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Großes Kreuzfahrtschiff im Hafen vor moderner Skyline mit Hochhäusern.
© Adobe Stock

29.07.2026 | Lesezeit: 6 Minuten

Nachhaltiger anstoßen: Wie Saltwater's Kreuzfahrten leichter macht

Wie werden Kreuzfahrten nachhaltiger? Die Antwort von Saltwater’s: durch Spirituosen in recycelbaren Verpackungen, die Gewicht sparen. Das Potsdamer Unternehmens überzeugt damit jetzt auch Großveranstaltungen wie das Wacken Open Air. 

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Kreuzfahrtreedereien achten auf Gewicht und Recycling. Für Spirituosen entwickelt Saltwater’s passgenaue Lösungen. 
  • Verpackungen von Saltwater’s sparen Platz und Gewicht ein. Gründer Thorsten Bednarz forscht an einer kompostierbaren Alternative.
  • Saltwater’s-Verpackungen erobern jetzt das Land: Sie werden auf Musikfestivals wie dem Wacken Open Air als bessere Glasflaschen genutzt. 

„Crew Only ist der meistprämierte Rum der Welt“, sagt Thorsten Bednarz stolz. Noch wichtiger als der Geschmack des Rums ist allerdings seine Verpackung. Die soll leicht sein und keinen Platz wegnehmen. Am liebsten haben Bednarz‘ Kunden seine Spirituosen recycle- oder kompostierbar, denn sie betreiben Kreuzfahrtschiffe. Was auf den Ozeanen überhaupt nicht gebraucht wird, ist Ballast, der auch noch Platz wegnimmt. Deshalb liefert Bednarz seinen Rum, Gin, Eierlikör und Aperitivo der Marke „Crew Only“ nicht mehr nur in Flaschen, sondern entwickelt Alternativen. Große Kunststoffkartons, „Bag-in-Boxes“ genannt, sparen bei Kreuzfahrten einige Tonnen an Gewicht, die nicht übers Meer kutschiert werden müssen. Was zugleich die Energiekosten senkt.

Warum Gewicht und Verpackungen auf Kreuzfahrtschiffen entscheidend sind

Wie herausfordernd die Fragen nach Gewicht und Platz für die Reedereien sind, veranschaulicht Bednarz an einem Beispiel. Auf einem Kreuzfahrtschiff mit 3000 Passagieren werden erfahrungsgemäß pro Woche mehr als 7000 Liter allein an Wein getrunken. Würde der Wein aus herkömmlichen 0,75-Liter-Flaschen ausgeschenkt, müssten bei einer zweiwöchigen Kreuzfahrt irgendwann vier Tonnen an leeren Flaschen mitgeschleppt werden. Als Faustregel gilt für Kreuzfahrtschiffe solcher Größe: Es fallen wöchentlich rund 10 Tonnen Glas und Verpackungsmaterial an, das es zu entsorgen gilt. „Deshalb wollen die Kreuzfahrtreedereien keine Flaschen an Bord“, sagt Bednarz. „Sie suchen nach Alternativen, die leicht und nachhaltig sind.“

An Bord kompostierbare Flaschen: Die nächste Stufe nachhaltiger Getränkelogistik

Genau diese Marktlücke erobert Saltwater’s, das Unternehmen von Thorsten Bednarz. Er hat sich spezialisiert auf Spirituosen für Kreuzfahrten. Die müssen gut schmecken, das versteht sich von selbst, doch für die Reedereien ist die Verpackung fast noch wichtiger. Wein wird daher heute meist in 1000-Liter-Behältern angeliefert, sogenannten IBC-Containern. Mit einem Partnerunternehmen knobelt Bednarz aktuell eine Alternative aus: kompostierbare Flaschen. Das sei „sehr nachhaltig“, sagt der Saltwater’s-Geschäftsführer. Auf Kreuzfahrtschiffen gibt es sogenannte Bio-Digester, die biologische Abfälle zerkleinern, entwässern und biologisch abbauen – die Infrastruktur für die kompostierbaren Flaschen steht also bereits. „Die Reedereien erproben gerade, wie praxistauglich unsere Innovation ist“, sagt Bednarz. 

Bag-in-Box-Lösungen sparen Gewicht und Müll

Derzeit setzt Saltwater’s auf eine eigene Produktlinie nach dem „Bag-in-Box“-Prinzip: innen Kunststoff, außen Papier. Beides lässt sich problemlos voneinander trennen und recyclen. „Das ist Standard bei Kreuzfahrtschiffen“, sagt Bednarz, „allerdings nicht Standard bei den großen Produzenten von Alkoholika und anderen Getränken.“ Das eröffnet Chancen für Spezialisten für diesen Nischenmarkt. 

Flexibilität, Schnelligkeit und Innovation in der Kreuzfahrbranche

Der Saltwater’s-Gründer arbeitet seit anderthalb Jahrzehnten in der Branche und kennt die Herausforderungen. „Flexibilität und Geschwindigkeit sind essenziell“ sagt Bednarz. „Auch auf Kreuzfahrten gibt es Trends, und da müssen wir liefern.“ Und zwar innerhalb von drei Monaten: Die Auftraggeber sind anspruchsvoll. Aktuell liegen alkoholfreie Drinks oder auch klassische Cocktails ohne Alkohol im Trend, „deshalb stecke ich viel Geld in Innovationen.“ Nicht zuletzt muss man mit den Besonderheiten der Fracht- und Zollanforderungen in diesem Nischenmarkt bestens auskennen.

Wobei: Die Nische wächst. Der Umsatz der Kreuzfahrtbranche wächst seit Jahren verlässlich um sechs bis acht Prozent. Saltwater’s wächst noch schneller. Bereits bei der Gründung vor sechs Jahren war die „Mein Schiff“-Flotte fester Partner von Saltwater’s, kurz darauf folgten weitere Reedereien wie Sea Chefs und Aida Cruises. Aktuell begleiten Bednarz‘ 23 verschiedene Spirituosen täglich 75.000 Passagiere auf mehr als zwei Dutzend Kreuzfahrtschiffen.

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Finanzierung und Wachstum mit der Berliner Volksbank 

Das Umsatzplus von Saltwater‘s beträgt jährlich rund 15 Prozent. „Dafür brauchen wir einen starken und verlässlichen Partner an unserer Seite“, sagt Thorsten Bednarz. „Bei der Berliner Volksbank fühle ich mich bestens aufgehoben.“ Das zu hören, freut Stefanie Beinhoff. Anfangs sprach die Firmenkundenberaterin mit Bednarz vor allem über Investitions- und Betriebsmittelkredite. Mittlerweile ist die Berliner Volksbank die Hausbank von Bednarz, mit der auch strategische Entscheidungen angegangen werden. 

„Wir sind beide Freunde des offenen und klaren Wortes“, sagt Stefanie Beinhoff, „das macht den Umgang sehr angenehm.“ Nebenbei lernt die Firmenkundenberaterin der Berliner Volksbank eine Menge über die Besonderheiten der Kreuzfahrtbranche. „So muss Saltwater’s beispielsweise immer ein gewisses Kontingent an seinen Produkten vorhalten, um die Schiffe sofort beliefern zu können“, sagt Stefanie Beinhoff. „Lieferengpässe gilt es zu vermeiden, sonst ist man bei den großen Reedereien gleich draußen.“

Lagerhaltung und Outsourcing für reibungslose Lieferketten

Um diese Lieferengpässe zu vermeiden, hat Saltwater’s zusätzlich zum Hauptsitz in Potsdam in Werder eine Halle für den Warenumschlag und als Zwischenlager angemietet. Die meisten Aufgaben werden allerdings ausgelagert. Produktion und Abfüllen der Getränke sind outgesourct, für das Beliefern der Schiffe sind Forwarder – eine Art Generalunternehmen für Kreuzfahrtreedereien – zuständig. Das spart Personalkosten bei Saltwater’s. „Neben mir gibt es noch einen Angestellten und eine Aushilfe“, sagt Bednarz.

Vom Kreuzfahrtschiff aufs Wacken Open Air: nachhaltige Getränkeverpackungen für Festivals

Für den Saltwater’s-Geschäftsführer sind Kreuzfahrtschiffe offenbar eine zu kleine Nische: Jetzt  erobert er die Musikfestivals. „Flaschen sind dort unerwünscht oder sogar verboten“, sagt Thorsten Bednarz. Die Festivalbetreiber suchen nach nachhaltigen, beispielsweise kompostierbaren Alternativen. Ausgerechnet bei der Full Metal Cruise – einem Heavy-Metal-Festival auf hoher See, das in unregelmäßigen Abständen auf einem Kreuzfahrtschiff der TUI Cruises stattfindet, wurden die Organisatoren des wohl berühmtesten Festivals fündig: Seit 2024 beliefert Thorsten Bednarz mit Saltwater’s auch die 80.000 Besucherinnen und Besucher des Wacken Open Air.

Profilbild Michael Prellberg

Ihr Autor

Michael Prellberg | Journalist

Michael Prellberg war Redakteur bei der Berliner Zeitung, der FTD und beim Unternehmermagazin impulse. Er arbeitet als freier Journalist, Redakteur und Kommunikationsberater. Seine Texte erscheinen u.a. in Capital, im Manager Magazin und in der ZEIT.

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