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Zwei Hände, mit schwarzem Öl verschmutzt, formen eine Schale und halten eine kleine Menge Flüssigkeit.
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19.03.2026 | Lesezeit: 8 Minuten

Nahost-Situation: „Öl ist zu wichtig für einen langen Krieg“

Wie wirkt sich der Krieg am Persischen Golf auf Energiepreise, Inflation und Zinsen in Europa aus? Dr. Jan Holthusen, Leiter Research und Volkswirtschaft der DZ Bank, erklärt, unter welchen neuen Vorzeichen deutsche Unternehmen nun Entscheidungen treffen müssen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Szenario 1: Die Lage in Nahost beruhigt sich in ein paar Wochen, der Ölpreis sinkt und die deutsche Konjunktur nimmt weiter Fahrt auf. 
  • Szenario 2: Der Krieg mag offiziell beendet werden, die Krise bleibt: Der Ölpreis bleibt hoch, die Inflation steigt und das deutsche Wachstum erlahmt. 
  • Szenario 3: Bei anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen droht eine Stagflation: kein Wirtschaftswachstum, dafür ein Inflationsschub. 

Die Straße von Hormus ist blockiert. Zu normalen Zeiten passieren täglich Tanker mit 20 Prozent des weltweit geförderten Erdöls und ebenso 20 Prozent des Flüssiggases (LNG) die Meerenge am Persischen Golf. Wenn der Iran jetzt gelegentlich mal einen Öltanker durchlässt, zeigt diese scheinbare Großzügigkeit dem Rest der Welt, über welche Druckmittel das Mullah-Regime verfügt. Auch wenn die Öl- und Gastanker vor allem nach China und Indien, Südkorea und Japan unterwegs sein sollten: Die Preise für Erdöl und Erdgas steigen überall in der Welt. An deutschen Tankstellen müssen für den Liter Super oder Diesel mehr als zwei Euro bezahlt werden – wo soll das alles enden? Dr. Jan Holthusen, Leiter Research und Volkswirtschaft der DZ Bank, hat drei Antworten parat – je nachdem, wie lange sich der Krieg am Persischen Golf noch hinzieht.

Szenario 1: Aktienmärkte profitieren von schneller Deeskalation

Gewählt wurde US-Präsident Donald Trump, damit er sich – America first! – um die USA statt um den Rest der Welt kümmert. Weil er sich daran nicht hält, so sehen es viele seiner Wähler, steigen auch in den USA die Spritpreise an den Tankstellen. „Im Szenario ,Schnelle Deeskalation‘ verkündet Trump spätestens in einigen Wochen seinen Sieg, vereinbart einen Waffenstillstand und zieht sich aus dem Krieg zurück“, sagt Holthusen. 

Kurz nach dem Waffenstillstand werden Öl- und Gaspreis wieder auf das Vorkriegsniveau sinken, die deutsche Konjunktur verliert nicht an Fahrt und „die Gewinne an den Aktienmärkten dürften deutlich anziehen“. Der Leitzins der EZB, so schätzen es die Volkswirte der DZ Bank ein, würde wohl im Jahresverlauf unverändert bleiben und erst 2027 leicht angehoben werden. In den USA würde die Fed noch im Frühsommer den Leitzins senken.

Szenario 2: Andauernde Spannungen belasten die Konjunktur

Selbst unter der Annahme, dass Trump den Krieg bald für „erfolgreich beendet“ erklärt, ist eine zügige Rückkehr zur Normalität wohl nicht mehr möglich. Die Machtdemonstration in der Straße vom Hormus hat eindrucksvoll bewiesen, wie empfindlich der Iran die Weltwirtschaft treffen kann. Dieses Instrument wird das Regime nicht einfach aufgeben, so dass die Analysten der DZ Bank nun davon ausgehen, dass der Schiffsverkehr durch das maritime Nadelöhr selbst nach einer Beendigung der Kampfhandlungen nicht mehr vollumfänglich aufgenommen werden kann.

Dieses Szenario ist nach Ansicht der DZ Bank das wahrscheinlichste. Es führt zu anhaltend hohen Energiepreisen und Störungen in der Lieferkette bei vielen Gütern jenseits von Öl und Gas. In der Eurozone könnte die Inflation über 3 Prozent steigen, die die Jahresrate läge dann bei 2,8 Prozent. Für die EZB ergibt sich somit die Notwendigkeit, den Leitzins deutlich früher zu erholen als geplant. Die Die DZ Bank rechnet in diesem Jahr mit Zinserhöhungen im Umfang von 50 Basispunkten. Auch in den USA wird der Druck auf die Fed zunehmen: Die geplanten Zinssenkungen werden im laufenden Jahr nicht mehr möglich sein.

Online-Seminar "Nahost-Eskalation – Einordnung für Märkte und Wirtschaft" vom 17.03.2026

Seminarunterlagen und Aufzeichnung 

Die Inhalte dieses Artikels basieren auf den Ausführungen von Dr. Jan Holthausen in unserem Online-Seminar "Nahost-Eskalation – Einordnung für Märkte und Wirtschaft" vom 17.03.2026. 

Hier können Sie sich die Seminarunterlagen herunterladen und die komplette Aufzeichnung des Online-Seminars anschauen.


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Seminaraufzeichnung

Seminaraufzeichnung

Online-Seminar: Nahost-Eskalation – Einordnung für Märkte und Wirtschaft • Länge: 57:40 • Veröffentlicht: 17.03.2026

Szenario 3: Stagflation ist die Folge eines andauernden Krieges

Sollten sich die kriegerischen Auseinandersetzungen fortsetzen, droht eine Stagflation: kein Wirtschaftswachstum, dafür ein deutlicher Inflationsschub. Die EZB müsste den Leitzins erhöhen, die Fed sich von allen geplanten Zinssenkungen verabschieden. In Deutschland würde die Inflation spätestens 2027 die 3-Prozent-Marke nehmen, das Wachstum der Wirtschaft käme fast komplett zum Erliegen. 

Die einzig gute Nachricht bei diesem Kriegsszenario: Es ist derzeit das unwahrscheinlichste der drei Szenarien. 

„Öl ist mehr als genug da“

Die Anrainerstaaten des Persischen Golfs haben ihre Lager bereits bis zum Anschlag gefüllt und drosseln jetzt die Förderung. „Öl ist mehr als genug da“, sagt Jan Holthusen. „Es kommt momentan nur nicht dort an, wo es gebraucht wird.“ Was sich ändern würde, sobald der Krieg für beendet erklärt wird. Das könnte noch in diesem Frühjahr passieren, sagt Holthusen: „Öl ist viel zu wichtig für einen langen Krieg.“

Der Artikel basiert inhaltlich auf dem Online-Seminar der Berliner Volksbank vom 17.03.2026. Darin sprach Dr. Jan Holthusen zur Lage im Nahen Osten und den Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Er berücksichtigt auch die aktualisierte Bewertung des DZ BANK Research vom 24.03.2026.


Profilbild Dr. Jan Holthusen

Ihr Experte

Dr. Jan Holthusen | Leiter Bereixch Research und Volkswirtschaft bei der DZ-Bank

Dr. Jan Holthusen leitet seit 2021 den Bereich Research und Volkswirtschaft bei der DZ BANK und damit die größte Research-Einheit im deutschsprachigen Raum. Holthusen trat nach seiner Promotion als Analyst in das Rentenresearch der damaligen DG BANK ein und übernahm drei Jahre später als Gruppenleiter die Zinsanalyse. Von 2002 bis 2020 war er als Abteilungsleiter verantwortlich für das Fixed Income Research, das neben der Zins- und Währungsanalyse auch das Credit Research umfasst.

Profilbild Michael Prellberg

Ihr Autor

Michael Prellberg | Journalist

Michael Prellberg war Redakteur bei der Berliner Zeitung, der FTD und beim Unternehmermagazin impulse. Er arbeitet als freier Journalist, Redakteur und Kommunikationsberater. Seine Texte erscheinen u.a. in Capital, im Manager Magazin und in der ZEIT.

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