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Person steht in einer Produktionshalle neben einer großen Textilmaschine.
© Marcel Schwickerath

27.10.2026 | Lesezeit: 4 Minuten

Big Image Systems aus Potsdam: So entstehen riesige Hintergründe für Filme oder Opern

Wie wird aus Stoff die New Yorker Skyline oder die Sixtinische Kapelle? Bei Big Image Systems in Potsdam entstehen riesige bedruckte Stoffbilder für Film, Fernsehen und Oper. Dahinter steckt viel Technologie – und ein Geschäftsmodell, das besondere Anforderungen an die Finanzierung stellt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Filmkulissen für die ganze Welt: Big Image Systems in Potsdam produziert riesige bedruckte Stoffkulissen für Filme, Serien, Opern und Events, darunter Produktionen wie Suits, Dune, Homeland oder Babylon Berlin.
  • Hidden Champion aus Brandenburg: Mit selbst entwickelten Druckmaschinen und innovativen Lösungen arbeitet das Unternehmen an den größten nahtlosen Stoffdrucken der Welt.
  • Wachstum braucht Verständnis: Bei Investitionen und neuen Technologien setzt Big Image Systems auf Partner, die das Geschäftsmodell verstehen. Die Berliner Volksbank begleitet das Unternehmen seit Jahren als Finanzierungspartner.

In Potsdam entstehen Bilder, die Millionen Menschen erreichen: Big Image Systems verwandelt Stoff in monumentale Filmkulissen, Eine Welt, die hinter den Kulissen bleibt. Sie lebt vom Augenblick. Dieser Augenblick braucht lange Vorbereitung – und Partner, die das Geschäftsmodell verstehen, bevor sie Zahlen bewerten.

Big Image Systems: Filmkulissen aus Potsdam für Netflix und Hollywood

Das Video ist nur kurz, aber es raubt Netflix-Fans alle Illusionen: Die Schauspielerin Sarah Rafferty führt darin hinter die Filmkulissen der Anwaltsserie „Suits“, zieht an einem Stoff – und legt New York mit einem Ruck in Falten. Die berühmte Skyline hinter dem Bürofenster ist in Wirklichkeit ein Vorhang. Magie auf bedrucktem Stoff. Produziert in Potsdam.

Kulissen für die Blockbuster Babylon Berlin, Suits, Dune oder Homeland: sie alle sind bei Big Image Systems im Babelsberger Industriegebiet durch die Druckmaschinen gelaufen. Über Baumwollstoffe gleiten Schlitten mit Farbdüsen, sprühen Licht und Schatten, Fassaden und Figuren ins Gewebe. „Eine Opernkulisse wird das“, ruft Charlotte Schwarzmeier gegen den Lärm der Maschinen an. Die Schwedin hält als Geschäftsführerin die Fäden zusammen, aus denen die größten nahtlosen Bilder der Welt entstehen. Hollywood-Produzenten und Netflix-Regisseure lieben diese Bildwelten von der Rolle, haushohe Kulissen, die sich klein zusammenfalten lassen.

60 Meter Stoff am Stück: So entstehen monumentale Bilder

Charlotte Schwarzmeier ist schnell beim Du, eine Macherin, pragmatisch, entspannt. Seit 13 Jahren arbeitet die Schwedin in Potsdam. Sie mag das Tempo, das unternehmerfreundliche Klima, die kurzen Wege. Deutsche Bürokratie? Ja, das war eine Umstellung. Aber auch Freiraum findet sie hier. Mitgebracht hat sie aus ihrem Land eine Führungskultur mit flachen Hierarchien und einer großen Portion Lässigkeit. Sie ist stolz auf die Geschichte des Unternehmens, die seit fast 20 Jahren auch ihre eigene ist. Die Idee, Bilder auf Stoff zu drucken, stammt vom Firmengründer Werner Schäfer, einem deutsch-schwedischen Industriefotografen. In den 1980er-Jahren begann er, Maschinen zu bauen, weil es keine gab, die seinem Anspruch genügten. 12 Meter Breite, 60 Meter Länge, Dimensionen, bei denen Ausstatter ins Schwärmen kommen. 1987 gründete Schäfer Big Image Systems in Schweden, 2005 kam der Standort Brandenburg hinzu. Schäfers Meisterstück ist die „Infinitus“. Wer vor der Maschine steht, tritt unwillkürlich einen Schritt zurück. 12 Meter Druckbreite, 60 Meter Stoff am Stück. Qualität: oscartauglich. Hundert Meter lange Grauabstufungen für „Blade Runner“, Schlachthofszenen für die Niederländische Nationaloper. Für den Film „Habemus Papam“ rekonstruierte das Team monatelang die Sixtinische Kapelle: heilige Gemäuer auf Stoff.

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Finanzierung braucht Verständnis und Ehrlichkeit

Großprojekte wie diese brauchen Partner, die das Geschäft hinter den Kulissen verstehen und die mehr sehen als die Kennzahlen einer Investition. An diesem Tag steht auch Dagmar Deckert in der Halle. Sie schaut zu, wie ein weiteres Stück Hollywood über die Walzen läuft, atmet die von Farben gesättigte Luft und überlegt mit, was Big noch größer machen könnte. Seit mehreren Jahren begleitet sie das Unternehmen als Firmenkundenberaterin der Berliner Volksbank. Beratung beginne nicht mit Zahlen, sondern mit Verstehen, sagt sie. Welche Technologie bringt das Unternehmen weiter? Ist die Zeit dafür reif? Und manchmal eben auch: lieber noch nicht. Die Ehrlichkeit dieser Gespräche prägen für Charlotte Schwarzmeier die Zusammenarbeit, die noch enger wurde, als die Berliner Volksbank zur Stelle war, als es mal nicht so gut lief. Das hat zusammengeschweißt.

Eine nachhaltige Produktionsstraße habe die Berliner Volksbank gerade finanziert, erzählt Dagmar Deckert, ein sinnvolles Invest, passend zur nachhaltigen Unternehmensausrichtung. 

Technologischer Vorsprung für die Filmkulissen der Zukunft

Die Ingenieure bei Big Image arbeiten daran, den technologischen Vorsprung weiter auszubauen. So entstand gemeinsam mit der TU Berlin eine kameragesteuerte Fadenausrichtanlage, die Architekturansichten erst möglich macht. Herkömmliche Maschinen schafften das kaum, „da sehen die Gebäude aus wie der Turm von Pisa“, sagt Charlotte Schwarzmeier.

Am Ende der Halle setzen zwei Raumausstatterinnen Ösen an einen großen bedruckten Stoff. Bald wird er irgendwo hängen, vielleicht in einer Oper, vielleicht in einem Studio, vielleicht bei Netflix. Jemand wird auf einen Bildschirm schauen und glauben, hinter dem Fenster eine Stadt zu sehen. Und nicht ahnen, dass diese Stadt einmal in Potsdam zusammengefaltet wurde. 

Profilbild Olivia Rost

Ihre Autorin

Olivia Rost

Olivia Rost ist Redakteurin und Texterin für Online- und Printmedien. Nach ihrem Studium Foto-Film-Design mit Schwerpunkt Dokumentarfilm gehörten zu ihren Arbeiten Konzepte und Texte für Museen, Organisationen und Unternehmen in NRW, Stuttgart und Berlin. Heute liegt ihr Schwerpunkt auf Magazinjournalismus und Corporate Publishing.

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