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Nächtliche Straßenszene mit Straßenbahn und beleuchtetem Gebäude an einer Kreuzung.

12.08.2026 | Lesezeit: 5 Minuten

Warum Brandenburg zum Zukunftsraum für Unternehmen wird

Brandenburg hat sich zum führenden Wirtschaftsstandort im Osten Deutschlands gemausert. Was macht es wirtschaftlich stark? Welche Chancen bieten sich Unternehmen? Ein Gespräch mit Agnes von Matuschka, Standortmanagerin des Potsdam Science Park, und Prof. Dr. Stephan Knabe, der in Potsdam eine der erfolgreichsten Steuerberatungskanzleien Deutschlands leitet. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Attraktiver Wirtschaftsstandort: Brandenburg punktet mit starker Forschungslandschaft, viel Fläche und guter Infrastruktur. 
  • Treiber für Innovationen: Enge Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft fördert Gründungen und Wachstum. Schwerpunkte liegen in Energie, IT und KI sowie Life Sciences und Biotechnologie.
  • Herausforderungen für Unternehmen: Wohnraummangel, Bürokratie und fehlendes Risikokapital in Wachstumsphasen bremsen Entwicklung.

Laut Prognos Zukunftsatlas 2025 gilt Brandenburg inzwischen als wirtschaftliche »Chanceninsel«. Welche Schätze finden wir auf dieser Insel, Agnes von Matuschka?

Agnes von Matuschka: Im Land gibt es eine Reihe hochkarätiger Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, allein in Potsdam sind es über vierzig. Diese bringen nicht nur Ideen und Forschungsergebnisse hervor, sondern auch viele Wissenschaftler, die Start-ups gründen möchten. Wichtige Aufgabe ist es, sie in der Hauptstadtregion zu halten, damit sie sich hier niederlassen und Arbeitsplätze schaffen.

Was macht Brandenburg stark, Stephan Knabe?

Stephan Knabe: Brandenburg hat den Platz, um zu investieren und zu bauen. Tesla passt ja nicht in irgendeinen Hinterhof, die brauchen Fläche, so wie auch andere gewerbliche Ansiedlungen. Dazu kommt eine gute Verkehrsinfrastruktur. Das Wertvollste aber dürften die breite fachliche Expertise und eine dynamische Start-up-Szene mit Austausch zwischen den verschiedenen Playern sein. Ich sehe Brandenburg als eigenen Zukunftsraum.

Gibt es Branchenschwerpunkte?

 Stephan Knabe: Schwerpunkte sind einerseits die erneuerbaren Energien, aber auch etablierte Energien, wie zum Beispiel die Gaswirtschaft. In Potsdam kommt man zudem um das Thema Immobilien nicht herum. Insgesamt ist Brandenburg dienstleistungslastig, und das zunehmend im Bereich Informationsverarbeitung und künstliche Intelligenz. Unser Vorteil ist, dass wir darauf spezialisierte Hochschulen wie das Hasso-Plattner-Institut vor der Haustür haben. Absolventen gründen mit spannenden Lösungen. Aber wir beobachten auch traditionelle Unternehmer, die über KI ihre Produktivität steigern und neue Prozesse etablieren wollen.

Aus der Praxis gesprochen: Wo liegen regionale Herausforderungen für Unternehmen?

Stephan Knabe: Ganz aktuell ist die Frage: Können neue Mitarbeiter am Standort wohnen? Wir erleben gerade einen Boom der Werkswohnung. Was wir außerdem feststellen: Existenzgründer erhalten in Deutschland zwar eine sehr gute Förderung für das erste Set-up. Geht es aber in die industrielle Fertigung, gestaltet sich die Finanzierung schwieriger. Es gibt hier einfach nicht so viele Geldgeber, die Risikokapital zur Verfügung stellen. Auch die hohen bürokratischen Anforderungen hemmen Gründer, die sich eigentlich darauf konzentrieren wollen, ihr Unternehmen zu führen.

Agnes von Matuschka: In Deutschland sehen wir außerdem die Herausforderung, dass beispielsweise die Rentenversicherungen nur sehr begrenzt in risikoreiche Innovationsfonds investieren dürfen. Im Bereich Life Sciences laufen größere Finanzierungsrunden dann oft über gut finanzierte US-Fonds. Die Forschung bleibt so vielleicht noch hier, aber die Unternehmen und das Know-how wandern ab in die USA oder andere Länder.

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Der Potsdam Science Park setzt auf Life Sciences, Biotechnologien und Neue Materialien. Warum gerade diese?

Agnes von Matuschka: Diese Deep-Tech-Bereiche sind Zukunftsfelder. Der Potsdam Science Park steht international für Spitzenforschung. Mit drei Max-Planck-Instituten und zwei Fraunhofer-Instituten gehen wir wirklich in die Materialforschung, Life Sciences und Biotechnologie hinein. Auf dem Campus der Universität Potsdam sind außerdem sämtliche Naturwissenschaften vertreten. Das ist fruchtbarer Boden für Innovationen und die Gewinnung von Talenten. Unsere Aufgabe ist es, Wissenschaftler bei der Gründung in Brandenburg zu unterstützen und mit den Unternehmen am Standort und in der Region zu vernetzen. Auch andere Unternehmen ziehen wir an. Wichtig ist, dass diese zu unseren Schwerpunkten passen.

Unternehmen, die dann auch in der Region bleiben?

Agnes von Matuschka: Dafür begleiten wir unsere Unternehmen intensiv. Ein erfolgreiches Beispiel ist die Ripac-Labor GmbH, die sich auf die Herstellung von Impfstoffen für Tiere spezialisiert hat. Eine Gründerin hat das Unternehmen in Golm an den Start gebracht. Inzwischen wurde es an ein Familienunternehmen aus den Niederlanden verkauft, das bei uns jetzt ebenfalls ein Grundstück bebaut. Wir schaffen in Potsdam-Golm ein dynamisches Transfer-Ökosystem zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Firmen kommen zu uns, um mit Spitzenforschern zusammen etwas auf die Beine zu stellen.

Letzte Frage an Sie beide: Welche Maßnahme würde die Innovationskraft Brandenburgs in den nächsten zehn Jahren spürbar erhöhen?

Stephan Knabe: Innovationen gehen dorthin, wo sie das Geld finden, um sich zu entwickeln. Insofern wäre  ein Wachstumsfonds wichtig, den man auch auf Landesebene in Zusammenarbeit mit Banken und Kapitalgebern realisieren könnte.

Agnes von Matuschka: Sichtbarer zu machen, wie viele innovative KMU es in Potsdam und der gesamten Hauptstadtregion im Deep-Tech-Bereich bereits gibt, wäre ein erster Schritt. Neben einer Spätphasenfinanzierung finde ich außerdem eine Intensivierung der Frühphasenfinanzierung essenziell. Man sagt ja, eines von zehn Start-ups wird erfolgreich skalieren. Wenn nur zehn gefördert werden, bleibt also eins. Bei 100 bleiben zehn.  Jedes Unternehmen, das sich hier ansiedelt, fördert zugleich das Ökosystem und die Entstehung von Arbeitskräften in Brandenburg.

Experten-Tipps für Gründer*innen

Stephan Knabe: “Entscheidend ist die Erkenntnis, dass man als Unternehmer ein Problem lösen muss. Unternehmer erkennen ein Problem durch Weitblick, treffen Entscheidungen und legen los. Dann kriegen sie auch genügend Rückenwind für ihre Idee.”

Agnes von Matuschka: “Beim Gründen ist das Team besonders wichtig. Man sollte Leute mit an Bord nehmen, die das können, was man als Wissenschaftler selbst nicht kann, Rollen klar definieren und andere Meinungen akzeptieren können. Start-ups gehen häufig auseinander, weil im Team unterschiedliche persönliche Zielvorstellungen existieren.”


Profilbild Agnes von Matuschka

Ihre Expertin

Agnes von Matuschka

Agnes von Matuschka ist seit Januar 2018 Geschäftsführerin der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park. Die studierte Biologin begann ihre Laufbahn bei der EU-Kommission in Brüssel. Anschließend leitete sie den Gründungsservice an der TU Berlin und gründete dort auch das Centre for Entrepreneurship (CfE). Der Potsdam Science Park ist mit 50 Hektar Fläche der größte Forschungs- und Innovationsstandort in Brandenburg. Weitere 40.000 qm Labor- und Büroflächen für Unternehmen sind geplant, auf 10 Hektar Fläche wächst dort aktuell ein neuer Technology Campus.

Profilbild Prof. Dr. Stephan Knabe 

Ihr Experte

 Prof. Dr. Stephan Knabe

Prof. Dr. Stephan Knabe führt eine der größten Steuerberatungskanzleien in Deutschland. Unternehmerisch ist er auch in anderen Bereichen erfolgreich unterwegs: Er ist Mitgründer des Energieversorgers Deutsche ReGas und setzt sich als Co-Founder der Potsdamer Das Labor. GmbH für eine bessere medizinische Versorgung in Westafrika ein. Seine Dr. Stephan Knabe Stiftung unterstützt lokale Initiativen im afrikanischen Inselstaat São Tomé e Príncipe.

Profilbild Ernestine von der Osten-Sacken

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Ernestine von der Osten-Sacken | Journalistin

Ernestine von der Osten-Sacken arbeitet als Journalistin und Werbetexterin in Berlin. Ihre Schwerpunkte: Wissenschaft, Smart City – und Berlin.

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