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Zwei Geschäftsleute gehen mit Kaffee über einen historischen Platz und unterhalten sich.
© Marcel Schwickerath

05.05.2026 | Lesezeit: 5 Minuten

Potsdam im Wandel: Wie Stadtentwicklung, Wohnraum und Wirtschaft die Zukunft der Region prägen

Der Alte Markt in Potsdam steht für Wandel und Aufbruch. Carsten Jung, Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank, und Oberbürgermeisterin Noosha Aubel sprechen über Potsdam als Wirtschaftsstandort, Stadtentwicklung, Wohnraum und Infrastruktur – und über den Spagat zwischen Tempo und Geduld bei großen Veränderungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Potsdam im Wandel: Die Stadt wächst – mit dem Anspruch, Entwicklung und Lebensqualität in Balance zu halten. 
  • Starker Zukunftsstandort: Wissenschaft, KI, Medien und innovative Unternehmen treiben Potsdams wirtschaftliche Entwicklung voran. 
  • Wohnraum bleibt zentral: Neue Quartiere, bessere Infrastruktur und schnellere Prozesse sollen Wachstum und Bezahlbarkeit sichern.

Carsten Jung: Frau Aubel, wenn Sie heute durch Potsdam gehen: Was fällt Ihnen gerade besonders ins Auge?

Noosha Aubel: In meiner neuen Rolle als Oberbürgermeisterin erlebe ich die Stadt noch mal anders als in den Jahren zuvor. Was mich im Moment besonders bewegt, ist die Dynamik in der Gesellschaft, diese Stadt gemeinsam weiterentwickeln zu wollen. Man spürt förmlich, dass hier etwas wächst, nicht nur baulich, sondern auch im Miteinander. Ob in der historischen Mitte, in neuen Quartieren oder an unseren Wissenschaftsstandorten: Es wird gestaltet, diskutiert, ausprobiert. Gleichzeitig sehe ich, wie wichtig den Menschen ihre Lebensqualität ist – die Parks, die Zentren, die Seen, die Nachbarschaften. Diese Balance zwischen Bewahren und Entwickeln ist für mich ein starkes Bild unserer Stadt. Und ich freue mich auch über jeden kleinen Erfolg, der im Leben der Menschen etwas zum Positiven verändert.

Brandenburg wird oft über Berlin definiert. Worin liegt aus Ihrer Sicht die eigene Stärke der Region, wirtschaftlich wie gesellschaftlich?

Brandenburg hat eine ganz eigene Identität. Und mit Berlin in der Mitte haben wir eine Metropolenregion, deren Infrastruktur und Know-how sehr ausgeprägt sind. Wir haben starke Handwerksstrukturen, eine wachsende Digital- und Kreativszene sowie einen kleinen, aber innovativen Anteil an Industrie. Zugleich sind unsere Städte gerade rund um die Bundeshauptstadt, aber auch in ländlichen Räumen eng miteinander verwoben. Diese Nähe zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft schafft Vertrauen und ermöglicht schnelle Wege. Das Wichtigste daran: Wir sind nicht im Schatten von Berlin, wir sind ein eigenständiger Gestaltungsraum.

Entwicklung passiert nicht von selbst. Wo haben Sie gerade das Gefühl: Hier kommt etwas in Bewegung, auch wenn es Zeit braucht?

Geduld gehört ehrlicherweise nicht zu meinen Kernkompetenzen, das habe ich auch im Wahlkampf immer wieder gesagt. Aber ich sehe, dass es Entwicklungen gibt, die viele Jahre dauern. Das sind nicht nur Stadtentwicklungsprojekte wie etwa in Potsdam die Entwicklung des neuen Quartiers Krampnitz mit bis zu 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in den kommenden Jahren. Es sind vor allem die Change-Prozesse, die viel Kraft und Geduld brauchen. Aber sie sind angestoßen. Und ich erlebe viel Bereitschaft in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft, Verantwortung zu übernehmen. Das stimmt mich optimistisch.

Wenn Sie auf Potsdam und Brandenburg schauen: Wo sehen Sie wirtschaftliche Potenziale, von denen die Menschen in der Region langfristig profitieren können?

Wir haben enorme Potenziale in der Wissenschafts- und Medienlandschaft, etwa rund um das Hasso-Plattner-Institut, den Science Park und das traditionsreiche Studio Babelsberg. Hinzu kommen innovative Unternehmen im Bereich IT sowie Gesundheitswirtschaft und Energietechnologie. Das Land Brandenburg baut gemeinsam mit der Hasso Plattner Foundation und der Stadt Potsdam die universitäre Landschaft in Potsdam zum Teil neu auf. Es entsteht in den kommenden Jahren ein kompletter neuer vierter Campus. Zudem wird der Uni-Standort am Griebnitzsee zu einem KI-Exzellenzzentrum ausgebaut. Eine große Chance für Potsdam und den Standort mit internationalen Forschungsschwerpunkten. Davon profitieren die Menschen langfristig, wenn wir Wertschöpfung hier halten: durch gute Arbeitsplätze, durch Kooperationen mit Hochschulen und durch Ausbildungsangebote. Entscheidend ist, dass Wachstum nachhaltig und sozial ausgewogen gestaltet wird.

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Viele Aufgaben lassen sich heute nur gemeinsam lösen. Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit Verwaltung und Wirtschaft effizienter zusammenarbeiten?

Verlässlichkeit und Transparenz. Häufig agiert Verwaltung aus dem Blickwinkel Wirtschaft zu langsam, dessen bin ich mir bewusst. Klare Verfahren sichern aber auch Beteiligung und dienen dem Interessenausgleich aller – das dauert seine Zeit, wenn auch häufig zu lange. Insgesamt hilft uns ein Mindset, das sich in die Bedürfnisse und Rahmenbedingungen des Gegenübers einfühlt. Und eine Kultur des Ermöglichens in der Verwaltung. Daran arbeite ich täglich. Wir brauchen eine transparente Kommunikation miteinander sowie nachvollziehbare Entscheidungen. Gleichzeitig braucht Verwaltung frühzeitigen Austausch, damit Projekte realistisch geplant werden können. Wenn wir uns als Partner verstehen – mit unterschiedlichen Rollen, aber gemeinsamen Zielen –, entstehen Lösungen schneller und tragfähiger.

Wohnen beschäftigt viele Menschen in Potsdam. Woran würden Bürgerinnen und Bürger merken, dass sich hier spürbar etwas zum Guten verändert?

Sie würden es merken, wenn Wohnraum verfügbarer wird – in unterschiedlichen Preissegmenten. Wenn Genehmigungen schneller erfolgen. Wenn neue Quartiere nicht nur Wohnungen bieten, sondern auch Kitas, Grünflächen und Nahversorgung. Und wenn Bestandsmieterinnen und -mieter Sicherheit spüren. Es geht nicht nur um Neubau, sondern um Vertrauen. Leider sind die Preise für Neubau derzeit so hoch, dass es für Wohnungseigentümer am Ende ein Risiko ist, in die Vermietung zu gehen, und für Mieter kaum erschwinglich ist. Das ist ein Problem, das wir auf kommunaler Ebene nicht allein lösen können. Dazu braucht es Bund, Land, Kommune und Unternehmen, die bereit sind, in Wohnraum zu investieren, und diesen beispielsweise für eigene Mitarbeitende vorhalten.

Viele Unternehmen denken in langen Zeiträumen. Was ist Ihnen wichtig, damit Potsdam und Brandenburg für Firmen ein verlässlicher Standort für Investitionen bleiben?

Planungssicherheit ist entscheidend. Klare politische Rahmenbedingungen, eine leistungsfähige Infrastruktur, gute Fachkräfte. Wir müssen zeigen, dass wir verlässlich handeln – auch über Wahlperioden hinaus. Dazu gehört eine enge Abstimmung mit dem Land Brandenburg und eine klare wirtschaftspolitische Strategie. Mittelfristig wäre es schön, wenn wir es schaffen, unseren Haushalt neu zu ordnen und dass die Ausgaben wieder den Einnahmen entsprechen. Es ist nicht sinnvoll, jedes Jahr neue Abgaben zu beschließen, um die Einnahmen zu erhöhen. Wir werden Ausgaben reduzieren müssen.

Was würden Sie Unternehmerinnen und Unternehmern mitgeben, die überlegen, sich in Potsdam oder Brandenburg stärker zu engagieren?

Sie sind herzlich willkommen. Bringen Sie Ihre Ideen ein. Diese Region lebt von Menschen, die gestalten wollen. Hier finden Sie hoch qualifizierte Fachkräfte, exzellente Forschung, internationale Netzwerke – und eine hohe Lebensqualität. Wer langfristig denkt und Verantwortung übernimmt, findet hier gute Bedingungen. Und unsere Wirtschaftsförderung hilft Ihnen dabei.

Profilbild Maximilian Klein

Ihr Autor

Maximilian Klein

Seine berufliche Reise startete Maximilian Klein mit einer Ausbildung in Marketing und Kommunikation, gefolgt von einem Journalismusstudium. Sein Weg führte ihn zu Tätigkeiten bei renommierten Radiosendern wie Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk sowie zu Stationen im Ausland, darunter Südafrika, USA, Israel und die Schweiz. Jetzt engagiert er sich bei der Berliner Volksbank im Corporate Publishing und erforscht dabei u. a. das Potenzial generativer KI für innovative Kommunikationsstrategien.

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