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Person auf einer Wakeboard-Anlage über einem See mit Wald im Hintergrund.
Copyright: Marcel Schwickerath, Marco Venturelli

07.07.2026 | Lesezeit: 5 Minuten

Wakeboarden am Bernsteinsee bei Velten: Die Erfolgsgeschichte von Wet & Wild

Wet & Wild bei Velten ist eine der bekanntesten Wakeboard- und Wasserski-Anlagen Brandenburgs. Über tausend Menschen besuchen die Anlage im Sommer täglich. Hinter dem Erfolg stehen unternehmerischer Mut und eine enge Beziehung mit der Berliner Volksbank.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wet & Wild am Bernsteinsee bei Velten zählt zu den bekanntesten Wakeboard- und Wasserski-Anlagen Brandenburgs. 
  • An Spitzentagen besuchen bis zu 1.500 Gäste die Anlage, die Tobias Tuchlenski seit mehr als 30 Jahren betreibt. 
  • Mit Unterstützung der Berliner Volksbank investiert Wet & Wild kontinuierlich in neue Angebote wie den Aquapark und den Ausbau des Eventgeschäfts.

Wenn die Sommerferien näher rücken, zieht es Wakeboarder, Wasserskifahrer und Familien an den Bernsteinsee bei Velten. Dort hat Tobias Tuchlenski das einstige Jetset-Vergnügen Wasserski zum Volkssport gemacht und eine der bekanntesten Wakeboard- und Wasserski-Anlagen Brandenburgs aufgebaut: Wet & Wild. „Im Sommer“, sagt Tuchlenski, „drängten sich hier an guten Tagen bis zu 1.500 Menschen.“

Tuchlenskis Weg vom Leistungssportler zum Unternehmer

Seit mehr als drei Jahrzehnten betreibt er die Anlage Wet & Wild. Sein Weg an diesen See erzählt von Brüchen und Aufbrüchen. Der gebürtige Hamburger raste früher als Leistungssportler über die Bahnen, er war Deutscher Meister im Slalom-Wasserski. Als 1989 die Mauer fiel, gehörte er zu den Ersten, die vom Westen aus über den Beton in den Osten sprangen und am Brandenburger Tor feierten. „Dit können ja Zeiten werden“, sagte damals ein Grenzer zu ihm.

Die Anfänge von Wet & Wild: Mit Improvisation und Mut zum Wassersport-Hotspot

Tuchlenski suchte eine Fläche für sein Vorhaben und fand 1992 den Bernsteinsee bei Velten. Damals strömten an Wochenenden 15.000 Badegäste an das Ufer, ein legendäres Revier aus DDR-Zeiten. „Wir bauten hier als Erste“, erinnert er sich. Sie improvisierten mit Mut und alten Kabeln der Nationalen Volksarmee. Die damalige Amtsleiterin und langjährige Bürgermeisterin Ines Hübner gab ihren Segen. Während sich der Sport wandelte – vom klassischen Wasserski hin zum Wakeboarding, dem Snowboarding auf dem Wasser –, wuchs Tuchlenski mit. Er investierte, verdoppelte Umsätze, baute aus. Aus dem exklusiven Jetset-Vergnügen machte er einen Volkssport.

Investition für neues Wachstum: Aquapark erweitert das Angebot von Wet & Wild

Heute drängen sich im Sommer Anfänger neben Profis am Steg. Boards klatschen auf die Oberfläche, Kinder rennen barfuß über nasse Holzplanken. Die neueste Attraktion schwimmt dann leuchtend auf dem See: ein riesiger Aquapark, eine Kletterlandschaft aus Luft und Kunststoff. „Die Kinder springen da einfach runter“, sagt Tuchlenski. Zwölf Euro kostet die Stunde. Das Zusatzgeschäft macht mittlerweile etwa 20 Prozent des Jahresumsatzes aus, der sich zwischen 600.000 und 700.000 Euro bewegt.

Doch solche Attraktionen fallen nicht vom Himmel. Sie kosten sechsstellige Beträge. Finanziert hat den Aquapark die Berliner Volksbank. Er steht sinnbildlich für das Prinzip dieses Ortes: Schritt für Schritt wachsen, Risiken kalkulieren, nichts überreizen.

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Hausbank im Wortsinn: Persönliche Kundenbeziehung macht den Unterschied

Im Winter, wenn der Betrieb auf dem See ruht, sitzt Tuchlenski deshalb häufig an einem Holztisch in seinem Clubhaus und reflektiert. Mit am Tisch: Carmelo Annone, der Bankberater. Er trägt keinen Anzug, er klappt keinen Laptop auf. Er hält eine Kaffeetasse.

Ihre Beziehung begann mit einem profanen Ärgernis über eine Kreditkarte. „Ich hatte bei meiner alten Bank den Durchblick verloren“, sagt Tuchlenski. In einer Filiale in Oranienburg traf er auf Annone. Daraus wuchs eine Partnerschaft, die das Wort „Hausbank“ wörtlich nimmt. Sie sprechen über das vergangene Jahr, über eine Baustelle, die ausgerechnet in den Sommerferien die Zufahrt blockierte. Google Maps schickte die Gäste fälschlich auf die Autobahn statt an den Strand. Die Umsatzzahlen brachen ein, die Kunden blieben im Stau stecken.

Persönliche Beratung statt Algorithmen: Warum Vertrauen entscheidend bleibt

„So etwas klärst du nicht online“, sagt Tuchlenski. Nicht, weil es technisch unmöglich wäre, sondern weil Vertrauen nicht automatisiert durch Glasfaserkabel fließt. Annone nickt. Er spricht vom „guten, alten Handschlag“. „Digitalisierung spürt keinen Vibe“, sagt Annone. Er muss begreifen, warum eine Bilanz schwankt. Er muss wissen, dass ein verregneter August oder eine gesperrte Straße keine unternehmerische Schwäche bedeuten, sondern Wetterkapriolen sind. Das erfährt man nicht aus Excel-Tabellen.

Saisonales Geschäft braucht Finanzierung mit Weitblick

Tuchlenski ist kein einfacher Kunde. Der 56-Jährige ist ein Unternehmer, der den Handel von der Pike auf gelernt hat. Er leitete als Geschäftsführer Filialen bei Kaisers und Tengelmann, er berät bis heute Firmen in Energiefragen, und als langjähriges Präsidiumsmitglied des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg ist Handel seine große Leidenschaft. Für sein eigenes Unternehmen suchte er einen Bankberater, der nicht nur Häkchen in Checklisten setzt – und fand in Carmelo Annone einen Sparringspartner. Als ein früherer Gesellschafter seine Anteile abgeben wollte, entwarfen sie gemeinsam eine Finanzierung, die schlechte Sommer aushält.

Wie Wet & Wild auf schwierige Sommer vorbereitet ist

Der letzte Sommer am Bernsteinsee hätte andere nervös gemacht. Die Straßensperrung ließ das Projekt beinahe in eine Sackgasse laufen. Ein klassisches Risiko, das jeden Businessplan zerreißt. Doch hier am Tisch herrscht Gelassenheit. Die Reserven stehen, die Anlage ist längst abgeschrieben. Carmelo Annone weiß, dass Tuchlenski auch im Winter „ackert“, auch wenn die Lifte ruhen. 

Wie Wet & Wild die Zukunft am Bernsteinsee plant

Tuchlenski weiß, dass er eine Anlage führt, die im Berliner Raum ihresgleichen sucht – mit einem zusätzlichen Anfängerlift und Aquapark. Und er weiß, dass er Annone in die Augen schauen kann.

Die Pläne für dieses Jahr standen also längst, bevor die Saison wieder startete. Eine neue Location soll die Anzahl der Firmenevents weiter ausbauen, technische Upgrades an der Seilbahn wurden vorgenommen. Und als im Mai die Sonne das Wasser wärmte und die ersten Wakeboarder ihre Kurven zogen, stand auch Carmelo Annone auf dem Steg. Im Winter hatte er versprochen, sich selbst einmal auf das Wasser zu wagen.

Profilbild Marcus Pfeil

Ihr Autor

Marcus Pfeil | Journalist

Marcus Pfeil ist Entrepreneurial Journalist. Seine Unternehmung Vertical 52 analysiert Satellitendaten für Publisher und NGOs. Gearbeitet hat er für Die ZEIT, brand eins, Handelsblatt & das Wall Street Journal. Seine Arbeit wurde u.a. mit dem Lead Award, dem Ernst-Schneider-Preis oder dem CNN Journalism Award ausgezeichnet.

 

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