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Ein Mann steht vor einem alten Haus auf der Straße und hält 3 nostalgische Metallschilder hoch

05.02.2026 | Lesezeit: 7 Minuten

Nostalgic-Art Merchandising: der etwas andere Hidden Champion

Was aussieht wie putziger Retro-Schnickschnack, ist ein knallhartes Geschäft mit Lizenzen von global gefragten Markten. In drei Jahrzehnten hat Teja Engel so ein Unternehmen mit weltweiter Präsenz aufgebaut: Nostalgic-Art Merchandising.

Firmenkunden - Geschäftsstrategie - Artikel 

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit „Geschenk- und Dekorationsartikel im Retro-Stil“ lässt sich ein florierendes, weltweit aktives Unternehmen aufbauen.
  • Die Herausforderung: Lizenzen von bekannten Marken zu bekommen. Das ist häufig zeitintensiv – und fast immer teuer.
  • Retro heißt keineswegs, Altes zu kopieren: Die Designer von Nostalgic-Art Merchandising folgen, kreieren und bedienen Trends.

Wer seinem Leben eine Richtung geben will, braucht mitunter eine Inspiration. Teja Engel hat sich im englischen Canterbury inspirieren lassen. Nicht von der imposanten Kathedrale, sondern von einem unscheinbaren Laden. Der war zum Bersten gefüllt mit nostalgischem Krimskrams: Werbeschilder mit Cadbury-Motiven, alte Mini-Cooper-Poster, Tassen mit Typhoo-Werbung und noch viel, viel mehr. „Ich habe dort Mitbringsel für meine Familie gekauft“, erinnert sich Engel, „und die hat sich offenbar wirklich gefreut.“

Das war der Impuls, der sich später als Inspiration herausstellte. Was wäre, fragte sich Engel, wenn er solche Retro-Mitbringsel in Berlin anbieten würde? Erste Versuche auf Straßenmärkten in Tegel zeigten: „Viele Menschen sind regelrecht Fans von bestimmten Marken.“ Der Weg von Teja Engel führte von Straßenmärkten über ein Geschäft in Ku’dammnähe rasch zum Großhandel solcher Nostalgie-Devotionalien. Engel spricht lieber von „Geschenk- und Dekorationsartikel im Retro-Stil“. 30 Jahre nach dem Start beschäftigt sein Unternehmen, Nostalgic-Art Merchandising, mehr als 40 Mitarbeiter, kommt auf einen zweistelligen Millionen-Euro-Umsatz und ist mit seinen Produkten weltweit vertreten. Ein Berliner Hidden Champion, der zweifellos ungewöhnlichen Art. 

Zehn Jahre Buhlen um die Lizenz

Der Weg zum Erfolg war keineswegs einfach. „Die Verträge mit den Markeninhabern sind hammerhart“, sagt Engel. Mitunter vergehen Jahre – gelegentlich fast ein Jahrzehnt – bis eine Lizenz überhaupt zustande kommt. Damit Nostalgic-Art Merchandising für Marken wie BMW oder Harley-Davidson, Mercedes-Benz oder John Deere, Coca-Cola oder Vespa tätig werden darf, werden fünf- bis sechsstellige Lizenzgebühren fällig. In manchen Verträgen nehmen sich die Lizenzgeber zudem das Recht heraus, unangemeldet vorbeizuschauen und die Bücher zu checken. Engel: „Und das machen die auch.“

So übergriffig das wirken mag: Geprüfte Bücher bauen Vertrauen auf. „Coca-Cola hat uns mal zum Lizenznehmer des Jahres gekürt, darauf sind wir stolz“, sagt Engel. Ebenso stolz zeigt sich der Firmenchef, dass seine John-Deere-Produkte inzwischen überall in der EMEA-Region stehen – von Skandinavien bis zum Mittelmeer, von den Golfstaaten bis nach Südafrika, von Portugal bis Griechenland.

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Retro – jetzt ganz neu

Insgesamt mehr als 50 Länder beliefert Nostalgic-Art Merchandising vor allem mit Blechschildern. Außerdem gibt es Tassen und Dosen, Wanduhren und Magnete und einiges mehr. Zu finden sind die Produkte im Geschenk- und Lifestyle-Fachhandel, sowie in Bau- und Möbelmärkten. Auch in Warenhäusern, im Einzel-, Buch- und Zoohandel gibt es die nostalgischen Blechschilder und -postkarten zu kaufen. „Manchmal entdecken wir ungewöhnliche Vertriebswege“, sagt Firmenchef Engel. „So hätte ich niemals gedacht, dass wir eine Million Pillendöschen über Apotheken würden verkaufen können.“

Das Design – nicht nur der Pillendosen – ist zwar retro, doch das heißt keineswegs, dass Motive aus den 1950er- oder 1960er-Jahren kopiert würden. Die Designs seien zwar dem Original nachempfunden, sagt Engel, „aber damit das heute ankommt, muss man nachbessern.“ Das übernehmen hauseigene Designer. Und Nostalgic-Art Merchandising schickt Trendscouts los, die erkunden, was gerade angesagt ist. Jährlich erscheinen zwei neue Kollektionen. 

Die Zentrale in der Kanonenhalle

Bei dieser Expansion an Engels Seite: die Berliner Volksbank. „Ich fühle mich sehr persönlich beraten“, sagt Teja Engel, „zwischen uns passt kein Blatt.“ Außer natürlich, man lädt ihn als Volksbank-Mitglied zu einem Union-Spiel ein (Spiel des falschen Berliner Fußballvereins) – für einen lebenslangen Hertha-Fan, der auf seinem ersten Klassenfoto ein Hertha-Trikot trug, eine echte Herausforderung.

Unzertrennlich sind Teja Engel und die Berliner Volksbank seit der Finanzierung der Kanonenhalle auf dem Borsiggelände. Die Halle wurde 1916 gebaut, um Munition zu produzieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand sie lange leer. 2008 kauft Engel die Ruine – und richtete sie denkmalgerecht wieder her. „Als Kind habe ich da selbst noch die Scheiben eingeworfen“, erzählt er. „Ein paar Jahrzehnte später durfte ich dafür bezahlen, dass wieder Glas in die Fenster kommt.“ Er kaufte auch alte Zielgesteine von anderen Fabriken aus der Kaiserzeit, um damit Teile der Gemäuer im Original-Look neu aufzubauen. 

Öffentlich gefördert wurde die Renovierung nicht. Aber finanziert: durch die Berliner Volksbank. Engel brauchte einen Millionenbetrag, damit die Kanonenhalle wieder in alter Pracht erstrahlen kann. Später kam noch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hinzu, die 70 Prozent der benötigten Energie liefert. 

Unternehmerische Energie hat Nostalgic-Art eh im Übermaß. Dass die Nachfrage nach Geschenk- und Dekorationsartikeln im Retro-Stil zurückgehen könnte, glaubt Firmenchef Teja Engel nicht: „Was wir anbieten, ist allseits beliebt und nicht zu teuer – das verleitet zu Impulskäufen.“ Schon jetzt passen die Produkte nicht mehr in die Kanonenhalle, 2000 Paletten sind in einem Lagerraum im Brandenburgischen untergebracht. Die Zeichen stehen weiter auf Expansion.

www.shop.nostalgic-art.de

www.nostalgic-art.de

Profilbild Michael Prellberg

Ihr Autor

Michael Prellberg | Journalist

Michael Prellberg war Redakteur bei der Berliner Zeitung, der FTD und beim Unternehmermagazin impulse. Er arbeitet als freier Journalist, Redakteur und Kommunikationsberater. Seine Texte erscheinen u.a. in Capital, im Manager Magazin und in der ZEIT.

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