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Podiumsdiskussion vor Publikum in einer historischen Veranstaltungshalle.
© Marcel Schwickerath

27.07.2026 | Lesezeit: 8 Minuten

KI und Blockchain im Banking: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Im Berliner Wasserwerk diskutierte ein Panel aus Expertinnen und Experten, wie KI und Blockchain die Finanzwelt verändern – und welche Chancen sich daraus ergeben. Unsere Privatkunden im Publikum stellten viele interessierte Fragen. Dieser Artikel fasst die Antworten zusammen.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • KI und Blockchain: In Impulsvorträgen und einer Diskussion zeigten Fachleute, welche Rolle die Technologien künftig für Finanzmärkte und Beratung spielen.
  • Chancen für Privatkunden: Digitale Lösungen können Anlageprozesse vereinfachen, Entscheidungen unterstützen und neue Anlageformen eröffnen.
  • Rolle der Beratung: Trotz aller Technologie bleibt der persönliche Austausch wichtig, um Lösungen passend zu Zielen und Risikoprofil zu gestalten.

Ein restaurierter Industriebau, historische Pumpmaschinen und zwei große Zukunftsthemen: KI und Blockchain. Am 11.06.2026 haben wir Privatkundinnen und -kunden ins Wasserwerk Berlin eingeladen, um mit einem hochkarätigen Panel zu diskutieren, wie die beiden Technologien die Finanzwelt verändern werden. 

Christian Sievers, Geschäftsführer der LAIC Vermögensverwaltung, lieferte einen Impulsvortrag zu KI. Ihm folgte Daniel Bathe, Senior Portfolio Manager bei Union Investment, mit einem Impuls zur Blockchain. Im Anschluss beantworteten die Experten gemeinsam mit Bianca Denk, Vertriebsleiterin Private Kunden der Berliner Volksbank, Fragen aus dem Publikum.

Im Folgenden finden Sie alle diese Fragen und die zugehörigen Antworten. Für die Lesbarkeit haben wir die Antworten sinngemäß zusammengefasst. Ergänzt haben wir außerdem die Antworten auf Publikumsfragen, für die vor Ort keine Zeit geblieben ist.

FRAGEN ZU KÜNSTLICHER INTELLIGENZ

Was sind die größten Chancen und Herausforderungen für Privatpersonen, die durch den Einzug von KI bei Geldanlagen entstehen?

Eine große Chance ist, dass Vermögensverwaltungen dank KI individueller werden. Vorgaben wie „weniger USA“, „kein zusätzlicher Goldanteil“ oder Ausschlüsse bestimmter Branchen lassen sich klar hinterlegen, und die KI konstruiert das Portfolio innerhalb dieser Leitplanken. Gleichzeitig wächst die Vielfalt an Informationen und Produkten – und damit die Gefahr, den Überblick zu verlieren. Hier hilft Beratung, die wichtigsten Optionen herauszufiltern und KI-Ergebnisse in verständliche, passende Lösungen zu übersetzen.

Blockchain und KI nehmen sehr viel Fahrt auf – muss ich als Privatperson konkret etwas ändern, um nicht den Anschluss zu verpassen oder umzustellen?

Als Privatperson ist kein hektisches Handeln nötig, aber es lohnt sich, „an Bord zu bleiben“. Regelmäßige Informationen zu Finanzthemen, ein kritischer Blick auf Quellen und etwas Distanz zu Hypes helfen, Entwicklungen wie Blockchain und KI einzuordnen. Wichtiger als der nächste Trend ist eine solide Anlagestruktur, in der neue Technologien ihren Platz haben, aber nicht alles dominieren. Nicht jedes Thema muss sofort und vollständig mitgemacht werden; wenn überhaupt, dann dosiert und bewusst. Für viele ist es sinnvoller, solche Entwicklungen über eine Vermögensverwaltung zu nutzen, in der Profis neue Technologien beobachten, bewerten und einbauen, ohne dass man selbst ständig reagieren muss.

Wenn alle irgendwann KI für Geldanlagen nutzen – nivelliert sich mein eigener Vorteil ein Stück weit, weil alle "gleich schlau" sind?

In manchen Bereichen ja – aber nicht insgesamt. In kurzfristigen Segmenten wie dem Hochfrequenzhandel gleichen sich Informationsvorteile teilweise aus, weil dort vor allem Algorithmen gegeneinander antreten. In der langfristigen Geldanlage nutzen Anbieter jedoch unterschiedliche Daten, Modelle und Schwerpunkte, sodass es nicht „die eine“ KI-Meinung gibt. Entscheidend bleiben Erfahrung, Risikohaltung, persönliche Prägung und der menschliche Teil der Beratung, der Unsicherheiten und unausgesprochene Ziele aufgreift – dieser Mehrwert nivelliert sich auch bei verbreiteter KI-Nutzung nicht.

Wenn Agenten automatisch agieren: Wie wahrscheinlich sind Fehlentwicklungen oder Kettenreaktionen an den Märkten, und wie robust sind die Systeme?

Agenten werden heute sehr gezielt eingesetzt, das begrenzt die Risiken. Sie automatisieren vor allem vorbereitende Schritte wie Analysen und Vorschläge und arbeiten unter klarer menschlicher Aufsicht. In regulierten Vermögensverwaltungsprozessen bleiben Verantwortung, Kontrolle und Überwachung beim Menschen. KI-Systeme unterstützen Analyse- und Entscheidungsprozesse, übernehmen diese aber nicht eigenständig. Vollautonome, eigenständig handelnde Agenten dürften zwar in einzelnen Segmenten wie dem Hochfrequenzhandel zunehmen, wie robust solche Systeme sind und welche Nebenwirkungen sie haben, lässt sich mangels Langzeiterfahrungen derzeit aber nur schwer beurteilen.

Beratung statt Technikjargon: Was bedeuten Blockchain und KI für Ihre Geldanlage?

Blockchain und Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten für die Geldanlage. Welche davon für Sie sinnvoll sind, finden wir gemeinsam heraus. Ob Vermögensaufbau oder Vorsorge: Im Mittelpunkt stehen nicht Produkte oder Technologien, sondern Ihre Ziele. Unsere Beraterinnen und Berater helfen Ihnen dabei, die passende Lösung für Ihre finanzielle Zukunft zu finden. Vereinbaren Sie ein persönliches Beratungsgespräch.

FRAGEN ZU BLOCKCHAIN

Welche konkreten Änderungen/Vorteile für Privatpersonen im Alltag ergeben sich durch die Umstellung auf Blockchain im Finanzsystem?

Im Alltag werden viele Änderungen eher indirekt spürbar: schnellere Abwicklungen, längere Handelszeiten, weniger Papierprozesse und klarere Eigentumsnachweise (z. B. bei Wertpapieren oder digitalen Tickets). Für Privatpersonen kann das zu transparenteren Depots, mehr digitalen Anlagebausteinen mit kleineren Stückelungen und potenziell geringeren Kosten führen – aber meist eingebettet in gewohnte Konten, Depots und Apps.

Wie können Börsen der Zukunft funktionieren, werden sie Bestand haben? Wer kontrolliert den Handel, wenn er über Blockchain läuft?

Auch wenn Transaktionen technisch über Blockchains laufen, werden Börsen als regulierte Marktplätze voraussichtlich bestehen bleiben – mit Aufgaben wie Zulassung, Überwachung und Transparenzpflichten. Eine Blockchain kann die Abwicklung und den Registerteil übernehmen, die Regeln und Kontrolle bleiben aber bei Aufsichtsbehörden und Marktbetreibern. Künftig könnten „Börsen auf Blockchain-Basis“ entstehen, bei denen Regulierung und Technik zusammenspielen, statt sich zu ersetzen. Eine vollständige Umstellung auf Blockchain ist für die nächsten 10 oder 20 Jahre eher unwahrscheinlich. Realistischer ist ein „Mosaik“: bestimmte Märkte, Produkte oder Abwicklungsprozesse laufen auf Blockchain, andere weiter auf klassischen Infrastrukturen.

Beim Thema Blockchain denken viele sofort an Kryptowährung. Welche Rolle spielen Kryptowährungen in Verbindung mit der Blockchain und warum gibt es so viele verschiedene?

Kryptowährungen waren der erste große Anwendungsfall von Blockchains – digitale, auf der Kette geführte „Geldeinheiten“ mit eigener Logik. Inzwischen werden Blockchains aber auch für andere Zwecke genutzt, etwa für Wertpapiere oder digitale Besitzrechte. Die Vielzahl an Kryptowährungen entstand, weil viele Projekte eigene Regeln, Ziele oder technische Lösungen ausprobieren wollten – von Zahlungsfokus bis hin zu Plattformen für Anwendungen.

Was passiert, wenn der Bitcoin gehackt wird? Ist das überhaupt möglich?

Die Bitcoin-Blockchain selbst gilt technisch als sehr schwer angreifbar, weil tausende Rechner sie absichern. Wahrscheinlicher sind Angriffe an den Rändern: auf Börsen, Wallet-Anbieter oder einzelne Nutzer (Phishing, gestohlene Schlüssel). „Bitcoin gehackt“ meint in der Praxis fast immer solche Sicherheitslücken – nicht, dass das Protokoll selbst geknackt wurde.

Wenn jede Transaktion im Bitcoin nachvollziehbar ist, wieso ist es im Darknet so beliebt und wieso wird es dafür überhaupt genutzt?

Früher war Bitcoin im Darknet deutlich verbreiteter, als nur wenige verstanden, wie das System funktioniert und es fälschlich als anonym galt. Heute ist genau die Transparenz der Blockchain der Knackpunkt: Jede Transaktion ist dauerhaft öffentlich einsehbar und mit Analysewerkzeugen oft zurückverfolgbar. Für Kriminelle ist Bitcoin daher inzwischen eine der unklügsten Varianten, illegale Geschäfte abzuwickeln – sie weichen eher auf Bargeld oder schwerer nachverfolgbare Konstrukte aus.

FRAGEN ZUM BANKING

Wie schafft es die Berliner Volksbank, Beraterinnen und Berater in die Lage zu versetzen, Kundinnen und Kunden die richtigen Fragen zu stellen; und braucht man künftig überhaupt noch einen Berater?

Die Berliner Volksbank setzt auf zwei Hebel: intensive Schulung und persönliche Beratung. Neue Produkte werden streng geprüft, danach werden Berater so weitergebildet, dass sie Funktionsweise, Risiken und Nutzen verständlich erklären und die richtigen Fragen stellen können. KI liefert Analysen und Szenarien, ersetzt aber nicht den Menschen: Gerade in unruhigen Phasen hilft der persönliche Kontakt, Kursbewegungen einzuordnen und Entscheidungen zu treffen, mit denen man sich langfristig wohlfühlt.

Wann werden Kryptowährungen auch bei der Berliner Volksbank handelbar bzw. verwahrfähig sein?

Im genossenschaftlichen Verbund gibt es bereits eine Krypto-Plattform der DZ Bank, über die Volks- und Raiffeisenbanken Bitcoin und andere Währungen in ihre Apps einbinden können. Ob und wann die Berliner Volksbank das Angebot freischaltet, entscheidet sie selbst – realistisch ist eher ein stufenweiser Einstieg als ein „Big Bang“ für alle Kunden gleichzeitig.

Was bedeutet dieser Wandel für den Arbeitsmarkt? Kann man jungen Menschen noch empfehlen, eine Ausbildung im Finanzdienstleistungssektor für eine berufliche Zukunft zu beginnen?

Die Finanzbranche verändert sich, aber sie verschwindet nicht – sie wird digitaler, technischer und beratungsintensiver. Gefragt sind zunehmend Schnittstellen-Profile: Menschen, die Finanzen verstehen, mit Daten und digitalen Tools umgehen können und Kundenthemen gut erklären. Gerade deshalb bleibt eine Ausbildung im Finanzdienstleistungssektor sinnvoll, wenn man bereit ist, sich regelmäßig weiterzubilden und neue Technologien als Werkzeug zu nutzen.

Portrait Katja Nieschulze

Ihre Autorin

Katja NieschulzeBereichsleiterin  Private Kunden

Katja Nieschulze, langjährige Mitarbeiterin der Berliner Volksbank. Nach Stationen in den Bereichen Firmenkunden, Strategische Geschäftsfeldsteuerung und Human Relations,
verantwortet sie heute den Bereich Private Kunden mit 23 Beratungscentern in Berlin und Brandenburg. 250 Mitarbeitende beraten dort rund um die Themen Kapitalanlage, Finanzierung und Vorsorge.

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