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Preisverleihung mit Kindern und Erwachsenen auf einer Bühne, darunter die Übergabe eines Förderschecks.
Mit 14 Jahren trainieren Trixi und Juli Erwachsene im Floorball. Copyright: Judoschule Falkensee

29.09.2026 | Lesezeit: 5 Minuten

Mit 14 Jahren Erwachsene trainieren? Klar geht das.

Sterne des Sports: Judoschule Falkensee gewinnt Bronze

Trixi und Juli trainieren mit 14 Jahren Erwachsene im Floorball. Ihr Projekt „Vom Funken zur Flamme“ zeigt, wie Jugendliche Verantwortung im Sportverein übernehmen. Dafür hat es den Großen Stern des Sports auf lokaler Ebene gewonnen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Außergewöhnliches Engagement: Die 14-jährigen Zwillinge Trixi und Juli leiten eigenverantwortlich das Floorball-Training einer Erwachsenengruppe. 
  • Auszeichnung für gelebte Jugendbeteiligung: Mit dem Projekt „Vom Funken zur Flamme – Jugendliche trainieren Erwachsene“ zieht der Verein aus Brandenburg ins Landesfinale der Sterne des Sports ein.
  • Vorbild für andere Vereine: Das Konzept zeigt, wie junge Menschen durch Vertrauen und Verantwortung wachsen können und gleichzeitig einen Beitrag gegen den Trainer- und Nachwuchsmangel leisten.

Freitagabend, 20 Uhr in der Sporthalle der JUDOSCHULE Falkensee: Während viele Gleichaltrige ins Wochenende starten, stehen die 14-jährigen Zwillinge Trixi und Juli vor einer Gruppe Erwachsener. Sie leiten das Floorball-Training, dabei zeigen sie Übungen, erklären Spielformen und wenden verschiedene Trainingsmethoden an. Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist für die Zwillinge längst zum Alltag geworden. Sie planen Trainingseinheiten, vermitteln Technik und Taktik und übernehmen die Verantwortung für die Gruppe. 

Mit ihrem Projekt „Vom Funken zur Flamme – Jugendliche trainieren Erwachsene“ zeigt die JUDOSCHULE Falkensee, wie viel Potenzial in jungen Menschen steckt. Gerade wurde der Brandenburger Verein für dieses Engagement auf lokaler Ebene mit dem Großen Stern des Sports in Bronze ausgezeichnet – und hofft nun auf Silber im Landesfinale.

Im Interview erzählen Trixi und Juli, wie sie zu Trainerinnen wurden, warum eine Judoschule überhaupt Floorball spielt und warum Verantwortung keine Frage des Alters ist.

Trixi, Juli, zunächst herzlichen Glückwunsch zum Großen Stern des Sports in Bronze! Nun winkt das Landesfinale mit dem Silbernen Stern des Sports. 

Was ging euch durch den Kopf, als ihr davon erfahren habt?

Trixi: Wir konnten es erst gar nicht glauben. In den letzten Jahren wurde sehr viel Zeit und Energie in unser Projekt investiert, nicht nur von uns, sondern auch von allen, die uns unterstützt haben.

Juli: Dass dieses Engagement jetzt so eine Anerkennung bekommt, macht uns unglaublich glücklich. Wir hoffen, dass dadurch andere Vereine inspiriert werden, Jugendlichen mehr Vertrauen zu schenken.

Wie kam es überhaupt dazu, dass ihr angefangen habt, Erwachsene zu trainieren? Und wieso Floorball – ihr seid doch eine Judoschule?

Trixi: Unser Verein hatte schon immer mehrere Abteilungen, aktuell sind es 14. Als 2022 der Floorballverband Berlin-Brandenburg einen Falkenseer Verein suchte, der bereit war, Floorball anzubieten, hat sich die JUDOSCHULE gemeldet.  

Juli: Schon nach den ersten Einheiten hatten wir Feuer gefangen und wollten weiterspielen, als der Trainer vom Verband aufhörte. Anstatt also aufzugeben, haben wir die Sache selbst in die Hand genommen. Mit echter „Kids-Power“ haben wir die Abteilung Stück für Stück mit aufgebaut.

Und weil es keinen neuen Trainer gab, habt ihr euch entschlossen, selbst welche zu werden? 

Juli: Ja … so ungefähr. Durch den Trainermangel informierten wir uns darüber, wie man eigentlich Trainerin wird.

Trixi: Wir fanden heraus, dass dies erst ab 16 Jahren möglich ist. Da wir das ungerecht fanden, entwickelten wir gemeinsam mit dem Verein eine Kids-Trainer:in-Ausbildung für Kinder ab 10 Jahren.

Juli: Wir wollten nicht länger nur Spielerinnen sein, sondern aktiv Verantwortung übernehmen.

Sportvereine stärken den Zusammenhalt vor Ort

Ob Integration, Inklusion, Bildung oder Naturschutz: Viele Vereine engagieren sich weit über den Sport hinaus. Die „Sterne des Sports“ würdigen Vereine, die Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Die Berliner Volksbank unterstützt die „Sterne des Sports“, um dieses Engagement sichtbar zu machen und zu fördern.

Was musstet ihr dafür lernen?

Trixi: Wir haben gelernt, Einheiten zu planen und durchzuführen. Außerdem haben wir die Schiedsrichter-Ausbildung und einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert.

Juli: In diesem Jahr haben wir zusätzlich am offiziellen Basis-Trainer-Kurs von Floorball Deutschland teilgenommen.

Und wie war es dann als das Training mit den Erwachsenen begann? 

Juli: Naja, es gab anfangs schon ein paar Erwachsene, die gedacht haben „Moment mal. Ihr seid 14 Jahre? Und wollt uns trainieren? Wie soll das denn gehen?“

Trixi: Anfangs war es für beide Seiten ein Experiment: Werden die Erwachsenen auf uns Teenager hören?

Juli: Die Antwort war: Ja, und wie!

Trixi: Wir begegnen uns auf Augenhöhe. Bei uns lernen die Erwachsenen nicht nur das Spielen, sondern wir zeigen ihnen auch, wie wichtig Innovation und Teamgeist sind.

Juli: Die Erwachsenen respektieren uns als Trainerinnen, wir können Führungsverantwortung lernen und über uns hinauswachsen.

Was habt ihr durch diese Aufgabe gelernt?

Trixi: Wenn man als 14-Jährige eine Gruppe von Erwachsenen leitet, entwickelt man ein ganz neues Selbstbewusstsein. Wir lernen, uns selbst zu organisieren, vor Menschen zu sprechen und eine Gruppe anzuleiten. 

Juli: Diese Kompetenzen brauchen wir nicht nur im Sport, sondern sie helfen uns in unserem gesamten Leben. Wir warten nicht mehr darauf, dass Erwachsene uns den Weg zeigen. Stattdessen übernehmen wir selbst das Kommando. 

Euer Projekt hilft auch eurem gesamten Verein. Wieso?

Trixi: In unserem Alter hören viele mit dem Sport auf, aber unser Verein gibt uns eine echte Aufgabe. Weil wir Jugendlichen merken, dass wir gebraucht und ernst genommen werden, bleiben wir dem Verein treu.

Juli: Es geht nicht nur darum, wer besonders gut im Sport ist. Man kann durch seine Persönlichkeit und sein Engagement glänzen. Der Verein gewinnt dadurch nicht nur Mitglieder, sondern vor allem flexible Trainerinnen, die auch einspringen, wenn mal ein Erwachsener ausfällt.

Was möchtet ihr anderen Vereinen mitgeben?

Trixi: Traut euch! Gebt uns Jugendlichen den Raum zum Entwickeln und Wachsen. Wenn man uns Vertrauen schenkt, geben wir Verantwortung zurück. Man braucht keine riesigen Budgets, man braucht nur den Mut, uns Jugendlichen die Trillerpfeife in die Hand zu drücken.

Juli: Wir geben anderen Vereinen aber auch etwas ganz Praktisches mit: Unsere Module für Trainingsgestaltung und Erste Hilfe sind so aufgebaut, dass jeder Verein sie übernehmen kann. 

Gibt es etwas, das euch besonders stolz macht?

Juli: Dass wir so viel bewirken. Unsere Trainingsgruppe feiert erste Erfolge im Floorball, während wir die Idee, Jugendlichen die Leitung von Sporteinheiten zu übertragen, verbreiten.  

Trixi: Sogar in der Schule gestalten wir inzwischen AGs, leiten Sportstunden oder unterstützen Projektwochen. 

Und was nehmt ihr mit zum Landesfinale?

Juli: Unsere Überzeugung, dass Kompetenz und Engagement keine Altersgrenzen kennen.

Trixi: Und dass aus einem kleinen Funken mit ein wenig Mut und Fantasie eine große, lodernde Flamme werden kann.

Die Sterne des Sports: Ablauf und Preisgelder des Wettbewerbs

Der Wettbewerb verläuft in drei Stufen: 

  • Bronze – auf lokaler Ebene
  • Silber – auf Landesebene
  • Gold – auf Bundesebene

Die Siegprämie auf Bundesebene beträgt 10.000 Euro.

Zusätzlich gibt es bereits auf lokaler und Landesebene Preisgelder zu gewinnen. In Berlin und Brandenburg vergibt die Berliner Volksbank jedes Jahr insgesamt 14.200 Euro. 

Die Sterne des Sports in Gold werden abwechselnd vom Bundespräsidenten oder Bundeskanzler verliehen und von der ARD-Sportschau live gestreamt.

Profilbild Nadine Engelking

Ihre Autorin

Nadine Engelking | Redakteurin

Nadine Engelking ist Redakteurin, Texterin und Content Creatorin bei der Berliner Volksbank. Sie verantwortete als PR-Beraterin und Autorin diverse Print- und Online-Publikationen mit Schwerpunkt im Corporate Publishing.

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