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Techniker installiert ein Umweltmessgerät an einem Mast mithilfe einer Hubarbeitsbühne unter freiem Himmel
DEUS POLLUTRACK: präzise Messtechnik und extrem wartungsfreundlich © DEUS POLLUTRACK

23.09.2026 | Lesezeit: 6 Minuten

Präzisionsarbeit trifft Zukunftstechnik: „Das war wirklich ein Quantensprung“

Bei Füllner+Partner in Stahnsdorf verschmelzen Jahrzehnte Ingenieurstradition mit einer Innovation, die international Beachtung findet: DEUS POLLUTRACK. Ein spezialisiertes Team misst heute Luftqualität und Methanlecks für Industrieanlagen in ganz Europa und ist damit für einen der wichtigsten Wirtschaftspreise der Region nominiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 1992 in Stahnsdorf: Was als mechanische Fertigung für Automotive-, Aviation und Bahnkunden begann, hat sich um eine eigene Messtechnik-Sparte erweitert.
  • Technologischer Vorsprung: Mit seiner Innovation hat sich DEUS POLLUTRACK zu einem international beachteten Player in der Emissionsmesstechnik entwickelt.
  • Nominiert für den Brandenburger Innovationspreis: Die Vergabe findet am 25. September statt, in diesem Jahr mit Schwerpunkt Digitalisierung.

Zwischen frisch bearbeiteten CNC-Teilen liegt in der Fertigungshalle von Füllner+Partner in Stahnsdorf eine unfertige Laterne – noch roh, ohne Lack. Es handelt sich um eine Nachbildung der historischen Schinkellaternen, die bis heute in Potsdam stehen, erklärt Marc Nodorft, CEO von DEUS POLLUTRACK. Gegossen wird im klassischen Sandgussverfahren, einer Technik, die über hundert Jahre alt ist.

Nur ein paar Hallen weiter zeigt sich der Kontrast dazu: Hier entstehen Komponenten für DEUS POLLUTRACK, ein europäisches Spin-off-Unternehmen, dessen Geräte heute Luftqualität und Methanlecks für Industrieanlagen in ganz Europa messen. Füllner+Partner entwickelt und fertigt dafür als Ingenieurbetrieb die mechanischen Komponenten, während DEUS POLLUTRACK selbst Sensorik, Software und Vertrieb verantwortet. Nur mit enormer Präzisionsarbeit gelingt beides, das fehlerfreie Gehäuse wie das messgenaue Sensorsystem. Jetzt wurde das System für den Brandenburger Innovationspreis nominiert. 

Ein Vertrauensverhältnis von Anfang an

Im Kerngeschäft fertigt Füllner+Partner Metall- und Kunststoffteile in Losgrößen von Stückzahl 1 bis 1000 – für Kunden wie die Deutsche Bahn, Knorr-Bremse oder Porsche. Genau in dieser Nische zwischen Einzelanfertigung und Massenproduktion liegt die Stärke des Betriebs. Gussteile werden seit 1993 im Schwesterunternehmen, der 130 Jahre alten APAC, gefertigt

Die Verbindung zur Berliner Volksbank reicht so weit zurück wie das Unternehmen selbst. „Das war die erste Wahl, seit '92, seit Gründung“, sagt Nodorft. Für ihn ist das mehr als eine reine Kontoführung: Gerade bei Themen wie der Skalierung eines Unternehmens oder der Ausgründung von DEUS POLLUTRACK ist Nodorft froh für die Unterstützung. „Wir wünschen uns diesen kritischen Blick darauf, von Experten, die das schon zigmal gemacht haben“, sagt er. Hinzu kommt der Zugang zum Netzwerk der Berliner Volksbank, wo aus Sicht des Teams potenzielle strategische Partner sitzen.

Nahaufnahme eines technischen Mess- und Analysesystems auf einem Messestand während einer Fachveranstaltung
DEUS POLLUTRACK verbindet Ingenieurkompetenz, Sensorik und Software zu modernen Messsystemen. © DEUS POLLUTRACK

Vom Zufallsgedanken zur eigenen Messtechnik

Die Wurzeln von DEUS POLLUTRACK reichen zurück ins Jahr 2016. Nodorft erinnert sich an ein Gespräch über Digitalisierung mit Mitgesellschafter Stephan Füllner, in dem eine Idee entstand: Die vorhandene, seit rund 30 Jahren bewährte Messtechnik-Expertise zu nutzen, um Luftmessgeräte drastisch zu verkleinern und in der Fläche einsetzbar zu machen. Gemeinsam mit einem französischen Kontakt, der bei einem großen Mastenhersteller an der Innovation eines „Umweltmasts“ arbeitete, entstand die Idee eines modularen Systems, das Luftqualität direkt im gesamten urbanen Straßenraum misst. 

Von dort wuchs das Netzwerk kontinuierlich: Mit dem größten Luftmessnetz Europas erfasste DEUS POLLUTRACK gemeinsam mit seinen Plattformpartnern die Luftqualität für über 50 Millionen Menschen. Der eigentliche Bruch kam 2025 mit der aktuellen Systemgeneration DEUS GUARDIAN. Statt zugekaufter Boards entwickelte das Team aus Brandenburg eine komplett neue technologische Welt aus Messtechnik, Software und Know-how, mit dem Ziel, die Industrie bei der Überwachung von Emissionen und der Einhaltung regulatorischer Anforderungen zu unterstützen.

Eingesetzt werden die Geräte dort, wo undichte Leitungen besonders gefährlich sind: an Gasverdichterstationen, Klärwerken, Biogasanlagen oder stillgelegten Kohleschächten in Deutschland, Polen und Tschechien. Die EU-Methanverordnung schreibt Öl-, Gas- und Kohleunternehmen vor, ihre Anlagen in Intervallen von bis zu alle drei Monate auf Lecks zu prüfen – bislang meist von Hand: Eine Person läuft mit einem Handmessgerät jede Leitung und jeden Flansch ab und dokumentiert die Ergebnisse. 

DEUS POLLUTRACK automatisiert genau das, kontinuierlich und in Echtzeit. Der Nutzen ist dabei größer als nur Klimaschutz, betont Nodorft: Ein unentdecktes Leck ist zugleich ein Sicherheitsrisiko für die Anlage und für die Beschäftigten vor Ort. „Die Grenzwerte im Arbeitsschutz sind in den Innenräumen einer Produktion um bis zu Faktor 10 oder 20 höher als im Außenbereich“, sagt er – ein Umstand, den er für absurd hält, wenn man bedenkt, dass Beschäftigte dort acht Stunden am Tag verbringen.

Seine urbanen Wurzeln hat DEUS POLLUTRACK aber nicht gänzlich verlassen. Gemeinsam mit der TU Ilmenau entsteht derzeit eine App, die Verkehrsdaten mit den Umweltmesswerten aus dem Südberliner Raum verknüpft – geplant für die Website der Stadt Teltow. Bürgerinnen und Bürger sollen darüber künftig in Echtzeit Daten zu Verkehrsbelastungen und Luftqualität zu einer bestimmten Uhrzeit sehen und ihre persönliche Wegeplanung und Verkehrsmittelwahl darauf ausrichten können. 

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Klein, aber hochpräzise und wartungsfreundlich

Was DEUS POLLUTRACK besonders macht, ist die Kombination aus extremer Wartungsfreundlichkeit und hoher Präzision. „Der Wechsel von Messmodulen dauert drei Sekunden“, beschreibt Nodorft den Service am Gerät, das nicht größer ist als ein Beautycase. „Spezialschlüssel rein, zwei Umdrehungen, raus, rein, wieder zu. Das war's.“ Denn eines der gravierendsten aktuellen Probleme für Unternehmen ist fehlendes Fachpersonal. Das System musste so einfach werden, dass es jeder in kurzer Zeit selbst bedienen kann und keine komplexen Wartungen vor Ort nötig sind.

Technisch basiert die Genauigkeit auf einer Dreifachredundanz bei den Sensoren, ein Prinzip aus der Luftfahrt. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut wurde eine Abweichung von nur 0,7 Prozent zu offiziellen Messstationen festgestellt. „Bei der Messtechnik ist das so gut wie nichts“, sagt Nodorft dazu. „Die gesetzlich zulässige Toleranz liegt beispielsweise für Feinstaub bei 25 Prozent.“* Herzstück für die industriellen Methanmessungen ist „DEUS SIGNATURA“, ein selbst entwickeltes Verfahren zur Erstellung eines anlagenspezifischen „Emissionsprofils“, ein Fingerabdruck jedes überwachten Industriestandortes, mit dem sich kleinste Abweichungen vom Normalzustand in Echtzeit erkennen lassen. Ergänzt wird das durch den „DEUS ORIGO Source Finder“, der eine Leckage sogar bis auf den betroffenen Anlagenbereich eingrenzen kann, entwickelt gemeinsam mit einem 85-jährigen Professor mit jahrzehntelanger Erfahrung in Strömungsphysik.

Das Gesamtsystem DEUS GUARDIAN wurde vor allem auch für besonders anspruchsvolle Einsatzgebiete, etwa explosionsgeschützte Zonen an Kerosin-Betankungsanlagen von Flughäfen oder an ausgasenden Kohleschächten entwickelt. Ein kompaktes, futuristisches Gerät, das auch in einen Rucksack passen würde. 

Industriesensor an einem Mast vor einer verfahrenstechnischen Anlage mit Rohrleitungen und Industrieinfrastruktur.
DEUS GUARDIAN: Das System erkennt Methanlecks und Emissionsabweichungen automatisiert in Echtzeit. © DEUS POLLUTRACK

Was die Nominierung für den Brandenburger Innovationspreis bedeutet

„Unser Team ist in der Summe sieben Leute groß“, sagt Nodorft über den Vergleich mit einem US-Wettbewerber, der binnen fünf Jahren rund 120 Millionen US-Dollar an Venture Capital eingesammelt hat, „und wir haben einen Bruchteil des Geldes. Trotzdem haben wir mehr geschafft als die.“

Gerade dieser Größenunterschied macht die Nominierung in der Kategorie „Neues. Schaffen.“ für den Brandenburger Innovationspreis so bedeutsam. Vergeben wird er am 25. September, in diesem Jahr mit Schwerpunkt Digitalisierung. Für Nodorft zählt schon die Nominierung selbst: „Es ist ein tolles Zeichen für unser Team, dass sich unsere Leistung gelohnt hat, dass es sich auszahlt, interdisziplinär zu arbeiten und gegen den Strom zu schwimmen.“

Dass aus einer über 30 Jahre gewachsenen Messtechnik-Expertise ein eigenständiges, europaweit beachtetes Unternehmen werden konnte, zeigt, wie viel in Diversifikation steckt – wenn der Mut zum Risiko und die richtigen Partner zusammenkommen. „Wir müssen als Unternehmer ja immer irgendwie pfiffig sein und eine Lücke finden“, sagt Nodorft. Für sein Team gehört dazu auch die Berliner Volksbank, die diesen Weg von Anfang an als strategischer Partner mitgeht.

*Geregelt durch die 39. BImSchV (Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen) in Verbindung mit dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG)

Profilbild Viola Heeger

Ihre Autorin

Viola Heeger | Freie Journalistin

Viola Heeger war Redakteurin beim Tagesspiegel. Sie studierte in Heidelberg und Beijing Sinologie und Volkswirtschaft. Sie ist freie Journalistin mit einem Fokus auf Digitalpolitik und Verwaltungsdigitalisierung.

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