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Sophie Thurner von beatvest
Beatvest-Gründerin Sophie Turner

17.12.2025 | Lesezeit: 6 Minuten

Warum finanzielle Bildung in Unternehmen entscheidend ist 

Wie können Unternehmer*innen privat vorsorgen, ihre Belegschaft stärken und finanzielle Gesundheit zum Teil der Unternehmenskultur machen? Beatvest-Gründerin Sophie Turner berät Firmen und teilt spannende Einblicke. 

Firmenkunden - Finanzwissen - Artikel

Das Wichtigste in Kürze

  • Privat oft schlechter aufgestellt als beruflich: Viele Unternehmer*innen steuern Budgets und Investitionen – kümmern sich aber privat zu wenig um Vorsorge und Vermögen. 
  • Finanzieller Stress kostet Produktivität: Das betrifft nicht nur die Unternehmer*innen. Auch rund ein Fünftel der Mitarbeitenden fühlt sich von Geldfragen überfordert. Finanzielle Bildung kann Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit steigern. 
  • Finanzielle Bildung wird zum Benefit: In anderen Ländern gehört finanzielle Bildung bereits zum Standardpaket von Arbeitgebern. Deutsche Unternehmen holen aber auf und haben dadurch einen Wettbewerbsvorteil. 

Als Manager mit Millionenbudgets hantieren, aber privat das Geld auf dem Girokonto liegen lassen. Dieses Paradox betrifft viele Unternehmer*innen in Deutschland. Sie steuern geschäftliche Investitionen, verantworten hohe Summen und sichern Arbeitsplätze, aber an die eigene Absicherung denken sie selten. Privat kümmern sich Unternehmer*innen oft zu wenig um finanzielle Vorsorge und Vermögensaufbau. 

Finanzielle Bildung – ein Thema für die Chefetage

Eine, die daran etwas ändert, ist Sophie Turner. Die Mitgründerin des Fintech beatvest arbeitete bei der Finanzmarktaufsicht in Großbritannien und den USA und berät heute Führungskräfte zu Finanzbildung. „Ich spreche mit erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern, die die Finanzen in ihrer Firma verantworten – aber privat oft nichts anlegen“, sagt sie. „Ihr Geld verstaubt dann auf dem Sparbuch oder auf dem Girokonto. Die Standard-Ausrede lautet: Ich kümmere mich später.“ 

Das klingt harmlos, ist es aber nicht. Je weniger eine Unternehmer*in über ihre eigene finanzielle Situation weiß, desto größer werden private Risiken – gerade in Phasen mit hoher Belastung oder unsicheren Märkten. 

Mehr zu Finanzbildung: Jetzt im Podcast

Was sollten Unternehmer*innen wissen? Wie können sie handeln – für sich und ihre Mitarbeitenden? In unserem Podcast Goldelse - Geldgeschichten aus der Hauptstadt vertiefen wir das Thema: im Gespräch mit Sophie Thurner, Gründerin von beatVest. Hören Sie direkt rein!

Auch für Unternehmer*innen gilt: Es ist nie zu spät

Turner empfiehlt einen nüchternen Startpunkt: die Bestandsaufnahme. 
„Das Wichtigste ist, zuerst die eigene finanzielle Situation zu verstehen. Welche Risiken habe ich? Wo liegen Vermögen, Ausgaben, Verpflichtungen? Und: Wo will ich hin?“ 

Viele Unternehmer*innen fühlen sich mit Mitte 40 oder 50 bereits zu spät dran – ein Trugschluss. 
„Es ist nie zu spät“, sagt Turner. „Wenn man 20 Jahre Anlagehorizont hat, kann man eine klare Strategie aufbauen. Entscheidend ist, dass man überhaupt anfängt.“ 

Die Realität zeigt: Unternehmerische Verantwortung gelingt besser, wenn private Stabilität vorhanden ist. Und Teams funktionieren besser, wenn finanzielle Überforderung abnimmt. 

Führung heißt: Vorbild sein – auch beim Geld

Unternehmer*innen prägen Strukturen und Entscheidungen. Und sie prägen Kultur. 
Wenn private Finanzthemen verdrängt werden, wirkt sich das indirekt auch auf die Organisation aus. „Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben hier eine Verantwortung“, sagt Turner. „In der Schule lernen wir nichts über Sparen, Geld anlegen oder fürs Alter absichern. Wo verbringen Menschen dann die meiste Zeit? Bei der Arbeit.“ 
Finanzielle Bildung sei deshalb kein Extra, sondern eine Form der Fürsorge – vergleichbar mit der Gesundheitsprävention. 

Im internationalen Vergleich ist Deutschland da eher spät dran. „In den USA ist es völlig normal, über Geld zu sprechen“, so Turner. „Finanzielle Bildung ist dort Bestandteil von Benefits. Bei einem Jobwechsel fragt man: Was bietet ihr beim Financial Wellbeing?", berichtet sie. Der Begriff beschreibt das Maß an finanzieller Kontrolle, Resilienz und Planungssicherheit, also die Fähigkeit, den Alltag finanziell zu bewältigen und zugleich für die Zukunft vorzusorgen. Financial Wellbeing baut auf finanzieller Bildung auf, denn Wissen über Geld ist das Fundament für finanzielles Wohlbefinden. Auch der Begriff finanzielles Wohlbefinden sei in Deutschland vielen nicht mal bekannt, aber– das ändere sich gerade, so Turner. Und Unternehmen, die schon vorbereitet sind, haben einen Wettbewerbsvorteil. 

Finanzbildung neu gedacht: Berliner Volksbank startet Kooperation mit beatvest 

Die Berliner Volksbank hat ein Pilotprojekt mit der spielerischen Lern-App für Wertpapierwissen gestartet. beatvest vermittelt Finanzwissen locker und häppchenweise. 

Finanzielles Wohlbefinden - ein unterschätzter Produktivitätsfaktor

Geldfragen sind nicht nur Privatsache. Sie wirken in den Arbeitsalltag hinein. Laut Turner fühlen sich rund 20 Prozent der Arbeitnehmer*innen finanziell stark gestresst. Das hat Folgen. 

„Finanzieller Stress macht unproduktiv. Und er kann sogar gesundheitliche Beschwerden verstärken“, sagt sie. Wer zwischen Miete, Energiepreisen und Vorsorgefragen jongliert, hat weniger Kapazität für anspruchsvolle Arbeitssituationen. 

Hinzu kommt eine zweite Erkenntnis: Viele Mitarbeitende verstehen die Angebote ihres Arbeitgebers nicht – etwa die betriebliche Altersvorsorge. 
„Die Produkte sind da, aber das Wissen fehlt“, sagt Turner. „Unternehmen merken oft gar nicht, wie groß der Hebel wäre, wenn man beides zusammendenkt.“ 

Profilbild Sally Wilkens

Ihre Autorin

Sally Wilkens | Content-Spezialistin

Ihren beruflichen Weg startete sie bei NDR Media in Hamburg im Marketing. Studiert hat sie dann Politik­wissen­schaft in Bremen und Florenz. Nach dem Volontariat auf der Axel-Springer-Schule war sie Redakteurin bei Bild und Bild am Sonntag. Jetzt engagiert sie sich bei der Berliner Volksbank im Corporate Publishing - sie kümmert sich um das Mitgliedermagazin m.

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