBB und ILB.

Beratung für neue Märkte

  • Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie: Umfassende Unterstützung bei der Internationalisierung durch Branchennetzwerke und Messeteilnahmen im In- und Ausland.
  • Investitionsbank Berlin (IBB) und Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB): Ansprechpartner für Finanzierung, Förderoptionen und Mittelstandsförderung, um neue Märkte zu erschließen.
  • Enterprise Europe Network (EEN) Berlin-Brandenburg: Unterstützung bei internationalen Kooperationen, Innovationschecks zur Markterschließung und branchenspezifischen Matchmaking-Events.
  • Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Berlin-Brandenburg (MBG): Finanzierungspartner für Unternehmen, die durch Innovationen neue Märkte erschließen wollen.

Europäische Union: Verlässliche Lieferketten, qualifizierte Arbeitskräfte, keine Zölle

Hohe Zölle gefährden die besten Geschäftsbeziehungen, deshalb verliert die USA an Attraktivität, wie der „World Business Outlook“ der deutschen Außenhandelskammern festhält. Deutsche Unternehmen investieren stattdessen verstärkt im europäischen Binnenmarkt.

Nicht nur für Berliner und Brandenburger Unternehmen rückt Polen verstärkt in den Fokus. Der deutsch-polnische Handel erreicht Jahr für Jahr neue Rekordniveaus. Besonders enge Verflechtungen bestehen im verarbeitenden Gewerbe, bei Kfz-Teilen und elektrotechnischen Erzeugnissen. Deutsche Unternehmen schätzen den Standort, trotz steigender Lohnkosten, wegen der gut ausgebildeten Arbeitskräfte.

Mit qualifizierten Arbeitskräften punkten auch die Niederlande, Österreich, Italien und Spanien. Sie überzeugen – neben der geografischen Nähe – mit verlässlichen Lieferketten. Und Zölle? Gibt’s innerhalb der Europäischen Union nicht. 

Osteuropa: „Wachstums-Stars“ mit Investitionspotenzial

Wer Wachstumsmärkte sucht, schaut auf Osteuropa: „Wachstums-Stars“ nennt sie Germany Trade & Invest (GTAI): Industrialisierte Länder, die attraktive Bedingungen für neue Investitionsprojekte bieten – wie die sogenannten Visegrád-Staaten. Zu denen zählen neben Polen auch Ungarn, die Tschechische Republik und die Slowakei. Auch die Staaten auf dem Balkan imponieren mit steigender Kaufkraft : Sie sind daher nicht nur als Produktionsstandort, sondern auch als Absatzmarkt attraktiv.

Vietnam und Indonesien: Junge Bevölkerung mit Konsumbedarf

Noch spannender, allerdings auch riskanter, sind die aufstrebenden Märkte im Fernen Osten. Viele Expertinnen und Experten sehen hier in Vietnam und Indonesien Wachstumsregionen: Die Bevölkerung ist jung, und das Bedürfnis nach Konsum wächst stark. Wer vor Ort produzieren will, erwägt diese Staaten häufig als Alternative zu China. 

China selbst bleibt, neben den USA, noch immer der wichtigste Exportmarkt für deutsche Unternehmen. Allerdings zeigen Prognosen, dass seine Bedeutung allmählich sinkt – vor allem aufgrund zunehmender Regulierung. Da China zugleich ein riesiger Absatzmarkt ist, wäre es fahrlässig, sich vollständig zurückzuziehen. Aber eine Diversifizierung der Absatz‑ und Produktionsmärkte wird wichtiger.

Handelsabkommen mit Indien als Game-Changer 

Das im Januar 2026 beschlossene Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und Indien bezeichnet die Industrie- und Handelskammer als „Game-Changer“ für die deutsche Wirtschaft: Es soll die EU-Warenausfuhren nach Indien bis 2032 verdoppeln und jährlich rund 4 Milliarden Euro an Zöllen einsparen. Deutschland ist Indiens wichtigster Handelspartner innerhalb der EU. In den vergangenen Jahren nahmen die deutschen Investitionen im verarbeitenden Gewerbe um rund 40 Prozent zu.

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Produktion in den USA?

Die USA ist und bleibt wichtigster Abnehmer deutscher Waren. Der Handelsüberschuss zugunsten Deutschlands bleibt hoch, auch wenn die Exporte im vergangenen Jahr um rund 10 Prozent sanken. Einige Unternehmen überlegen, in den USA zu produzieren, um die hohen Zölle zu umgehen. In einer Umfrage des Bundesverbands der deutschen Industrie liebäugelten 26 Prozent der Befragten damit, ihre Fertigung ganz oder teilweise in die USA zu verlagern. 

Spannend bleiben auch die beiden US-Nachbarn, Kanada und Mexiko. Das CETA-Abkommen zwischen Kanada und der EU beseitigt seit 2017 einen Großteil der Zölle für Industriegüter und verbessert den Marktzugang – auch für deutsche Unternehmen. 

Freihandel mit Südamerika durch Mercosur

Südlich der US-Grenze ist Mexiko Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika, auch wenn das Handelsvolumen zuletzt leicht gesunken ist. 
In anderen lateinamerikanischen Ländern dürfte das Handelsvolumen kräftig ansteigen: Seit dem 1. Mai ist das EU-Mercosur-Abkommen zwischen der Europäischen Union und Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay vorläufig in Kraft getreten. Es soll eine der größten Freihandelszonen der Welt schaffen: Auf mehr als 90 Prozent aller Waren werden Zölle abgebaut. Das macht diese südamerikanischen Staaten für deutsche Unternehmen nochmals interessanter. 

Risiken bewerten und aktiv managen

Die Welt bietet noch viele weitere Potenzialmärkte. Die GTAI zählt etwa Ägypten, Usbekistan und Staaten des ehemaligen Jugoslawiens dazu. Sie punkten mit verfügbaren Arbeitskräften und geringen Kosten. So entwickele sich beispielsweise Marokko zum zentralen Nearshoring-Standort der europäischen Kfz-Zulieferindustrie. 

Ob es sich allerdings lohnt – oder es überhaupt möglich ist –, diese Chancen und Möglichkeiten zu nutzen, muss genau abgewogen werden. Investitionen in Wachstums- oder Potenzialmärkte rechnen sich nicht automatisch, die Situation vor Ort ist oft herausfordernd. Dazu kommt: Die geopolitische Lage bleibt fragil. Berliner und Brandenburger Unternehmen sind gut beraten, ihre Risiken zu managen, auf verlässliche Lieferketten zu achten und sich weniger abhängig von einzelnen Märkten zu machen. Zum Glück gibt es jede Menge an Alternativen.

Profilbild Marc Reichardt

Ihr Autor

Marc Reichardt | Leiter Beratungscenter Firmenkunden

Marc Reichardt ist seit Januar 2025 bei der Berliner Volksbank. Er leitet die Abteilung „Payment Solutions und International Desk“ und führt ein Team aus Spezialisten für Zahlungsverkehr, Auslandgeschäft und den International Desk. Neben dem Vertrieb sorgt er für die stetige Optimierung von Prozessen in dem Bereich.

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